„Die christliche Identität stärken”

Der deutsche Pater Jens Petzold auf Mission im Irak

Pater Jens Petzold mit dem Auto, dessen Kauf KIRCHE IN NOT unterstützt hat.

Pater Jens Petzold mit dem Auto, dessen Kauf KIRCHE IN NOT unterstützt hat.

Christliches Leben geht trotz aller Probleme weiter im Zweistromland Irak. Der deutsche Pater Jens Petzold hat im vergangenen Jahr nahe der iranischen Grenze ein Kloster gegründet.

Als Louis Sako, der heutige Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, 2011 noch Erzbischof von Kirkuk war, hatte er die Gemeinschaft Petzolds eingeladen, in die Stadt Sulaimaniyya zu kommen. „Das haben wir gern angenommen”, sagt der Pater. Seit Februar 2012 baut er ein Kloster der syrisch-katholischen Gemeinschaft „Al Khalil” in der kurdischen Metropole im Nordosten des Irak auf.

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Viele Christen aus Bagdad und dem Süden des Irak sind aus Angst vor Terroranschlägen in die kurdischen Autonomiegebiete geflohen. Hier ist die Sicherheitslage stabil, daher kommen immer wieder Christen im Norden an. „Sie kommen nicht nur wegen der Sicherheit. Vielfach können sie sich die durch Spekulation explodierenden Mieten in Bagdad einfach nicht mehr leisten”, erklärt der Pater.

Seit einiger Zeit kommt auch eine größere Zahl ausländischer Christen aus Eritrea, Bangladesch, Großbritannien oder von den Philippinen als Gastarbeiter nach Sulaimaniyya. Um die 400 arbeiten dort als Hausangestellte, in den Ölfirmen oder auf den großen Baustellen. „Ich kümmere mich im Auftrag der Kirchengemeinde um sie”, sagt Petzold. In der aufstrebenden Millionenstadt ist die christliche Gemeinschaft trotz des Zulaufs mit kaum 1500 Seelen verschwindend klein.

Der Eingang zur St.-Josef-Kirche in Sulaimaniyya wird bewacht.

Der Eingang zur St.-Josef-Kirche in Sulaimaniyya wird bewacht.

„Es stimmt. Wir sind hier wenige. Aber in der unmittelbaren Umgebung unserer Kirche kennt man uns. Wir Christen hier im Viertel haben mit den Nachbarn ein sehr gutes Verhältnis”, berichtet Pater Petzold. So werde eine christliche Witwe von den muslimischen Frauen der Nachbarschaft unterstützt; als kürzlich eine alte Christin starb, wurde sie unter großer Anteilnahme der muslimischen Nachbarn beerdigt.

Auch er selbst erlebe immer wieder das Interesse der Muslime am christlichen Glauben und seiner Lebensform. „Der Klassiker ist, dass Taxifahrer, wenn sie mein Ordensgewand sehen, wissen wollen, warum wir als Ordensleute ehelos leben”, erzählt Petzold. Davon hätten sie gehört, aber der Zölibat sei für sie schwer verständlich. „Ich versuche ihnen dann klarzumachen, dass auch der Islam Zeiten der Enthaltsamkeit kennt, etwa während des Ramadan. Zudem gibt es im Irak Sufi-Gemeinschaften, die zölibatär leben.”

Pater Petzold hat Verständnis für die Taxifahrer, denn ihm war der Ordensstand selbst auch nicht in die Wiege gelegt. „Ich stamme aus einer alten Berliner Sozialistenfamilie, die mit Religion nichts anfangen konnte. Getauft wurde ich deshalb nicht. Schon meine Urgroßeltern sind aus der Kirche ausgetreten. Aber mein Hunger nach Sinn war da”, erzählt er.

Kommunion in einem Gottesdienst mit Pater Jens Petzold.

Kommunion in einem Gottesdienst mit Pater Jens Petzold.

Dabei habe er nicht nur in der christlichen Mystik gesucht. Doch irgendwann hat ihn sein Weg in das syrische Wüstenkloster Mar Musa geführt. „Hier hatte ich in Exerzitien starke Christus-Erfahrungen; dort habe ich mich 1996 auch taufen lassen”, sagt Petzold.

Wenig später ist er dann in das Kloster eingetreten und im Heiligen Jahr 2000 hat er in Mar Musa seine Ewigen Gelübde abgelegt. Gegründet wurde die von dort stammende Gemeinschaft „Al Khalil” vom italienischen Jesuiten Paolo Dall’Oglio. Ihr gehören heute 13 Schwestern und Brüder an.

Das Gespräch zwischen Islam und Christentum bildet das Charisma, wie Pater Petzold erklärt: „Wir berufen uns auf den Erzvater Abraham, den Freund Gottes, Al Khalil, wie es im Arabischen heißt. Er ist Juden, Christen und Muslimen heilig. Auch hier im Irak wollen wir versuchen, mit dem örtlichen Islam in einen echten Dialog zu treten. Schließlich haben wir vor, hier lange zu bleiben.”

Flüchtlingsfamilie in Sulaimaniyya.

Flüchtlingsfamilie in der Stadt Sulaimaniyya.

Die Hoffnung, irakische Berufungen für die Gemeinschaft gewinnen zu können, hat sich bislang zwar noch nicht erfüllt. Aber der Pater bleibt zuversichtlich. „Unabhängig davon, ob junge Menschen bei uns eintreten oder nicht: Es ist uns wichtig, ihnen geistlich beizustehen und ihre christliche Identität zu stärken”, sagt er.

Es gebe bei jungen irakischen Christen eine große spirituelle Sehnsucht. Für den kommenden Sommer plant er deshalb ein geistliches Lager mit etwa 30 jungen Leuten zwischen 16 und 28 Jahren. Manche von ihnen sind Seminaristen, andere arbeiten in ihren Gemeinden als Katecheten. „Wir wollen eine Woche zusammen leben, in der Bibel lesen und die schöne Natur um Sulaimaniyya erkunden”, sagt der Pater.

Dabei hilft das neue Auto, das die Gemeinschaft mit Hilfe von KIRCHE IN NOT vor zwei Monaten anschaffen konnte. „Ich danke allen Spendern ganz herzlich. Das Auto ist etwas Praktisches, aber Unentbehrliches. Im Irak geht es nicht ohne Auto”, betont Petzold. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verliere man sehr viel Zeit. „Und die verwende ich lieber für den Aufbau des Klosters und meine pastorale Arbeit”, sagt der Pater.

So können Sie den Christen im Irak helfen

26.Jun 2013 12:29 · aktualisiert: 23.Mrz 2015 10:10
KIN / S. Stein