„IS muss gestoppt werden”

Kirchenvertreter fordern mehr Einsatz der internationalen Gemeinschaft

Syrisch-katholischer Patriarch Ignace III. Yousif Yunan.

Syrisch-katholischer Patriarch Ignace III. Yousif Yunan.

„Wir Christen im Nahen Osten haben dann eine Zukunft, wenn die Familie der Nationen für ihre Prinzipien wie Demokratie und Freiheit, besonders Religionsfreiheit, eintritt. Dann können wir in zivilisierten Ländern leben. Aber das braucht Zeit.” Mit diesen Worten hat sich der syrisch-katholische Patriarch Ignace III. Yousif Yunan an die Weltgemeinschaft gewandt.

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT machte der im Libanon residierende Patriarch deutlich, dass besonders die im UN-Sicherheitsrat vertretenen Nationen eine Verantwortung hätten, politischen Druck auf nahöstliche Staaten auszuüben. „Sie müssen Ländern wie Saudi-Arabien, die religiösen Fanatismus unterstützen, deutlich machen, dass sie damit aufhören müssen”, so der Kirchenführer.

Die Ideologie der Extremisten gehe zurück auf den Wahabismus, eine besonders radikale Auslegung des sunnitischen Islam, der in Saudi-Arabien etwa offizielle Lehre sei, sagte der Patriarch weiter. „IS (Islamischer Staat) wurde, bevor sie durch illegale Ölverkäufe, Lösegelder oder Steuern reich wurden, aus den Golfstaaten finanziert.”

Ignace III. betonte, dass es in den von IS eroberten Gebieten unter sunnitischen Muslimen Sympathie für die Extremisten gebe. „Entweder werden sie zur Unterstützung gezwungen oder sie unterstützen die Extremisten freiwillig aus Überzeugung.”

Bei der Tagung der Vereinten Nationen in Genf.

Bei der Tagung der Vereinten Nationen in Genf.

Die Wurzel für die breite Unterstützung des Extremismus sieht der Patriarch im Erziehungssystem grundgelegt. „Kinder und Jugendliche werden schon in diesem Geist erzogen. Der Islam wird ihnen als die überlegene Religion vorgestellt. Andere müssten folgen und sich unterwerfen.”

Der Patriarch wollte sich indes nicht äußern, ob die Anti-IS-Strategie der US-Regierung zielführend sei. „Wir Bischöfe sind weder Militärs noch Politiker. IS muss gestoppt werden, welche Mittel auch immer dafür nötig sein mögen. Durch Dialog kann man Extremisten nicht stoppen”, so Ignace. „Gewalt ist nötig. Welche Art von Gewalt aber kann ich nicht sagen.”

Humanitäre Hilfe stärken und politischen Druck aufrechterhalten

Erzbischof Silvano Tomasi, Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, machte gegenüber KIRCHE IN NOT deutlich, dass die internationale Gemeinschaft in der Verantwortung stehe, den verfolgten Christen im Irak zu helfen.

Wörtlich sagte der Erzbischof: „Die internationale Gemeinschaft muss zwei Dinge tun. Erstens: Wir müssen die humanitäre Hilfe verstärken, was Lebensmittel, Medizin und Gegenstände des täglichen Bedarfs betrifft. Wir müssen bedenken, dass der Winter kommt. Zweitens muss die internationale Gemeinschaft den politischen Druck aufrechterhalten, dass die Vertrieben in ihre Heimat und zu ihrem Besitz zurückkehren können.

Berichteten auf der UN-Tagung: Der syrisch-katholische Patriarch Ignace III. Yousif Yunan, Erzbischof Silvano Tomasi, Chaldäischer Patriarch Louis Rafael Sako (Foto:Veronique Nebel).

Berichteten auf der UN-Tagung über die dramatische Lage der Christen im Nahen Osten (v.l.): der syrisch-katholische Patriarch Ignace III. Yousif Yunan, Erzbischof Silvano Tomasi, Chaldäischer Patriarch Louis Rafael Sako (Foto:Veronique Nebel).

Es gibt deshalb eine Verpflichtung der Weltgemeinschaft, um für die Durchsetzung dieses Rechts zu arbeiten. Schließlich sollte die internationale Gemeinschaft dazu aufrufen, dass weder Waffen an IS geliefert werden, noch finanzielle oder politische Unterstützung gewährt wird oder wirtschaftliche Beziehungen wie etwa durch Ölhandel bestehen. Sonst wird diese Bande von Terroristen gestärkt, die Gewalt als ein Mittel zu herrschen nutzt.”

Auf die Frage, inwieweit militärische Gewalt Teil einer Strategie zur Bekämpfung von IS sein dürfe, antwortete Erzbischof Tomasi: „Papst Franziskus sagte, dass die internationale Gemeinschaft den ungerechten Aggressor stoppen muss. Das ist Teil der Soziallehre der Kirche, wonach ein ungerechter Angreifer gestoppt und entwaffnet werden muss. Während die Kirche aber eine Art Gewissen der Weltgemeinschaft sein muss und zum Handeln aufruft, ist der technische Aspekt nicht Teil ihrer Aufgabe.

„Den ungerechten Angreifer stoppen”

Wenn wir sagen, dass sogar Gewalt gebraucht werden darf, den Aggressor zu stoppen, dann heißt das nicht, Krieg zu führen. Wenn ein Polizist Gewalt anwendet, um in einem Viertel für Ordnung zu sorgen, dann erklärt er der Bevölkerung im Viertel nicht den Krieg. In derselben Weise sollte die internationale Gemeinschaft den ungerechten Angreifer stoppen und entwaffnen, um den Gebieten Ordnung und Frieden zu bringen, in denen diese armen Christen verfolgt werden.”

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25.Sep 2014 14:57 · aktualisiert: 28.Mrz 2015 07:26
KIN / S. Stein