Im Geiste des heiligen Simeon

Ein aktuelles Projekt aus dem Bürgerkriegsland Syrien

Von 422 bis zum Tod 459 lebte Simeon auf einer Plattform oben auf der Säule. Er wird noch heute auf Ikonen kunstvoll dargestellt.

Von 422 bis zum Tod 459 lebte Simeon
auf einer Plattform auf einer Säule.

Simeon der Stylit, der Mönch auf der Säule, war mit den Kirchenlehrern Hieronymus und Augustinus eine der großen Heiligengestalten des fünften Jahrhunderts. Er lebte als Eremit nahe der heutigen syrischen Stadt Aleppo.

Sein Wirken durch Gebet und Fasten auf einer Säule machte ihn schon zu Lebzeiten zum Vorbild asketischer Hingabe. Seine Weisheit führte viele Konfliktparteien zu ihm. Er vermittelte, predigte und stiftete Frieden.

Bis heute wirkt der heilige Simeon nach. Pater François Mourad gründete nahe Aleppo eine kleine monastische Gemeinschaft, begann, junge Syrer zu unterweisen, die Mönche nach dem Vorbild des Heiligen werden wollten, und ein Kloster zu bauen.

Als islamistische Rebellen die Gegend um Aleppo besetzten, zog Pater Mourad sich nach Gassanieh in ein Franziskanerkloster zurück und kümmerte sich dort um die unter dem Bürgerkrieg leidende christliche und muslimische Bevölkerung. Immer musste er damit rechnen, dass Islamisten auch im Kloster erscheinen.

Am 23. Juni kamen sie, drangen in das Kloster ein, plünderten und schossen um sich. Die Menschen, die im Kloster Zuflucht gesucht hatten, flohen in panischer Angst. Pater Mourad ging mit offenen Armen auf die Islamisten zu, wollte mit ihnen reden. Kaltblütig erschossen sie den Ordensmann. Dann zerstörten sie, was sie nicht mitschleppen konnten, und rasten davon.

Das Kloster zum heiligen Simeon Stylites bei Aleppo.

Das Kloster zum heiligen Simeon Stylites bei Aleppo.

Einmal wird der Krieg in Syrien hoffentlich vorbei sein. Dann wird man Menschen wie Pater François und seine Schüler brauchen. Sein Kloster wird eine Oase der Hingabe sein. Noch steht es leer. Aber es steht schon – wie ein Wahrzeichen christlicher Präsenz in einem von Krieg und Fanatismus geprägten Land. Es ist das Wahrzeichen einer Präsenz, die weit vor die Zeit des Islam und bis an die Ursprünge des Christentums zurückreicht.

Kirchenkuppel und Minarette in Aleppo / Syrien.

Kirchenkuppel und Minarette in Aleppo / Syrien.

Der syrisch-katholische Erzbischof Jacques Behnan Hindo, in dessen Diözese Hassaké-Nisibi das Kloster liegt, fühlt sich diesem geistigen Erbe verpflichtet. Er hat Pater Mourad zum Priester geweiht. „Wie dankbar war dieser Priester Ihren Wohltätern”, sagt er.

„Ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT hätten die Mauern des Klosters nicht errichtet werden können. Immer waren Sie in der heiligen Messe auf der Patene dabei.”

KIRCHE IN NOT verstehe die Situation in Syrien und die Lage der verfolgten Christen dort. „Sie sind die einzigen, die uns bei diesem Klosterprojekt helfen.” Darum haben Bischof Hindo und Pater François uns ein letztes Mal um Hilfe gebeten: Bei der Innenausstattung des Klosters fehlen noch Türen und sanitäre Einrichtungen, einige elektrische Leitungen müssten auch noch gelegt werden. Es ist das Notwendigste.

Die jungen Mönche werden zwar nicht auf einer Säule leben, aber doch im Geiste des heiligen Simeon. Sie werden Frieden stiften mit ihrem Gebet. Wir haben 20.000 Euro gegeben. Das ist nicht viel für ein Wahrzeichen der Märtyrerkirche, für eine Oase des Gebets, der Stille und der Hingabe.

So können Sie den verfolgten Christen helfen

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich. Weitere Filme finden Sie auch in unserer Mediathek.

31.Okt 2013 09:32 · aktualisiert: 13.Dez 2013 13:51
KIN / S. Stein