Mit Kind im Todestrakt

Verurteilte Christin im Sudan will weiterhin nicht zum Islam konvertieren

Kinder in der Pfarrei St. Josephine Bakhita im Norden der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Kinder in der Pfarrei St. Josephine Bakhita im Norden der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Die sudanesische Christin Mariam Ibrahim, die wegen des „Abfalls vom Islam“ zum Tode verurteilt wurde, weigert sich trotz fortgesetzter Aufforderungen weiterhin, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Einen Monat nach ihrer Verurteilung hat die Erzdiözese Khartum/Sudan eine Stellungnahme herausgegeben, die ihre gegenwärtige Lage beschreibt:

„Es gibt viele Menschen, die versuchen, Mariam dazu zu überreden, das Christentum aufzugeben, um freigelassen zu werden, aber sie lehnt es ab. Einige flehen ihren Ehemann an, sie davon zu überzeugen, ihren christlichen Glauben aufzugeben, um ihr Leben zu retten, aber es ist vergeblich.“

Die Stellungnahme, die vom Bischofsvikar der Region Khartum, Mussa Kacho, herausgegeben wurde, hat die Absicht, Ungenauigkeiten der Medien richtigzustellen. Zugleich wurde an die Behörden plädiert, den Fall zu lösen.

Pater Kacho beschrieb die gegenwärtige Lage: „Frau Mariam befindet sich weiterhin im Gefängnis von Omdurman. Sie ist praktisch im Todestrakt und stillt in Ketten ihr Kind. Ihr Fall ist zurzeit vor dem Berufungsgericht. Niemand weiß, wann das Berufungsgericht eine Entscheidung fällen wird.

Armut im Sudan - Kassala Grundschule im Stadtteil Hajj Youssif der Hauptstadt Khartum.

Armut im Sudan – Kassala Grundschule im Stadtteil Hajj Youssif der Hauptstadt Khartum.

Nach dem, was die entsprechenden Behörden sagen, kann Frau Mariam nur unter der Bedingung freigelassen werden, dass sie sich von ihrem Ehemann Daniel scheiden lässt, dem Christentum entsagt und zum Islam konvertiert. Die einzige Möglichkeit, ihre Ehe zu retten, wenn sich Mariam von Christentum lossagt, wäre, dass ihr Mann Daniel zum Islam konvertiert und sie noch einmal nach der islamischen Religion heiraten.

Messdiener in der St.-Matthias-Kathedrale in Khartum (2009).

Messdiener in der St.-Matthias-Kathedrale in Khartum (2009).

Das Paar hatte am 19. Dezember 2011 in der katholischen Kirche geheiratet. Ihr Mann, Daniel Bicensio Wani, ist schon sein Leben lang katholisch. Mariam Ibrahim war kurz vor der Hochzeit von der äthiopisch-orthodoxen in die katholische Kirche konvertiert. Obgleich ihr Vater Muslim war, wuchs sie im orthodoxen Glauben ihrer Mutter auf.“

Die Stellungnahme der Erzdiözese Khartum betont: „Sie hat niemals in ihrem Leben den Islam angenommen oder sich von ihm losgesagt. Sie war niemals in ihrem Leben Muslimin.”

Ebenfalls wird darauf hingewiesen, dass die Interims-Verfassung des Sudan von 2005 Religionsfreiheit garantiere: „Niemand darf dazu gezwungen werden, eine Religion anzunehmen, an die er oder sie nicht glaubt, deren Riten und Gottesdiensten er oder sie nicht praktiziert und denen er oder sie nicht freiwillig zustimmt.“

Die Stellungnahme der Kirche schließt: „Im Licht der Fakten, die wir oben dargelegt haben, und um Mariams standfester Position, ihren christlichen Glauben zu bewahren, Ehre zu erweisen, plädieren wir an die Gerichtsbarkeit und die involvierten Behörden, den Fall gegen Mariam zu revidieren und ihn zu einem vernünftigen Ende zu führen.“

Am 23. Juni 2014 wurde Marian Ibrahim aus der Haft entlassen.

So können Sie die Menschen im Sudan unterstützen:

13.Jun 2014 11:48 · aktualisiert: 11.Jul 2014 11:00
KIN / S. Stein