„Ukraine war noch nie so vereint wie heute”

Gedenkveranstaltung in Duisburg zum 25. Jahrestag des Mauerfalls

Bischof Stanislaw Schirokoradjuk.

Bischof Stanislaw Schirokoradjuk.

Der römisch-katholische Bischof von Charkiw-Saporischja, Stanislaw Schirokoradjuk, erkennt trotz der anhaltenden Kämpfe im Osten der Ukraine Hoffnungsschimmer für eine Einheit des Landes.

Selbst in den abtrünnigen und von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebieten rund um die Städte Luhansk und Donezk, die zu seinem Bistum gehören, habe die Zustimmung für einen russischen Einfluss abgenommen.

„Die Ukraine war noch nie so vereint wie heute“, stellte er während der Gedenkveranstaltung von KIRCHE IN NOT zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntag in der Prämonstratenserabtei in Duisburg-Hamborn fest.

Nach den Worten des Bischofs habe der „Krieg in der Ostukraine“ den Menschen im Land die Augen geöffnet. Auch auf der Halbinsel Krim seien die Einwohner nach der Annexion durch Russland unzufrieden. Es gäbe keine freie Presse mehr, Lebensmittel würden knapp, Touristen blieben aus und die Wirtschaft sei schwach.

Bischof Schirokoradjuk im Gespräch mit Moderator Berthold Pelster.

Bischof Schirokoradjuk im Gespräch mit Moderator Berthold Pelster.

Angesicht dieser Umstände fürchte er für die Krim sogar Proteste wie auf dem Maidan-Platz in der Hauptstadt Kiew vor etwa einem Jahr. Damals haben Hunderttausende für mehr Freiheit und gegen Korruption protestiert. „Die Menschen in der Ukraine möchten in Wahrheit und Unabhängigkeit leben“, so der Bischof wörtlich.

Seitens des Kremls gäbe es immer wieder neue Versuche eine neue Sowjetunion aufzubauen. Die Sowjetunion sei nicht verschwunden, denn die Propaganda gehe weiter, mahnte der Bischof. Er ist sich sicher, dass Russland sich mit Waffen und Panzern an den Kämpfen im Osten der Ukraine beteilige.

Aufgrund dieses Krieges seien zahlreiche Menschen auf der Flucht. Auch in seine Bischofsstadt Charkiw, die rund 200 Kilometer von Donezk und 500 Kilometer von Luhansk entfernt ist, seien bereits 20 000 Personen geflohen.

Die Caritas, deren Präsident Bischof Schirokoradiuk in der Ukraine ist, habe dort bereits Zelte für die Flüchtlinge errichtet und Lebensmittel verteilt. Er denkt daran, nach dem Beispiel der Hilfe von KIRCHE IN NOT im Irak wie dort auch in der Ukraine Containerdörfer errichten zu lassen.

Die Veranstaltung begann mit einem Gottesdienst in der Abteikirche in Duisburg-Hamborn.

Die Veranstaltung begann mit einem Gottesdienst in der Abteikirche in Duisburg-Hamborn.

Der Mentalitätswechsel in der ukrainischen Gesellschaft zeige sich auch im religiösen Leben. Nach zwei Generationen atheistischer Erziehung erlebe das Land eine „religiöse Wiedergeburt“. „Die Menschen haben Hunger nach einem geistlichen Leben. Wir brauchen nicht nur eine politische Revolution, sondern auch eine geistliche“, sagte Bischof Schirokoradiuk.

Das habe sich auch bei den Protesten auf dem Maidan gezeigt, als es ökumenische Gebete oder eucharistische Anbetungen gab. „Wir haben dort 400 000 Rosenkränze verteilt“, berichtete er stolz. Ausdrücklich dankte er dem KIRCHE IN NOT für die Unterstützung der katholischen Kirche in der Ukraine sowohl heute als auch schon zu Zeiten der Sowjetunion.

Norbert Geis.

Norbert Geis.

Während es nach den Worten des Bischofs in der Ukraine ein stärkeres Interesse an der Kirche gibt, stellte der frühere CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis dagegen den zunehmenden Verlust der christlichen Wurzeln in Europa fest.

Er sprach auf der Veranstaltung von KIRCHE IN NOT zum Thema „Wertewandel nach dem Mauerfall – was bleibt vom christlichen Europa?“ Er bedauere, dass in der Präambel der Europäischen Verfassung kein klarer Gottesbezug sei wie im deutschen Grundgesetz, sondern nach langen Diskussionen damals nur eine „Wischiwaschi-Erklärung“ herausgekommen sei.

Geis rief die Christen in Europa auf, die Evangelisierung des Glaubens ernst zu nehmen und missionarisch tätig zu sein. „Wenn wir den Glauben verlieren, verlieren wir auch über kurz oder lang unsere Kultur. Wenn Europa nicht an die christlichen Wurzeln denkt, verliert es sein inneres Herz“, sagte er. Auch in der heutigen Zeit dürfe man den Glauben nicht aufgeben, „dass wir Gottes Ebenbilder sind“.

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BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ukraine

11.Nov 2014 09:40 · aktualisiert: 19.Nov 2014 15:36
KIN / S. Stein