„Franziskus ist ein priesterliches Vorbild”

Christen im Heiligen Land freuen sich auf den Besuch des Papstes

Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo.

Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo.

Rückkehr an die Quelle: Mit dieser Zielsetzung hatte Paul VI. 1963 den erstaunten Konzilsvätern seine Reise ins Heilige Land angekündigt.

„Die Pilgerfahrt Pauls VI. war der Schlüssel zum Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils und umgekehrt kann man die Reise nicht ohne das Konzil verstehen.

Die Rückkehr an den Anfang, an die Heiligen Stätten des Glaubens, zur Einfachheit des Evangeliums: Beides drückt sich in der Pilgerfahrt und im Konzil aus”, ist Weihbischof Giacinto Boulos Marcuzzo im Gespräch mit KIRCHE IN NOT überzeugt.

Er ist Vikar des Lateinischen Patriarchen für Israel und residiert in Nazareth. Der gebürtige Italiener entschied sich noch als Seminarist in seiner Heimat für den priesterlichen Dienst im Heiligen Land.

Als Paul VI. 1964 das Heilige Land besuchte, studierte Marcuzzo in Beit Jala, dem katholischen Priesterseminar bei Bethlehem. „Es war ein schrecklich kalter Januartag. Der Wind war eisig. Aber das machte uns nichts aus, weil unsere Vorfreude so groß war”, erinnert sich Marcuzzo.

Papst Paul VI. pflanzte 1964 bei seinem Besuch einen Olivenbaum.

Papst Paul VI. pflanzte 1964 bei seinem Besuch einen Olivenbaum.

„Seit drei Stunden wartete Jerusalem auf die Ankunft des Papstes. Es wurde schon dunkel. Paul VI. hatte sich erheblich verspätet. Wir warteten auf ihn am Damaskustor. Meine Aufgabe war es, das Prozessionskreuz zu tragen, das den päpstlichen Zug durch die Altstadt auf dem Weg zur Grabeskirche anführen sollte. Irgendwann kam er dann. Der Jubel war wirklich unbeschreiblich. Alle, egal ob Christen oder Muslime, freuten sich über seine Ankunft.”

Doch es lief nicht wie geplant. Die jordanische Polizei – Ost-Jerusalem mit der Altstadt gehörte damals zu Jordanien – hatte alles gut vorbereitet. Die Prozession sollte feierlich durch die Stadt ziehen. „Aber so kam es nicht”, sagt Marcuzzo schmunzelnd.

Besuch von Papst Paul VI. in Jerusalem im Januar 1964.

Besuch von Papst Paul VI. in Jerusalem im Januar 1964.

„Plötzlich brach das Chaos aus. Aber nicht aus bösem Willen, sondern aus Freude. Jeder wollte den Papst sehen und berühren. Aus der geplanten ordentlichen Prozession wurde nichts. Ich lief voran. Irgendwann habe ich mich umgedreht, um zu schauen, wo der Papst bleibt.”

Spätestens ab der dritten Kreuzwegstation war die Verwirrung komplett, weiß Marcuzzzo noch gut. „Kardinäle bekamen angesichts der Menschenmassen Schläge ab; dem Papst wurde von der Masse buchstäblich die Luft zum Atmen genommen.”

Irgendjemand habe dann entschieden, dass der Papst im Haus der Kleinen Schwestern eine Verschnaufpause haben sollte, so der Bischof. „Mindestens eine dreiviertel Stunde hat sich der Heilige Vater dort etwas ausgeruht, den Rosenkranz gebetet und den Kreuzweg kommentiert. Ich war mit meinem Prozessionskreuz ganz in der Nähe und habe gewartet, wie es weitergeht.”

Irgendwann hatte sich die Lage beruhigt. „Plötzlich trat der Heilige Vater heraus, und wir setzten unseren Weg zur Grabeskirche fort: in Unordnung, aber in Ruhe.” Mit großer Verspätung traf der Papst am Ort der Kreuzigung und Auferstehung Christi ein. Dort feierte er vor dem Grab Christi die Messe.

Marcuzzo ist noch heute bewegt. „Während der Messfeier wurde mir klar: Was für ein Mann des Glaubens und des Gebetes! Der ganze Trubel um ihn herum interessierte ihn wenig. Das wichtige war die Begegnung mit Jesus. Er lebte in einer inneren Welt. Unvergesslich ist mir seine Predigt. Das war ein Gebet an den Auferstandenen.” Das damals erlebte priesterliche Vorbild Pauls VI. begleite ihn bis heute, so Marcuzzo.

Die Seminaristen Joseph und Salam freuen sich auf den Besuch von Papst Franziskus.

Die Seminaristen Joseph und Salam freuen sich auf den Besuch von Papst Franziskus.

Heute, fünfzig Jahre später, werden wieder Seminaristen des Heiligen Landes dem Altar des Papstes nahe sein. Joseph Sweiss ist Jordanier aus der Nähe von Amman. Wie seinerzeit Bischof Marcuzzo studiert auch er im Seminar von Beit Jala Theologie.

Vom Rektor des Seminars und dem Zeremonienmeister des Papstes wurde er zusammen mit elf anderen Seminaristen ausgewählt, bei der Messe von Papst Franziskus in Bethlehem den Altardienst zu versehen. „Das ist das erste Mal, dass ich dem Heiligen Vater so nahe kommen werde”, sagt Joseph. „Papst Franziskus ist für uns Seminaristen ein echtes Modell für das Priestertum. Er gibt das Beispiel eines guten Hirten. Für mich ist das auf meinem persönlichen Weg zum Weihealtar sehr wichtig.”

Logo zum Besuch von Papst Franziskus im Heiligen Land.

Logo zum Besuch von Papst Franziskus im Heiligen Land.

Sein Mitbruder Salam Haddad stimmt ihm zu. Der junge Mann stammt ebenfalls aus Jordanien. Er studiert Theologie im dritten Jahr. „Papst Franziskus ist hier im Heiligen Land sehr beliebt. Ich freue mich, ihm bald als Messdiener nahe sein zu dürfen.”

Natürlich sei er aufgeregt, so Salam. „Das ist immerhin der Stellvertreter Christi, das Haupt der Kirche. Da kann man nur bewegt sein, wenn man ihm begegnet und ihm am Altar dienen darf. Das ist eine Gnade, gerade bei diesem Papst, den die ganze Welt bewundert.”

Seit Monaten schon beteten sie im Seminar den Rosenkranz für ein gutes Gelingen des bald beginnenden Besuchs, erzählen die beiden Seminaristen. Patriarch Fouad Twal, ihr Bischof, habe sie ausdrücklich dazu aufgefordert. Auch ins persönliche Gebet würden sie den Papst einschließen.

Doch damit sind sie nicht alleine. „Überall im Heiligen Land wird für Franziskus gebetet”, weiß Joseph. „Wir freuen uns so sehr auf ihn. Wir Christen sind hier im Heiligen Land eine kleine Minderheit. Da ist es wichtig zu wissen, dass der Papst an uns denkt. Er wird uns lehren, wie man in Respekt und Frieden mit anderen zusammenlebt, wie man Salz der Erde sein kann.”

So können Sie den Christen im Heiligen Land helfen:

Gebet für den Nahen Osten

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Ikone “Lasst die Kinder zu mir kommen” in Assiut/Oberägypten.

Gott, unser Vater, hab Erbarmen mit dem Nahen Osten.

Deine treuen Diener – jung und alt – sind aufgerufen, Christus zu bezeugen. Mögen sie in dieser aufregenden Zeit gestärkt werden, indem sie deinem geliebten Sohn nachfolgen, der in jener Zeit in ihrer jetzigen Heimat tätig war.

In Gemeinschaft mit unserem Papst beten wir, dass Christen im Nahen Osten ihren Glauben in völliger Freiheit leben können. Ermutige sie, als Werkzeug des Friedens und der Versöhnung zu handeln – vereint mit allen Bürgern in ihren Ländern.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

(Gebet von Antonios Kardinal Naguib, emeritierter Patriarch von Alexandrien/Ägypten für KIRCHE IN NOT)

Diesen Text mit der Ikonenabbildung können Sie unentgeltlich als Gebetsblatt bei uns bestellen – entweder bequem in unserem Bestelldienst oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München
Telefon: 089 – 64 24 888-0
Fax: 089 – 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

20.Mai 2014 09:12 · aktualisiert: 22.Mai 2014 19:26
KIN / S. Stein