„Nah bei den Menschen sein”

Rückblick auf unseren Begegnungstag im Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben

Kardinal Urosa und Pater Christian Heim leiteten den Gottesdienst.

Kardinal Urosa und Pater Christian Heim leiteten den Gottesdienst.

Die schwierige Situation der katholischen Kirche im südamerikanischen Land Venezuela stand am Samstag im Mittelpunkt eines Begegnungstages von KIRCHE IN NOT im Kloster Helfta in Lutherstadt Eisleben.

Aus der venezolanischen Hauptstadt Caracas war dazu der dortige Erzbischof, Jorge Kardinal Urosa Savino, angereist. Außerdem berichtete Pater Christian Heim von der in Brasilien entstandenen Initiative „Fazendas da Esperanca” (Höfe der Hoffnung) und stellte das Suchtheilungsprogramm der „Fazendas” vor.

Die Veranstaltung war Teil der deutschlandweiten „Glaubenstournee”, die unser Hilfswerk anlässlich des 100. Geburtsjahres seines Gründers, des „Speckpaters” Werenfried van Straaten, veranstaltet.

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Samstagvormittag durch eine von Kardinal Urosa geleitete Gedenkmesse an Pater Werenfried van Straaten in der Klosterkirche Helfta. Der „Speckpater” stand auch im Mittelpunkt der Predigt von Pater Heim. Es sei Werenfried nicht vorrangig um „soziale Arbeit”, sondern vor allem um die Würde des Menschen gegangen. „Und unsere Würde erwächst uns daraus, dass wir von Gott angeschaut werden”, erklärte Heim.

Pater Werenfried habe den Mut gehabt, sich „kleinzumachen”, damit „alle mit dem Heiland in Berührung kommen”. „Wir brauchen auch heute solche Knechte und Mägde Gottes”, forderte Heim die Zuhörer auf. „Geben wir uns nicht damit zufrieden, die Welt harmonischer zu machen. Haben wir Mut, den ‚kleinen Weg‘ zu den Geringsten zu gehen!”

Podiumsgespräch über das Leben und Wirken von Pater Werenfried mit Antonia Willemsen und Volker Niggewöhner.

Podiumsgespräch über das Leben und Wirken von Pater Werenfried mit Antonia Willemsen und Volker Niggewöhner.

Am Nachmittag gab es zwei Podiumsgesprächen, in denen es zunächst auch um das Leben und Werk Pater Werenfrieds ging. Die damalige Vorstandsvorsitzende von KIRCHE IN NOT Deutschland, Antonia Willemsen, berichtete dabei vor allem über die Initiativen des „Speckpaters” in Lateinamerika.

Da in der Region bereits in den 60er-Jahren ein enormer Priestermangel geherrscht habe, habe KIRCHE IN NOT damals diverse pastorale Projekte begonnen, um die Pfarrgemeinden auf allen Ebenen zu stärken. Das sei auch vor dem Hintergrund einer sich abzeichnenden politischen Radikalisierung vieler südamerikanischer Länder geschehen, betonte Willemsen.

„Die lateinamerikanischen Bischöfe hatten uns damals gesagt: ‚Noch sind wir keine verfolgte Kirche wie in Osteuropa. Wenn Sie uns jetzt helfen, wird es später, wenn die Verfolgung beginnt, billiger für Sie.‘ Dieser Argumentation sind wir gefolgt.”

Das größte Projekt von KIRCHE IN NOT in Lateinamerika sei die Kinderbibel „Gott spricht zu seinen Kindern” in Millionenauflage gewesen. Außerdem habe man im großen Stil Lastwagen, Schiffe und sogar Maultiere für die Fortbewegung der Seelsorger in den unwegsamen Gebieten des Kontinents finanziert.

Podiumsgespräch im Kloster Helfta mit Moderator Berthold Pelster, Pater Christian Heim und Jorge Kardinal  Urosa Savino (v.r.). Links: Übersetzerin Barbara Larumbe.

Podiumsgespräch im Kloster Helfta mit Moderator Berthold Pelster, Pater Christian Heim und Jorge Kardinal Urosa Savino (v.r.). Links: Übersetzerin Barbara Larumbe.

Über die aktuelle Situation in Venezuela berichtete Kardinal Urosa. Die Beziehungen zwischen Kirche und Regierung in seinem Land seien sehr angespannt, betonte er. Immerhin habe die Regierung aber „anerkannt, dass wir helfen wollen”.

Auf die Frage, ob der erste südamerikanische Papst Franziskus einen Stimmungswechsel der venezolanischen Regierung gegenüber der Kirche herbeiführen könne, sagte Urosa: „Vor kurzem hat die Regierung unseren Aufruf zum Dialog angenommen.” Ein Anhaltspunkt dafür sei der Besuch von Staatspräsident Nicolas Maduro bei Papst Franziskus im Juni gewesen, während dem auch die sozialen Kernprobleme Venezuelas angesprochen worden seien.

Venezuela leide unter der Armut einer breiten Mehrheit, die immense soziale Probleme und in der Folge Gewalt verursache. „Viele junge Menschen sehen keine andere Chance als eine ‚Karriere‘ in den Drogenbanden”, erklärte der Kardinal. Die Kirche wolle den Armen des Landes deshalb Ausbildung und damit neue Perspektiven ermöglichen. „In der Erzdiözese Caracas gründen wir darum vor allem in den Armenvierteln neue Pfarreien, um nah bei den Menschen zu sein”, sagte Urosa.

Gottesdienst in der Klosterkirche Helfta mit den Hauptzelebranten Kardinal Urosa und Pater Christian Heim sowie Norbert Jensch  und Dr. Nikolaus Timpe.

Gottesdienst in der Klosterkirche Helfta mit den Hauptzelebranten Kardinal Urosa und Pater Christian Heim sowie Norbert Jensch und Dr. Nikolaus Timpe.

Als „nah bei den Menschen” stellte Pater Heim im Gespräch auch die brasilianische Initiative „Fazendas da Esperanca” vor. Auf diesen „Höfen der Hoffnung” lernen suchtkranke junge Menschen neu zu leben, wie Pater Heim erklärte.

„Die enorm steigende Zahl von Drogenabhängigen ist ein Aufschrei ungestillter Sehnsüchte. Viele Menschen sehen heute oft keinen nachhaltigen Ausweg mehr und suchen darum kurzfristige Befriedigung in den Drogen.” Dieses Problem habe in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen.

„Heute ist der ‚geistige Grundwasserspiegel‘ so niedrig, dass viele verzweifeln”, stellte Pater Heim fest. Doch nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung liege in der Natur des Menschen. „Ich bin auf meinen Nächsten hin geschaffen”, erklärte Heim. „Indem ich meinen Bruder entdecke und ihm diene, erhalte ich eine tiefe Freude, die mir keine Droge geben kann.” Das Gebot „Du sollst lieben” sei deshalb das Kerngeheimnis der „Fazendas”.

Die letzte Station der „Glaubenstournee” von KIRCHE IN NOT wird am 3. November in Limburg stattfinden. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird den Tag um 10:15 Uhr mit einem Pontifikalamt im Dom eröffnen. Das Schwerpunktthema des Tages wird die Neuevangelisation und Glaubensweitergabe in Deutschland sein.

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge können Sie als CD beziehungsweise DVD bei uns unentgeltlich bestellen oder auch in unserer Mediathek anschauen.

So können Sie helfen:

25.Jul 2013 13:14 · aktualisiert: 21.Nov 2014 15:26
KIN / S. Stein