„Herr, gib uns deinen Frieden”

Ein Bischof aus Syrien mit einem Appell an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT

Elias Sleman, maronitischer Bischof von Latakia (Syrien).

Elias Sleman, maronitischer Bischof von Latakia (Syrien).

Der Bischof der Maroniten von Latakia in Syrien, Elias Sleman, schreibt einen Brief an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT. Er bittet um Hilfe und Gebet. Wir dokumentieren sein Schreiben in gekürzter Form.

„Der Herr sagt zu seinen Jüngern: ‚Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann’ (Mt 10,28).

Genau das leben wir zurzeit in Syrien. Ist das eine Zeit der Gnade, eine Zeit der Erwählung? Wir Christen, ob Katholiken, Orthodoxe oder Protestanten, spüren in dieser Zeit der Verfolgung eine tiefe Gemeinsamkeit als Jünger Christi. Er ist es, der uns vereint. Was den anderen geschieht, geschieht auch uns. Es geht um das Wesentliche, das Leben.

“Leben” meint mehr als das physische Leben, es betrifft das ewige Leben. Wir, Diener des Heils, haben in dieser Zeit Zeugen zu sein für das ewige Heil. Es verleiht uns Kraft in all unserer Gebrechlichkeit. Wir haben kein Recht, zu wanken oder furchtsam zu sein. Christus ist unsere Hoffnung.

Maronitischer Gottesdienst in Damaskus.

Maronitischer Gottesdienst in Damaskus.

Der Weg zu Ihm ist sicherer als alle Sicherheiten dieser Welt, die Hoffnung auf Ihn reicht weiter als alle Gefahren. Die uns anvertrauten Gläubigen hören in unserer Stimme diese Hoffnung heraus, sie sehen in unseren Augen das Licht des Glaubens, sie spüren in unserem Handeln die Liebe zu Christus und zu den Menschen in diesem Land. Hier sind wir verwurzelt, und wir weigern uns, dieses Land zu verlassen, es sei denn um in die himmlische Heimat zu gehen.

In diesem Land fehlt uns heute alles, aber wir haben das einzig Wahre, den Schatz im Acker, unseren Glauben. Die Treue zu diesem Glauben macht unsere Identität aus. Es gibt Regionen in Syrien, die vom Krieg kaum betroffen sind, zum Beispiel die Küste und die Bergkette entlang der Küste.

Kein Rückzugsgebiet für Christen

Aber für die Christen gibt es kein Rückzugsgebiet, kein ruhiges Hinterland. Radikale Islamisten machen Jagd auf alles, was zum Kreuz gehört. Das Schicksal der drei Priester, die vor einem Jahr entführt wurden, ist ungeklärt.

Schreckliches ereignete sich in Sadad, Hafar, Deir Atiyeh, Carah, Nabk, Kseir, Rablé, Dmaineh, Michtayeh, Ghassaniyeh und den christlichen Dörfern in der Nachbarschaft und vielen anderen Orten – von überall kommen Nachrichten unbeschreiblicher Massaker und Gräueltaten.

Flüchtlinge stehen an für einen Teller Suppe.

Flüchtlinge in Syrien stehen an für einen Teller Suppe.

Armut breitet sich aus über das ganze Land. Die Flüchtlinge leiden. Sie haben keine Wohnungen, keine Kleidung, keine Medikamente, wenig oder nichts zu essen.

Die jungen Leute sehen keine Zukunft. Die Älteren, alle sehnen sich nach Frieden, nach Ruhe, nach der Eintracht in ihren Dörfern, nach gegenseitiger Achtung der Würde aller, ganz gleich welchen Glaubens. Wir Christen sind stark in unserem Glauben, verwurzelt in unserer Geschichte. Wir sind hier seit zweitausend Jahren. Wir weigern uns zu gehen.

„Ihr seid unsere Brüder und Schwestern”

Helft uns zu bleiben! Helft uns, unser Land, diese Erde zu heiligen mit unserer Hände Arbeit. Wir fürchten nicht jene, die unseren Leib töten können. Ihr seid unsere Brüder und Schwestern draußen in der Welt, wir haben ein gemeinsames Erbe, ein gemeinsames Bewusstsein in Christus. Wir sind gemeinsam verantwortlich für die Heiligung dieser Welt, jeder, bevor er zum Vater geht.

Alles, was wir an Gütern besitzen in dieser Welt sind nur Mittel, die es uns ermöglichen, in das Königtum des himmlischen Vaters zu gelangen. Wir brauchen Euer Gebet. Lasst uns vereint mit dem Papst die Stimme zum Vater erheben: ‚Herr, gib uns deinen Frieden.’”

Helfen Sie den Christen im Nahen Osten:

Alle in der Medienbox vorgestellten Beiträge sind bei uns unentgeltlich auf CD beziehungsweise DVD erhältlich. Besuchen Sie auch unsere Mediathek.

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib, emeritierter Patriarch von Alexandrien/Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
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30.Apr 2014 16:57 · aktualisiert: 2.Mai 2014 09:00
KIN / S. Stein