Hilferuf an die Europäische Union

Irakische Kirchendelegation bittet in Brüssel um Unterstützung der Christen

Patriarch Louis Raphael Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche.

Patriarch Louis Raphael Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche.

Kirchenführer aus dem Irak haben die Europäische Union um ein Eingreifen in ihrem Land gebeten.

Auf Einladung von KIRCHE IN NOT war dazu eine Kirchendelegation unter der Führung des chaldäisch-katholischen Patriarchen von Bagdad, Louis Rafaël Sako, in Brüssel mit EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Mitgliedern der EU-Kommission und des EU-Parlaments zusammengekommen.

Das Treffen fand mit Blick auf eine geplante Besprechung der Staatsoberhäupter der EU-Mitgliedsstaaten über die gemeinsame Krisenpolitik im Irak statt.

Patriarch Sako erklärte, die Lage der geschwächten christlichen Minderheit sei extrem schwierig. Ohne eine friedliche Lösung bliebe nur noch eine symbolische Präsenz der Christen im Irak.

„Wenn sie fortgehen, ist das das Ende ihrer Geschichte”, warnte Sako. Christen und Muslime würden gleichermaßen nach wie vor aus den von militanten Dschihadisten gehaltenen Gebieten im Norden des Irak fliehen. In den Dörfern des Kurdengebiets fänden sie bei christlichen Familien und in Kirchengebäuden Schutz.

Delegation aus dem Irak zu Gast bei der Europäischen Union (v.l.): Erzbischof Youssif Mirkis (chaldäischer Erzbischof von Kirkuk),  Mark von Riedemann (KIRCHE IN NOT international),  Louis Rafael Sako (Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche),  Marcela Szymanski (KIRCHE IN NOT),  Herman van Rompuy (EU-Ratspräsident),  Erzbischof Ischak Moussa (Mossul).

Delegation aus dem Irak zu Gast bei der Europäischen Union (v.l.): Erzbischof Youssif Mirkis (chaldäischer Erzbischof von Kirkuk), Mark von Riedemann (KIRCHE IN NOT), Louis Rafael Sako (Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche), Marcela Szymanski (KIRCHE IN NOT), Herman van Rompuy (EU-Ratspräsident), Erzbischof Ischak Moussa (Mossul) (Foto: Rat der EU).

Patriarch Sako betonte, die christliche Gemeinschaft spiele nach wie vor eine konstruktive Rolle bei den Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien im Land. Trotz jahrhundertelanger systematischer Verfolgung und Gewalt hätten die Christen für keine Seite Position ergriffen und sich für gewaltlose Lösungen eingesetzt.

„Wir haben den Ruf eines unparteiischen Vermittlers, der das Wohl des Landes anstrebt”, sagte Sako. „Wenn wir gegnerische Gruppen zum Gespräch in unsere Kirchen einladen, kommen sie.”

Der estnische EU-Politiker Tunne Kelam (EVP) erklärte, durch die Irak-Krise sei das Schicksal der Christen im Nahen Osten stärker in das Bewusstsein der EU-Politiker gerückt. „Wir können ihrer Lage nicht weiterhin gleichgültig gegenüberstehen. Die EU sollte ihr Bestes tun, um sie zu unterstützen und für Bedingungen zu sorgen, unter denen die Christen dort bleiben können und unter Bedingungen leben können, die von Gleichberechtigung und gegenseitigem Respekt geprägt sind”, sagte Kelam.

Alle in der Medienbox vorgestellten Sendungen können Sie als CD beziehungsweise DVD unentgeltlich bei uns bestellen.

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15.Jul 2014 11:56 · aktualisiert: 15.Jul 2014 12:53
KIN / S. Stein