„Wir Christen sind die Sündenböcke”

Ägyptische Bischöfe über die verzweifelte Lage der Christen

Kyrillos William Samaan, koptisch-katholischer Bischof von Assiut.

Kyrillos William Samaan, koptisch-katholischer Bischof von Assiut.

Der koptisch-katholische Bischof von Assiut, Kyrillos William Samaan, beklagt angesichts der angespannten Lage in Ägypten und der Zerstörung zahlreicher Kirchen in der vergangenen Woche einen mangelnden Einsatz der westlichen Regierungen für die Christen in dem afrikanischen Land.

In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT sagte er, dass sie die Realität in Ägypten nicht erfassen würden. „Eine Gruppe von Terroristen benutzt Waffen gegen uns. Das sollten die westlichen Regierungen nicht unterstützen“, so der Bischof wörtlich. Die Regierungen sprächen zwar von Menschenrechten, jedoch demonstrierten Unterstützer der Muslimbruderschaft mit Waffen.

„Die Muslimbrüder denken, dass Christen daran schuld seien, dass Präsident Mursi abgesetzt wurde. Aber die Christen waren es nicht allein – es gab 35 Millionen Menschen, die gegen Mursi auf die Straße gegangen sind. Christen werden bestraft, wir sind die Sündenböcke.“

Die St.-Teresa-Kirche in Assiut wurde durch radikale Islamisten zerstört.

Die St.-Teresa-Kirche in Assiut wurde durch radikale Islamisten zerstört.

In der vergangenen Woche wurden nach Angaben von Bischof Kyrillos William fast achtzig Kirchen, Klöster, kirchliche Schulen, Kliniken und andere Einrichtungen zerstört. Besonders schlimm sei die Lage in der Provinz Minya (Oberägypten). Der koptisch-katholische Bischof von Luxor, Johannes Zakaria, sagte in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Priester, Ordensschwestern, Gläubige und ich können sich nicht frei bewegen. Wir bleiben in unseren Häusern, um uns vor jeglicher Gewalt zu schützen.“

Die Polizei in Luxor musste die christliche Bevölkerung schützen, nachdem Islamisten das Haus des Bischofs angezündet hatten und Christen daran gehindert wurden, ihre Häuser zu verlassen. Dort seien nun alle Kirchen geschlossen, bestätigt Bischof Zakaria. Einige Kirchen sowie Häuser und Geschäfte von Christen seien zerstört und zum Teil angezündet worden. In einem Dorf kamen fünf Christen und ein Muslim ums Leben.

Der Innenraum der St.-Teresa-Kirche in Assiut wurde völlig verwüstet.

Der Innenraum der St.-Teresa-Kirche in Assiut wurde völlig verwüstet.

In einer Stellungnahme betonte der koptisch-katholische Patriarch von Alexandria, Ibrahim Isaac Sidrak: „Wir unterstützen bewusst und freiwillig alle staatlichen Institutionen im Land. Besonders genannt seien die ägyptische Polizei und Armee, die in großer Gefahr und Anstrengung unsere Heimat verteidigen.“

Er und Bischof Kyrillos William stellten heraus, dass viele Muslime „Schulter an Schulter“ mit Christen zusammengestanden hätten, um Kirchen und andere Gebäude der koptischen Kirche zu verteidigen. „Als die Fundamentalisten in die Altstadt von Assiut gekommen waren, schickten Muslime sie mit ihren Waffen weg“, berichtet der Bischof. In anderen Städten hätten sie den ganzen Tag gemeinsam die Kirche bewacht. Er unterstrich, dass viele Muslime die Einstellung der Christen, Religion und Politik zu trennen, unterstützen.

Alle Bischöfe Ägyptens rufen zum Gebet für die Menschen in Ägypten auf. Bischof Joannes Sakaria: „Wir brauchen das Gebet von jedem, um unsere Probleme lösen zu können. Es ist die Zukunft für unsere Kinder, um die wir uns sorgen, damit Christen und Muslime Seite an Seite leben können.“

So können Sie den Christen in Ägypten helfen:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich. Besuchen Sie auch unsere Mediathek.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Fax: 089 – 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

20.Aug 2013 10:49 · aktualisiert: 4.Feb 2014 16:36
KIN / S. Stein