„Wir fürchten um unser Überleben”

Katholische Patriarchen aus dem Nahen Osten beraten mit Papst Franziskus

Louis Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche.

Louis Raphael Sako, Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche.

Vor dem Treffen katholischer Patriarchen aus dem Nahen Osten mit Papst Franziskus vom 19. bis 21. November in Rom sind die Hoffnungen groß.

Patriarch Louis Raphael Sako, Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäischen Kirche, sagte gegenüber KIRCHE IN NOT: „Wir hoffen auf mehr Nähe gegenüber unseren Kirchen in diesen schwierigen Zeiten. Wir brauchen mehr Unterstützung vom Heiligen Stuhl, mehr Ermutigung und mehr Solidarität.“

Ausdrücklich dankte Patriarch Louis Raphael Papst Franziskus und seinen Vorgängern dafür, dass sie an der Seite der Christen im Nahen Osten stünden. Anlässlich der Vollversammlung der römischen Ostkirchenkongregation vom 19. bis 21. November werden sich die mit Rom unierten Patriarchen und Erzbischöfe mit Papst Franziskus beraten sowie für den Frieden im Nahen Osten beten.

Der in Bagdad im Irak ansässige Patriarch bezeichnete es als große Herausforderung der Christen im Nahen Osten, als gleichberechtigte Bürger ihrer Länder zu leben. „Die Abwanderung bedroht unsere Gegenwart und Zukunft. Wir fürchten um unser Überleben!“

Die Kathedrale in Kirkuk. Die Mauer musste nach einem Anschlag ausgebessert werden. Neben dem Auto sind Straßensperren zu sehen.

Die Kathedrale in Kirkuk (Nordirak). Die Mauer musste nach einem Anschlag ausgebessert werden. Neben dem Auto sind Straßensperren zu sehen.

Louis Raphael I. bat in diesem Zusammenhang, dass alle Kirchen die Christen des Nahen Ostens darin unterstützen sollten, in ihren Ländern Brücken des Dialogs und Friedens sein zu können, wo andere Mauern bauten. „Die Muslime brauchen unser Zeugnis menschlicher und christlicher Werte“, so der Patriarch.

Patriarch Gregor III. Laham, Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche.

Patriarch Gregor III. Laham, Oberhaupt der melkitisch-katholischen Kirche.

Der in Damaskus residierende Patriarch der melkitisch-katholischen Kirche, Gregor III. Laham, blickt ebenfalls erwartungsvoll auf das Treffen in Rom.

Gegenüber KIRCHE IN NOT sagte er: „Wir wollen mit dem Heiligen Vater die Lage in Syrien und dem Irak beraten, aber auch grundsätzliche Fragen der Rolle der Christen im Nahen Osten, des interreligiösen Dialogs und der Ökumene mit der Orthodoxie. Wir sollten versuchen, daraus ein festes Beratungsgremium des Papstes zu machen, das sich vielleicht alle zwei Jahre trifft.“

Gregor III. bezeichnete die Lage im Nahen Osten als dramatisch. Er rief den Heiligen Stuhl deshalb dazu auf, sich noch stärker als bisher für die Palästinenser einzusetzen.

„Wir brauchen endlich Frieden im Heiligen Land. Der Vatikan hat sich immer für die Rechte der Palästinenser engagiert. Aber es bedürfe jetzt einer konzertierten diplomatischen Aktion seitens des Heiligen Stuhls und seiner Nuntien in aller Welt. Die Lösung des Palästinakonflikts ist zusammen mit der Syrienfrage der Schlüssel für den Frieden in der Region.“

In einem Flüchtlingslager für syrische Auswanderer im Libanon.

In einem Flüchtlingslager für syrische Auswanderer im Libanon.

Neben aktuellen Konflikten wolle er dem Papst auch über die Ökumene im Nahen Osten berichten. „Wir sind sehr froh über die Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl. Rom darf aber nicht vergessen, dass wir orthodoxe Wurzeln haben. Wir sind der katholische Zweig der orthodoxen Kirche.”

Dankbar zeigte sich Patriarch Gregor über die von Benedikt XVI. 2010 abgehaltene Nahost-Synode in Rom. „Das war am Vorabend der Krise, die 2011 losging. Ich glaube, die Vorsehung Gottes hat das so gewollt. Denn mit der Synode und dem Abschlussdokument haben wir eine Vorbereitung für die schwierigen Zeiten bekommen. Wir Christen sind so auf unsere Rolle als Zeugen im Nahen Osten vorbereitet worden.“

Oliver Maksan

So können Sie den Christen im Nahen Osten helfen

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib von Alexandria / Ägypten für KIRCHE IN NOT)

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15.Nov 2013 11:31 · aktualisiert: 4.Feb 2014 16:31
KIN / S. Stein