Richtfest auf der „Fazenda”

Mehr Platz für Versand von Artikeln von Kirche in Not

Pastor Paul Stapel, Bruder von Hans Stapel, dem Gründer der „Fazenda“-Idee, erteilt den Segen.

Pastor Paul Stapel, Bruder von Hans Stapel, dem Mitbegründer der „Fazenda“-Idee, erteilt den Segen.

Das Glas ist zersprungen – ein gutes Zeichen. Zufrieden blicken die Zimmerleute und die rund 30 Gäste des Richtfestes auf die Scherben auf dem Boden. Zuvor haben die beiden Zimmerleute das Glas verbunden mit guten Wünschen mit Wucht an die Wand geworfen.

Gemäß der Tradition der Zimmerleute bringt das zersprungene Glas Glück. Pater Paul Stapel spendet anschließend den Segen. Außerdem hängt im Haus ein Bild des heiligen Josef, des Patrons der Zimmerleute.

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Besser kann der Start im neuen Anbau der „Fazenda da Esperanca” im Gut Bickenried in Irsee im Allgäu nicht laufen. In Zukunft wird in dem Gebäudeteil des Bauernhofes ein Teil des Versandes von Kirche in Not abgewickelt. Wo früher ein Schweinestall war, arbeiten die Bewohner des Hofs für das Hilfswerk des „Speckpaters“. In dem Anbau werden ab April Materialien gelagert, Glaubenspakete gepackt, Prayerboxen bestückt und die Pakete zu den Wohltätern geschickt.

Bei einer kleinen Feier im ausgebauten Dachgeschoss dankte der bisherige Leiter der „Fazenda da Esperanca”, Pater Christian Heim, allen Unterstützern der Einrichtung sowie den am Bau beteiligten Firmen für die Arbeit am neuen Gebäudeteil. „Es ist nicht nur eine Baustelle, sondern alle sollen hier etwas mitnehmen, was wir hier leben wollen”, sagte er.

Gut Bickenried bei Irsee im Allgäu. Blick auf den neuen Anbau.

Gut Bickenried bei Irsee im Allgäu. Blick auf den neuen Anbau.

Die „Fazenda da Esperanca”, auf Deutsch „Hof der Hoffnung”, ist eine Einrichtung für ehemalige Drogenabhängige. Das Leben auf den Höfen ist von drei Säulen geprägt: Arbeit, Gebet und Gemeinschaft. Kirche in Not unterstützt diese Einrichtungen weltweit. Vor über 25 Jahren wurde der erste Hof der Hoffnung in Brasilien gegründet. Mittlerweile gibt es über 70 dieser Einrichtungen auf der ganzen Welt, ein Deutschland sind es sechs. Das Gut Bickenried ist eine davon.

Die ehemaligen Drogenabhängigen in der Fazenda arbeiten und leben gemeinsam auf dem Hof. Durch die Arbeit und die klare Struktur des Tages lernen sie, ein neues Leben ohne Drogen zu beginnen und Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen. Sie kümmern sich auch um einige Tiere auf dem Bauernhof. Das Geld für den Unterhalt des Hofes verdienen sie zu einem großen Teil selber. Das Bewusstsein, mit gemeinsamer Arbeitskraft Geld verdienen, ist auch Teil der Therapie, um ein drogenfreies Leben zu durchzuhalten.

Besichtigung der neuen Räumlichkeiten auf Gut Bickenried.

Besichtigung der neuen Räumlichkeiten auf Gut Bickenried (v.l.): Luiz Fernando Braz, Pastor Paul Stapel, Pater Christian Heim, Florian Ripka.

Einer der Erwerbszweige der „Fazenda“ in Irsee ist die Arbeit für Kirche in Not. Mit Freude und großem Engagement sind einige Bewohner in die umfangreichen Abläufe des Versands eingebunden. Weil immer mehr Wohltäter von Kirche in Not Materialien des Hilfswerks bestellen, sind die bisherigen Räumlichkeiten zu klein geworden. In dem neu eingeweihten Anbau ist nun mehr Platz für Lager-, Verpackungs- und Versandräume.

Für Pater Christian Heim bedeutet die Einweihung des Gebäudes auch der Abschied von der Fazenda im Allgäu. Demnächst wird er geistlicher Leiter der Fazenda in Pedrinhas nahe der Stadt Guaratinguetá. Sie liegt zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro im Osten Brasiliens. Dieser Hof erlangte 2007 Berühmtheit, als der damalige Papst Benedikt XVI. im Rahmen einer Brasilienreise die Einrichtung besuchte.

Florian Ripka (rechts) überreicht ein Porträt des „Speckpaters“ an Pater Christian Heim und Pastor Paul Stapel.

Florian Ripka überreicht ein Porträt des „Speckpaters“ an Pater Heim und Paul Stapel.

Die Stadt Guaratinguetá ist auch die Heimatstadt von Luiz Fernando Braz. Er wird der Nachfolger von Pater Christian Heim als Leiter der Fazenda in Bickenried. Er leitete bisher die Fazenda in Xanten am Niederrhein.

Als Dankeschön für die Unterstützung der Fazenda für die Arbeit von Kirche in Not überreichte der stellvertretende Geschäftsführer von Kirche in Not Deutschland, Florian Ripka, ein Porträt von Werenfried van Straaten.

Er dankte insbesondere Pater Christian Heim für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren und wünschte ihm für seine neue Aufgabe alles Gute.

10.Feb 2014 16:11 · aktualisiert: 10.Feb 2014 17:30
KIN / S. Stein