Karmeliten helfen Flüchtlingen

Hunderte Menschen suchen Schutz in einem Kloster in Bangui

Junge Mutter mit ihrem Kind.

Junge Mutter aus der Zentralafrikanischen Republik mit ihrem Kind.

„Die Franzosen sind da! Endlich!“ Kampfjets durchbrechen die Wolken am Himmel über dem Karmelitenkloster. Die Menschen applaudieren spontan. Der Prior, Pater Federico Trinchero, ist den Tränen nahe. Vielleicht kommt jetzt Hilfe.

Wenige Stunden zuvor war im Stadtviertel um das Kloster Panik ausgebrochen. Man hörte Gewehrsalven, Frauen packten ihre Kinder, rannten los. Mehr als zweitausend Menschen suchten Zuflucht im Kloster.

„Am Freitagmorgen hatten wir eine heilige Messe für die vielen Menschen gefeiert, die in diesen Tagen getötet worden waren“, sagt Trinchero. „Ich bereitete gerade das Frühstück vor, als ich zur Pforte gerufen wurde und die vielen Flüchtlinge sah. Wir haben sie mit offenen Armen aufgenommen.“

Aber die Ordensmänner sahen sich plötzlich mit einer riesigen Herausforderung konfrontiert: „Ich habe die Leute diskret gezählt, damit keiner denken würde, wir hätten keinen Platz für ihn. Aber uns war klar, dass wir sie höchstens noch einen Tag versorgen könnten. Wir konnten das Kloster nicht verlassen, um Lebensmittel zu kaufen, weil es draußen zu gefährlich war.“

Flüchtlinge im Flur des Karmelklosters in Bangui.

Flüchtlinge im Flur des Karmelklosters in Bangui.

Also riefen die Mönche um Hilfe: den Erzbischof, die Nuntiatur, die französische Botschaft, aber auch dort wagte man sich nicht nach draußen.

Yousuf, ein Muslim und Freund des Klosters, betreibt in der Nachbarschaft eine Hühnerfarm und schenkte den Mönchen 2000 Eier, die er nicht auf dem Markt verkaufen konnte. „Wir haben Eierkuchen für die Kleinsten daraus gemacht“, erklärt Pater Federico.

Später brachte Yousuf noch einen Sack Reis, Zucker und ein Fass Öl. „Wir hatten die Kinder in Reihen aufgestellt, damit sie sich die Hände waschen, bevor jedes von ihnen einen Pfannkuchen bekommt. Wir haben hier 800 Kinder unter zwölf Jahren und viele schwangere Frauen.“

Der Prior hat es nicht gewagt, die in Panik geflohenen Menschen nach ihren Geschichten zu fragen. „Ich lächele, um nicht zu viel zu weinen“, gesteht er.

Noch vor wenigen Tagen hatte der Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, in seiner Adventsbotschaft klare Worte für die Untaten der Séléka-Rebellen gefunden, die das Land seit einem Jahr in Angst und Schrecken versetzen. Er prangerte Entführungen, Massenhinrichtungen und Plünderungen an. Sogar in Wohnvierteln würde mit Panzerabwehrwaffen geschossen.

Im Garten des Karmelklosters in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

Im Garten des Karmelklosters in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

Er beschrieb, dass mancherorts Leichen auf der Erde herumliegen und zum Futter von Geiern und wilden Tieren werden. Es würden gefolterte Menschen „bestialisch gefesselt“ und in den Fluss geworfen, um dort „qualvoll zu sterben, ohne Möglichkeit, sich gegen den unentrinnbaren Tod zu wehren“. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Nachdem in der vergangenen Woche der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zugestimmt hat, die Präsenz französischer Truppen im Land zu verstärken, haben die Menschen in der Zentralafrikanischen Republik die Hoffnung, dass dieser Alptraum ein Ende finden wird.

Das Klosterleben in Bangui läuft zurzeit ganz anders als gewöhnlich. „Wir haben die Morgenmesse draußen gefeiert, um die 350 Kinder nicht zu wecken, die in der Kapelle schlafen. Zwei von ihnen haben sogar unter dem Altar gelegen“, berichtet Pater Federico. Die Ordensmänner sind Tag und Nacht auf den Beinen.

Die Karmeliten aus dem Kloster in Bangui. Links: Prior Pater Federico Trinchero.

Die Karmeliten aus dem Kloster in Bangui. Links: Prior Pater Federico Trinchero.

„Ich habe Bruder Léonce früh um fünf beim Kehren des Flures angetroffen. Ich sagte ihm, er solle sich ausruhen, aber er erzählte mir, er selbst sei in einem Flüchtlingslager im Kongo zur Welt gekommen, als seine Familie vor dem Völkermord in Ruanda geflohen war.“

Der Prior ist stolz auf seine Mitbrüder. Bruder Cedric ist Arzt und versorgt die Kranken. Bruder Mathieu kümmert sich um die Küche. Die anderen helfen bei der Essensverteilung, bringen Wasser, sorgen für Hygiene, registrieren die Flüchtlinge, kümmern sich in jeder Hinsicht um sie.

Für manche der Flüchtlinge gibt es ein „Happy End“. „Zu uns kam ein Vater mit einem kleinen Baby. Am Abend fanden wir seine Frau wieder. Auch die kleine Fatou hatte am Sonntag endlich ihre Eltern wieder“, freut sich Pater Federico.

Eva-Maria Kolmann

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KIN / S. Stein