Armut, Freude und Wunder der Bekehrung

Lateinamerika-Experte von KIRCHE IN NOT über die Kirche in Argentinien

Lateinamerika-Experte Ulrich Kny (KIRCHE IN NOT) und Erzbischof Andrés Stanovnik.

Lateinamerika-Experte Ulrich Kny (Kirche in Not) und Erzbischof Andrés Stanovnik (Corrientes/Argentinien).

Vor einem Jahr wurde Papst Franziskus im Konklave gewählt. Zuvor war Jorge Mario Bergoglio, wie er bürgerlich heißt, Erzbischof von Buenos Aires.

Wie steht es um die Kirche in seiner Heimat Argentinien? Wie hilft KIRCHE IN NOT im Land des Papstes? Darüber spricht Ulrich Kny, Leiter der Lateinamerika-Abteilung, der im Sommer 2013 mehrere Diözesen in Argentinien besuchte.

Wie drückt sich die Wahl eines Argentiniers auf den Stuhl Petri im zweitgrößten Land Südamerikas aus?
Überall in den Pfarreien springen lebensgroße Plakate mit dem Bild des Heiligen Vaters ins Auge. Daneben steht seine Bitte „Betet für mich” oder auch ein Aufruf, sich als ehrenamtlicher Helfer karitativ zu engagieren.

Begeistert berichteten uns die Sekretärinnen von Msgr. José Vicente Conejero, dem Bischof von Formosa, der Papst selbst habe angerufen und sich persönlich für ein Schreiben des Bischofs bedankt.

Dass der Heilige Vater zum Beispiel auch in Rom seinen Mate trinkt, erfüllt viele einfache Gläubige mit großem Stolz: Der Papst ist einer von uns! Sie schätzen sehr an ihm, dass er, wie sein Vorgänger, klare und leicht verständliche Worte findet. Und sie setzen große Hoffnung in ihn, dass er die Armut und die Korruption in ihrem Land erfolgreich bekämpfen kann.

Christliche Bildung - der beste Weg aus der Armut.

Christliche Bildung – der beste Weg aus der Armut.

Armut ist weit verbreitet. Außerdem gilt die Regierung Kirchner nicht als kirchenfreundlich. Wie überlebt die Kirche?
In der Tat, die auf 30 Prozent geschätzte Inflationsrate und fehlende Arbeitsplätze haben dazu geführt, dass im Norden Argentiniens rund 80 Prozent der Arbeiter vom Staat abhängig sind. Um die Unabhängigkeit gegenüber dem Staat zu bewahren, verzichten manche Bischöfe bewusst auf staatliche Fördergelder für die Kirche. Der Staat beteiligt sich öfter an der Finanzierung kirchlicher Bauprojekte, kommt für Lehrergehälter an kirchlichen Schulen auf und zahlt auch bescheidene Löhne an Bischöfe sowie Ausbildungsbeihilfen für Seminaristen.

Aber davon kann die Kirche nicht leben. KIRCHE IN NOT hat in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Projekte mit einem Gesamtvolumen von 2,5 Millionen Euro unterstützt, aber die größte Hilfe waren Mess-Stipendien und Existenzhilfen für weitere 2,5 Millionen Euro.

Was sind das für Projekte?
Wir geben Existenzhilfen für Ordensschwestern und für Priester Mess-Stipendien. Wir helfen, Kapellen, Pfarrhäuser, Exerzitien- und Bildungshäuser zu renovieren und finanzieren den Bau von Mehrzwecksälen, den Kauf von Autos, den Druck des Rosenkranzbüchleins, die Ausbildung von Katecheten, die Anschaffung von Katechese-Materialien oder Büchern für christliche Sexualkunde. Wegen der großen Armut tragen manche Diözesen noch die Last einer marxistisch orientierten Befreiungstheologie.

Hier hilft vor allem die Bildung im Priesterseminar und natürlich an den Schulen. Leider legt der Staat den Privatschulen zunehmend Hindernisse in den Weg und investiert immer mehr in öffentliche Schulen und in die Lehrerausbildung, um seine eigene Sexualerziehung durchzusetzen. Wir erörtern mit den Bischöfen vor Ort Alternativen.

Einer von uns! - Papst Franziskus war vor seiner Wahl Erzbischof von Buenos Aires.

Einer von uns! – Papst Franziskus war vor seiner Wahl Erzbischof von Buenos Aires.

Wie sehen Sie allgemein das Glaubensleben der Argentinier?
Es gibt eine stark ausgeprägte Volksfrömmigkeit. Fast jede Kapellengemeinde hat ihre eigene Novene und ihre Prozession. Besonders beliebt ist „Unsere Liebe Frau von Luján”, die Patronin Argentiniens. Große Bedeutung haben außerdem Wallfahrten zu diversen lokalen und regionalen Heiligtümern.

Beispielsweise pilgern pro Jahr etwa drei Millionen Gläubige zur Marienwallfahrtsbasilika nach Itatí am Río Paraná. Nach Mailín kommen an Christi Himmelfahrt rund 250 000 Gläubige. Der Ortsbischof hat bei Beichten im Wallfahrtsort schon sehr viele Wunder miterlebt. Insgesamt ist hier ein großes Potenzial für die Kirche, das mit Großzügigkeit sicher aktiviert werden könnte.

KIN / S. Stein