„Unterstützen wir einander!”

Interview mit Weihbischof Jacek Pyl aus dem ukrainischen Bistum Odessa-Simferopol

Jacek Pyl, Weihbischof in der Diözese Odessa-Simferopol/Ukraine.

Jacek Pyl, Weihbischof in der Diözese Odessa-Simferopol/Ukraine.

Die Diözese Odessa-Simferopol liegt im Südosten der Ukraine. Die Fläche ist etwa doppelt so groß wie Bayern. Es ist ein Missionsgebiet, das langsam wächst und wo es viele Herausforderungen gibt. Zurzeit ist die Diözese infolge der Ukraine-Krise geteilt.

Die Konkathedrale liegt in Simferopol auf der Krim, während der Diözesanbischof in Odessa ist, ca. 460 Kilometer von Simferopol entfernt. Der Diözesanbischof Bronislaw Bernacki residiert in Odessa und Weihbischof Jacek Pyl in Simferopol. Unter seiner Jurisdiktion sind sieben Pfarreien und 13 Priester.

Wie ist das Klima in der Diözese seit der Teilung?
Die Situation ist eine Herausforderung, in der wir viele Fragen, aber nicht allzu viele Antworten haben. Trotz des Konflikts in der Ukraine und obwohl die Krim unter russischer Herrschaft ist, kann die Katholische Kirche ihren Dienst tun, aber wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht.

Wie hat Ihre Diözese auf diese schwierige Situation reagiert?
Nach der russischen Übernahme haben mich KIRCHE IN NOT und andere Organisationen kontaktiert und gefragt, ob ich Hilfe benötige. KIRCHE IN NOT hat sofort reagiert, und ich bin sehr dankbar, dass wir nicht alleingelassen wurden. Wir haben Hilfe für Medikamente und Lebensmittel erhalten, um sie unter den Armen in den Pfarreien zu verteilen.

Gottesdienst in einer Kirche in der Diözese Odessa-Simferopol.

Gottesdienst in einer Kirche in der Diözese Odessa-Simferopol.

Was sind derzeit die besonderen Nöte?
Unsere Nöte sind sehr groß und unterschiedlich, denn es handelt sich um ein Gebiet, wo unsere elementarste und fundamentalste Arbeit erst vor 25 Jahren begonnen hat. Zu allererst benötigen wir Priester und Schwestern, die uns in der Evangelisierungsarbeit helfen können.

Auf der Krim feiern wir die Messe in drei Sprachen: vor allem auf Russisch, aber in Simferopol für die Studenten aus Indien und Afrika auch auf Englisch, und in Sewastopol auch auf Spanisch. Und manchmal zelebrieren wir auch auf Ukrainisch oder Polnisch. Wenn ich mehr Priester hätte, wäre ich in der Lage, mehrere neue Pfarreien zu eröffnen.

Ich würde gern einen kontemplativen Schwesternorden einladen, die beten und dieses Unterfangen geistlich unterstützen würden. Sobald ich einen Orden finde, der hierherkommen und mit uns zusammenarbeiten möchte, würde ich es mir wünschen, ein Kloster zu bauen, für das ich Geld benötigen würde. In der Ukraine gibt es in einigen anderen Städten (Kiew und Charkiw) Karmelitinnen, worüber wir sehr glücklich sind. Dies ist eine wesentliche Dimension der Evangelisierung.

Welche Pläne haben Sie für Ihre Diözese ?
Wenn die Situation sich stabilisiert, wäre es mein Ziel, eine Kathedrale zu bauen, da wir gegenwärtig einen sehr kleinen Raum nutzen, um die Messe zu feiern und die Leute zu versammeln. Wir warten seit nunmehr 20 Jahren auf die Genehmigung, um eine Kirche zu bauen. Die Zeit wird es zeigen, aber wir würden ebenfalls gern etwas für die Priester und für die Treffen der Gemeinde bauen.

Erst kürzlich habe ich darüber mit dem orthodoxen Metropoliten Lazar gesprochen, dem Vertreter des Moskauer Patriarchates in Simferopol. Er hat sich dem Projekt gegenüber offen gezeigt. Wir haben viel getan, um die Idee voranzubringen. Aber nach der Übernahme durch Russland ist das Vorhaben vorläufig gestoppt, und wir wissen nicht, ob wir von vorn beginnen müssen und was mit dem Projekt geschehen wird.

Die Salesianerinnen in Odessa kümmern sich vor allem um Jugendliche.

Die Salesianerinnen in Odessa kümmern sich vor allem um Jugendliche.

Welchen Einfluss hat der Konflikt mit Russland auf die Familien?
Es gibt zwischen dem russischen und dem ukrainischen Volk viele gemischte Ehen. Dieser Konflikt hat bei den Ehepaaren und Familien in der Tat unglaubliche Wunden hervorgerufen, genauso wie in der Gesellschaft und den Kirchen. Daher beten wir für die Heilung und die Versöhnung, da dieser Konflikt der Nation unglaubliche Verwüstungen zugefügt hat. Wir beten um eine Lösung, die eine neue Zivilisation hervorbringt, die keine Gewalt anwendet, um Probleme zu lösen, sondern durch Dialog und gegenseitige Achtung einen Weg findet. So werden wir eine neue Gesellschaft errichten.

Haben Sie eine Botschaft an unsere Wohltäter ?
Vor allem möchte ich Sie darum bitten, um den Frieden in der Ukraine zu beten. Und dann möchte ich ihnen im Namen der Priester dort für ihre Gebete, ihre Solidarität und auch für ihre materielle Unterstützung danken.

In diesem Jahr begehen wir den 25. Jahrestag der Anwesenheit der Missionsoblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria in der Ukraine. Und wenn wir in diesen 25 Jahren mit unseren verschiedenen Diensten in der Ukraine etwas Gutes erreicht haben, so verdanken wir dies zahllosen engagierten Menschen. Wir danken dabei besonders KIRCHE IN NOT.

Ich möchte mit einem Satz schließen: Unterstützen wir einander! Dies ist die beste Art und Weise, eine bessere Welt und eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Wenn wir unsere Gebete und unsere materiellen Güter miteinander teilen, wird die Welt ein besserer Ort, um dort zu leben.

Helfen Sie den Menschen in der Ukraine

Wir bitten um weitere Spenden für die seelsorgliche Arbeit der Kirche in der Ukraine. Sie können direkt online spenden oder unter:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
Kontonummer: 215 20 02
BLZ: 750 903 00
LIGA Bank München

IBAN: DE63750903000002152002
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ukraine

Veranstaltungshinweis:
„Gilt ,Wir sind das Volk‘ auch für die Ukraine?“

Abteikirche in Duisburg-Hamborn.

Abteikirche in Duisburg-Hamborn.

Am zweiten Novembersonntag laden wir zu einem Begegnungstag für Freunde und Wohltäter von KIRCHE IN NOT in die Prämonstratenserabtei Duisburg-Hamborn ein.

Die Veranstaltung beginnt um 11:15 Uhr mit einer heiligen Messe in der Abteikirche (An der Abtei 4-6, 47166 Duisburg). Zelebrant ist Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk aus der Ukraine.

Nach einem Mittagsimbiss gibt es zwei Podiumsgespräche zu den Themen „Wertewandel seit dem Mauerfall – was bleibt vom christlichen Europa?“ mit Norbert Geis MdB a. D. sowie „Gilt ,Wir sind das Volk‘ auch für die Ukraine?“ mit Bischof Stanislaw Szyrokoradiuk (Diözese Charkiw-Saporischschja).

Der Begegnungstag endet gegen 16:30 Uhr. Von Duisburg Hbf steht ein Shuttlebus zur Veranstaltung bereit. Anmeldung für diesen Tag bitte in unserem Büro in München.

5.Sep 2014 12:01 · aktualisiert: 5.Sep 2014 18:03
KIN / S. Stein