Eine Seelenfestung für Gott

Wallfahrtskirche Maria Radna in Rumänien muss dringend renoviert werden

Hochaltar der Wallfahrtskirche Maria Radna.

Hochaltar der Wallfahrtskirche Maria Radna.

Die erste Kapelle datiert aus dem Jahr 1520. Eine fromme Witwe ließ sie bauen. Die Franziskaner und die Gläubigen nutzten sie zum Gottesdienst, auch während der Herrschaft der Osmanen.

Als die Türken 1695 abzogen, brannte die Kapelle nieder, aber das Gnadenbild blieb wundersam unversehrt. Die Menschen pilgerten weiter nach Maria Radna. Die erste große Wallfahrt gab es 1709 nach einer überstandenen Pestepidemie. Seit 1750 ist Maria Radna offiziell von der Kirche als Wallfahrtsort anerkannt.

Fortan strömten die Pilger aus ganz Rumänien, Ungarn und dem Balkan zur Muttergottes in der Diözese Temeschwar. Maria Radna wurde zum Nationalheiligtum, ähnlich wie Tschenstochau in Polen, Einsiedeln in der Schweiz, Lourdes in Frankreich oder Fatima in Portugal. Die Kommunisten stoppten den Strom und bauten auch das anliegende Franziskanerkloster in ein staatliches Altenheim um. Die heimliche Verehrung des Gnadenbildes konnten sie jedoch nicht aufhalten.

Die Wende um 1990 brachte Glück und Unglück. Viele Katholiken wanderten aus, die einstmals beachtliche Zahl von 151 Pfarreien der Diözese schrumpfte auf 73. Zwar kommen die Pilger seit einigen Jahren wieder von weit her, die Donauschwaben sogar aus Deutschland. Nur: Wie kann man sie betreuen? Es fehlt an Strukturen der Aufnahme, der Ausbildung, für Einkehrtage und Priesterexerzitien.

Die Wallfahrtskirche Maria Radna in Rumänien.

Die Wallfahrtskirche Maria Radna in Rumänien.

Die Gottesmutter ist der Mittelpunkt, aber ihr Mantel hat Löcher. Der Eintritt in die Europäische Union eröffnete die Möglichkeit, diese Strukturen zu errichten, die Löcher zu stopfen. Zwar subventioniert die EU nur die Renovierung touristisch-kultureller Ziele, aber auch das bietet Maria Radna zuhauf. Pater Werenfried hätte gesagt: Das ist eine Festung für Gott!

Für die Menschen der Region ist, wie Bischof Martin Roos sagt, die „Wallfahrt nach Maria Radna der Höhepunkt des Jahres”. Jede Gemeinde hat ihren eigenen Wallfahrtstag, „hier erfahren sie die Gemeinschaft der Glaubenden und kehren gestärkt zurück”. Vor allem für die Jugend ist es ein nachhaltiges Erlebnis. „Mit Maria kann man manche Durststrecke überstehen.” Nach all den Erfahrungen hätten die Menschen auch heute „mehr Vertrauen in die Kirche als in die Politik”. Das werde sogar durch Umfragen belegt.

Eine Wallfahrt nach Maria Radna ist für viele Rumänen ein besonderer Höhepunkt im Jahr.

Eine Wallfahrt nach Maria Radna ist für viele Rumänen ein besonderer Höhepunkt im Jahr.

Täglich kommen mehr als 200 Pilger. Es können sehr viel mehr werden. Die Europäische Union sieht in Maria Radna ein Projekt der Regionalentwicklung und ist bereit, für die Renovierung der Kirche und des Konvents die notwendigen Millionen aus dem zuständigen Topf zu holen. Aber nur, wenn die Diözese den obligatorischen Eigenanteil von zwei Prozent zahlt und sich um die rein pastoralen Aspekte kümmert. Hier geht es allerdings um mehr als eine halbe Million Euro!

Aber Pfarrei und Diözese sind zu arm, um das allein zu stemmen. Deshalb bittet der Bischof um Unterstützung – bei seinen Brüdern in Westeuropa, bei Stiftungen und auch bei uns. Wir haben ihm 100.000 Euro versprochen, für die Renovierung der Seelenfestung.

2.Dez 2013 09:21 · aktualisiert: 31.Mrz 2015 15:34
KIN / S. Stein