Würde und Hoffnung gefunden

Von einer Fazenda da Esperança zurück in ein normales Leben

Franziskanerpater Frei Hans Stapel.

Franziskanerpater Hans Stapel, Mitbegründer der “Fazenda da Esperanca”.

„Wo du keine Liebe findest, da bring Liebe hin, dann wirst du dort Liebe finden.” Das Wort des heiligen Johannes vom Kreuz war das Motto zum 30-jährigen Jubiläum der Höfe der Hoffnung, der Fazendas da Esperança.

Zehntausende haben diese Höfe, in denen psychisch kranke Menschen und ehemalige Drogenabhängige durch Arbeit, Gemeinschaft und Gebet zu einem geordneten Leben zurückfinden. Drei Beispiele zeigen, wie wertvoll diese Einrichtungen sind.

Luciano war ein besonders harter Fall. Vor 20 Jahren handelte er mit Drogen und Waffen, stahl Autos und Schmuck. Er brachte es zum Anführer einer Bande. In den Fazendas lernte er jedoch einen neuen Geist kennen. Nach einem Jahr ging er von dort weg und man hörte nichts mehr von ihm.

Eines Tages sieht Franziskanerpater Frei Hans Stapel, einer der Gründer der Fazenda-Bewegung, auf dem Konto eine Spende von umgerechnet 10.000 Euro. Bei größeren Spendenbeträgen ruft er selber an, um sich zu bedanken. Luciano ist am Hörer. Die Freude ist groß. Luciano beschließt spontan, von Rio de Janeiro zu Frei Hans zu fliegen – mit seinem Privatjet.

Gruppenfoto mit Rekuperanten einer Fazenda im Bistum Roraima/Brasilien.

Gruppenfoto mit Rekuperanten einer Fazenda im Bistum Roraima/Brasilien.

Er erzählt die halbe Nacht, wie er nach seinem Fazenda-Aufenthalt ein Studium absolvierte, eine Klinik für Augenmedizin aufbaute und Ärzte um sich scharte, um mit modernsten Lasermethoden Operationen in der ganzen Welt durchzuführen. Unzähligen Menschen hat er die Augen geöffnet, die körperlichen wie die Augen des Geistes. „Mir hatten die Fazendas die inneren Augen geöffnet”, sagte Luciano rückblickend.

Demnächst stehe eine Afrika-Reise auf dem Programm. In Mosambik gebe es nur zwei Augenärzte, die Operationen wie er durchführen könnten. Dort wollen er und sein Team innerhalb weniger Wochen 2000 Kranke operieren.

Ein Rekuperant einer Fazenda in Brasilien zeigt einen selbstgeknüpften Rosenkranz.

Ein Rekuperant einer Fazenda in Brasilien zeigt einen selbstgeknüpften Rosenkranz.

Oder Ricardo: Als kleines Kind ist er adoptiert worden. Bei den ersten größeren Schwierigkeiten sagte seine Oma: „Das hat er nicht von uns.” Er lief weg, lebte auf der Straße, schloss sich einer Bande an, rutschte in die Kriminalität. Aus einer Schießerei blieb er als einziger Überlebender der Bande verwundet übrig.

Das Sozialgericht gab ihm eine Chance: Er solle auf eine Fazenda. Damals war er 14. Nach einem Jahr blieb er dort und wurde „Verantwortlicher” (also ein Leiter dieser Fazenda). Er besuchte die Schule, machte Abitur, fing ein Studium an und ging in die Politik. Heute ist er in einem Bundesland Brasiliens der Verantwortliche für die Drogenbekämpfung.

Oder der Junge namens Washington: Er kam aus dem Drogenmilieu eines Elendsviertels in Rio de Janeiro zu den Fazendas, abhängig und hoch verschuldet. Nach einem Jahr fragte er den Mitgründer der Bewegung, Nelson Rosendo, wohin er nun gehen solle. Nelson meinte: „Nach Hause.” — „Du weißt, woher ich komme?” — „Ja. Du hast hier ein neues Leben entdeckt. Das sollst du dorthin bringen.”

Inzwischen hat Washington einen Kiosk eröffnet, mit dem er ehrliches Geld verdient, seine Schulden bei den Drogenhändlern beglichen und mehr als 50 Drogenabhängigen den Weg in die Fazendas und damit zu einem neuen Leben eröffnet.

Gut Bickenried bei Irsee im Allgäu. Blick auf den neuen Anbau.

Eine von sechs Fazendas in Deutschland: Gut Bickenried bei Irsee im Allgäu.

Es sind die Ausgestoßenen und Geächteten, Gestalten am Rand der Gesellschaft, Opfer, die zu Tätern wurden – sie alle haben Platz in den Fazendas. Viele kommen aus zerbrochenen Familien, der Vater unbekannt oder Alkoholiker, die Mutter verzweifelt oder Prostituierte.

Sie alle kommen aus den Eiswüsten der Gesellschaft, von den Bahnhöfen, Brücken und aus den Kanalrohren der Städte. Sie kommen von da, wo es keine Liebe und keine Hoffnung gibt. In den Fazendas finden sie ihre Würde wieder, und nicht wenige auch eine geistliche Berufung. Auch dank der Hilfe von vielen Wohltätern entdecken sie die offenen Arme Gottes für alle seine Kinder. Und diese Liebe geben sie weiter.

28.Mrz 2014 09:31 · aktualisiert: 28.Mrz 2014 09:35
KIN / S. Stein