„Eine offensichtliche Verfolgung”

Erklärung irakischer Bischöfe über die Lage der Christen im Land

Patriarch Louis Rafael Sako und Erzbischof Amil Nona bei christlichen Flüchtlingen.

Patriarch Louis Rafael Sako und Erzbischof Amil Nona bei christlichen Flüchtlingen.

Wir, die Erzbischöfe von Mossul aller Konfessionen, sind in Erbil, Ankawa, unter dem Vorsitz seiner Seligkeit Patriarch Raphael Louis I Sako zusammengekommen.

Wir sind schockiert, schmerzerfüllt und besorgt über das, was den unschuldigen Christen in Mossul aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit zugestoßen ist.

Es ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit, wie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon es ausdrückte und laut dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elaraby, ein „beschämender Schandfleck, der nicht toleriert werden sollte”.

Es ist schlichtweg ein Verbrechen, eine offensichtliche Verfolgung, die wir verurteilen und anprangern. Wie sonst ist die Vertreibung unschuldiger Zivilisten aus ihren Häusern unter Todesandrohung, die Beschlagnahmung ihres Geldes und die Verbrennung ihrer Kirchen und Klöster, von denen einige aus prä-islamischen Zeiten stammen, zu verstehen? Ist dies nicht eine Katastrophe für die Menschheit und das geschichtliche Erbe?

Irakische Würdenträger bei einem gemeinsamen Gebet.

Irakische Würdenträger bei einem gemeinsamen Gebet.

Wir verkünden der Welt, dass wir stolz auf unser Christentum und unseren Einsatz dafür sind, was auch immer der Preis sein mag und was auch immer das Böse unternimmt. Aber gleichzeitig fordern wir, die ursprünglichen Bewohner des Landes, von der Regierung unseres Staates:

1. Den notwendigen Schutz für uns und andere Minderheiten, sowie die Wahrung ihrer vollen Rechte.

2. Finanzielle Unterstützung für vertriebene Familien, die alles verloren haben, die schnellstmögliche Zahlung der Löhne derjenigen unter ihnen, die eine Arbeit haben, und Sicherstellung, dass diese Zahlungen fortgesetzt werden.

3. Die Auflistung aller erlittenen Schäden zwecks Entschädigung und für den Fall, dass dieses Martyrium weitergehen sollte, was Gott verhüten möge, ernsthafte Anstrengungen, für Unterkünfte, Schulen und Universitäten zu sorgen, damit sie ihre Kinder unterbringen und deren Schulausbildung fortsetzen können.

Ein Bild aus friedlicheren Tagen: Kinder spielen auf der Rutschbahn im Hof des Katechesezentrums in Mossul (2011).

Ein Bild aus friedlicheren Tagen: Kinder spielen auf der Rutschbahn im Hof des Katechesezentrums in Mossul (2011).

Außerdem fordern wir Menschen mit einem Gewissen im Irak und in der ganzen Welt auf, Druck auf diese Militanten auszuüben, damit sie mit der Zerstörung von Kirchen und Klöstern und der Verbrennung von Schriften und Reliquien des christlichen Erbes aufhören, das auch ein wertvolles Erbe des Irak und der ganzen Welt ist.

Behauptungen, es habe eine Vereinbarung zwischen Militanten und Männern der Kirche gegeben, sind ganz und gar unwahr, denn was geschehen ist, ist ein absolutes Verbrechen und kann weder geleugnet noch gerechtfertigt werden!

Wir warten auf praktische Maßnahmen, den Betroffenen ihre Sicherheit zurückzugeben, nicht auf Bekundungen der Verurteilung und Brandmarkung. In diesem Zusammenhang wissen wir die Einstellung der Region Kurdistan sehr zu schätzen. Sie nimmt die vertriebenen Familien auf und gibt ihnen die notwendigen Hilfen.

Eine durch einen Bombenanschlag beschädigte Kirche in Mossul.

Eine durch einen Bombenanschlag beschädigte Kirche in Mossul.

Wir schlagen die Gründung eines gemeinsamen Gremiums aus Vertretern der Provinzregierung und der betroffenen Landsleute vor, das sich mit dem Leid der vertriebenen Familien beschäftigt, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern und ihre Not zu lindern.

Wir bitten Gott, den Allmächtigen, diese Krise zu verkürzen und im ganzen Land wieder Sicherheit, Frieden und Stabilität einkehren zu lassen.

Dr. Louis Raphael I Sako
Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche

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Buch-Tipp: „Der Irak – Christen im Land der Propheten“

Titelbild des Buchs "Der Irak - Christen im Land der Propheten".

Titelbild des Buchs “Der Irak – Christen im Land der Propheten”.

Unter dem Titel „Der Irak – Christen im Land der Propheten“ hat KIRCHE IN NOT ein Buch zur Lage der Kirche in dem Land herausgegeben. Es ist unentgeltlich in unserem Bestelldienst erhältlich.

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25.Jul 2014 15:03 · aktualisiert: 23.Mrz 2015 10:05
KIN / S. Stein