„Einen Völkermord im Irak verhindern”

Offener Brief an den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin

Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mitten in der Sommerpause wenden wir uns heute mit einem dringenden Aufruf an Sie: Verhindern Sie einen Völkermord im Irak!

Wie aus dem beiliegenden Schreiben von Patriarch Sako ersichtlich wird, droht jener Teil der irakischen Bevölkerung, der sich nicht dem radikalen, fundamentalistischen Verständnis des Islam der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) unterwerfen will, ausgelöscht zu werden.

Jesiden, Christen, Schiiten, aber auch gemäßigte Sunniten werden entweder sofort exekutiert oder als Sklaven verkauft. Diejenigen, die fliehen konnten, haben sich nur mit dem, was sie am Leib tragen, in die Wüste oder das Gebirge zurückgezogen.

Der Ton des Patriarchen hat sich verschärft: Es ist nicht länger ein Aufruf, sondern gleichsam eine Prophezeiung, der zufolge ohne sofortiges internationales Eingreifen der urchristliche und multikulturelle Irak, wie wir ihn kennen, verschwinden wird.

Katholischer Gottesdienst im Irak.

Katholischer Gottesdienst im Irak.

Eine halbe Million Menschen – mehrheitlich Christen, aber auch Muslime und andere Minderheiten – fliehen vor den vorrückenden IS-Kämpfern in die christlichen Dörfer im kurdischen Gebirge. Aber selbst dort schlugen in der Nacht vom 6. auf den 7. August Mörsergranaten ein: Die IS kontrolliert inzwischen die gesamte Region.

Die Kirche, berichtet der Patriarch, wird von allen Seiten um Unterstützung, Essen, Wasser und Herberge für die fliehenden Massen gebeten.

Tatsächlich wird aber keine dieser Hilfen mehr zu etwas führen, wenn nicht jetzt Maßnahmen ergriffen werden, um die Auslöschung der bedrängten Bevölkerung zu verhindern.

Der Patriarch weist auch auf das Schweigen der muslimischen Führer hin, obwohl ihre eigenen Leute (sowohl Sunniten als auch Schiiten) ermordet werden. Außer den Machthabern in der autonomen Region Kurdistan ergreife weder im Irak noch international jemand Maßnahmen zu ihrem Schutz.

Die St.-Josef-Kirche in Sulaimaniyya muss bewacht werden.

Die St.-Josef-Kirche in Sulaimaniyya muss bewacht werden.

Die Bundesregierung muss diese Angelegenheit in den Vereinten Nationen in den nächsten Tagen zur Sprache bringen, ansonsten könnte es zu spät sein. Es handelt sich um eine humanitäre Katastrophe und einen eklatanten Verstoß gegen die Menschenrechte.

Die Eroberung der Ninive-Ebene durch den „Islamischen Staat“ verlangt nach sofortigen Maßnahmen, um die verletzlichen Minderheiten im Irak zu schützen. Alle Bemühungen müssen darauf abzielen, eine rote Linie um die christlich-jesidischen Gebiete zu ziehen.

Dabei sollte man nicht vergessen, dass die IS Landstriche in der unmittelbaren Nachbarschaft eines NATO-Mitglieds, der Türkei, erobert und immer weiter Richtung Mittelmeer vorstößt.

Flüchtlinge in Tilkef in der Nähe von Mossul.

Christliche Flüchtlinge in Tilkef in der Nähe von Mossul.

Schon am 2. August verkündete die IS die Kontrolle über Arsal im nördlichen Libanon, nur 300 Kilometer Luftlinie von Nikosia, der Hauptstadt Zyperns (EU), entfernt. Es handelt sich also keineswegs um eine lokale oder regionale, sondern eine internationale Bedrohung.

Wir danken Ihnen für alles, was Sie bisher für die Minderheiten im Irak getan haben, sowie für das, was Sie noch tun werden und verbleiben mit herzlichen Grüßen

Johannes Freiherr Heereman von Zuydtwyck
Der Geschäftsführende Präsident

Karin Maria Fenbert
Direktorin des deutschen Nationalbüros

Helfen Sie den Christen im Irak

KIRCHE IN NOT bittet um Spenden für die Arbeit der Kirche im Irak. Sie können direkt und sicher online spenden oder unter:

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BIC: GENODEF1M05

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8.Aug 2014 09:56 · aktualisiert: 23.Mrz 2015 10:05
KIN / S. Stein