„Den Waffeneinsatz beenden”

Patriarch Gregor III. Laham warnt vor militärischer Intervention in Syrien

Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien.

Patriarch Gregor III. Laham von Antiochien, Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche im Nahen Osten.

Angesichts einer drohenden Intervention westlicher Truppen in Syrien hat das Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche vor den Folgen eines möglichen Angriffs gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT betonte Patriarch Gregor III. Laham, dass trotz des anhaltenden Konflikts Initiativen zur Versöhnung nach wie vor realisierbar seien.

Nach Ansicht des Patriarchen sollten die USA, Russland und andere Weltmächte einen Friedensplan aufstellen. „Es ist an der Zeit, den Waffeneinsatz zu beenden. Anstatt zur Gewalt aufzurufen, sollten die internationalen Mächte sich für den Frieden einsetzen“, forderte er wörtlich.

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT kritisierte er vor allem die Syrien-Politik der USA scharf: „Die Amerikaner heizen die Situation seit zwei Jahren an.“ Laham bemängelte insbesondere den schwankenden Kurs der USA. „Man sollte nicht an einem Tag die Regierung anklagen und am nächsten Tag die Opposition. Damit schürt man Gewalt und Hass.“

Der Patriarch zweifelt an der Glaubwürdigkeit eines Teils der Beweise für den Chemiewaffenangriff in der vergangenen Woche, bei dem Hunderte Menschen ums Leben kamen. „Wer kann jetzt wissen, wer hinter dem Chemiewaffenangriff steckte“, sagte er.

Panzer vor einer Kirche in Homs.

Panzer vor der syrisch-orthodoxen Kirche in Homs / Syrien.

Laham bezeichnete die Lage in Syrien als „tragisch“, besonders für die Christen. Derzeit seien 450 000 syrische Christen, beinahe ein Drittel aller Christen im Land, geflüchtet, entweder innerhalb von Syrien oder ins Ausland. „Die Extremisten wollen Hass zwischen den Christen und den verschiedenen muslimischen Glaubensbewegungen schüren“, vermutet der Patriarch. Viele Menschen kämen aus dem Ausland nach Syrien, um im Land zu kämpfen. Diese förderten den Fundamentalismus und Islamismus.

Darüber hinaus wies Laham auf die prekäre Situation in der Hauptstadt Damaskus hin. Bisher sei die Stadt ein Zufluchtsort für Christen und andere Flüchtlinge aus Homs und anderen Gebieten nördlich der Hauptstadt, die unter besonders schweren Angriffen zu leiden haben.

Er berichtete, dass am Dienstagnachmittag, kurz nachdem er Damaskus Richtung Libanon verlassen hatte, zwei Bomben über der Altstadt von Damaskus abgeworfen worden seien, jeweils in der Nähe des Amtssitzes des Patriarchats der melkitisch-katholischen Kirche. Zwei unbeteiligte Passanten seien ums Leben gekommen.

Aufruf zum Gebet für Menschen in Syrien

Es herrsche eine Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung. „Die Menschen wissen nicht, wie ihre Zukunft aussehen wird. Sie machen sich große Sorgen um ihre Kinder und hilfsbedürftige Menschen“, sagte das Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche. Er rief alle Christen zum Gebet für die Menschen in Syrien auf.

Trotz der anhaltenden Krise seien die Kirchen bis auf den letzten Platz gefüllt, freut sich der Patriarch. „Wir sind froh, dass unser Volk auf diese Situation mit dem Gebet antwortet. Die Menschen spüren, dass Gott trotz aller Probleme Wunder für sie wirkt“, sagte der Patriarch abschließend.

KIRCHE IN NOT hilft der melkitisch-katholischen Kirche in Syrien unter diesen schwierigen Umständen beim Erhalt ihrer pastoralen Strukturen und bei der Versorgung der zahlreichen Flüchtlinge.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst Benedikt XVI. beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

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29.Aug 2013 18:44 · aktualisiert: 15.Dez 2015 11:27
KIN / S. Stein