Horror im Paradies

Zehn Jahre nach dem Tsunami im Indischen Ozean

Die St.-Peter-Kirche in Mullaittivu/Sri Lanka wurde durch den Tsunami völlig zerstört.

Die St.-Peter-Kirche in Mullaittivu/Sri Lanka wurde durch den Tsunami völlig zerstört.

Der Tod kam kurz nach Weihnachten. Vor zehn Jahren, am 26. Dezember 2004, zermalmten Tsunamis aus den Tiefen des Indischen Ozeans die Küsten Indonesiens, Indiens und selbst in Afrika. Mehr als 200 000 Menschen kamen ums Leben.

Auch die indische Diözese Port Blair auf der Inselgruppe Andaman und Nicobar wurde überrollt, einige Inseln verschwanden völlig.

„Kala Pani”, schwarze Wasser, nannte man früher die Weiten des Ozeans um die Inseln, um anzudeuten, dass hier das Leben endete. Denn die Inseln dienten vor der Unabhängigkeit Indiens als Endstation für Häftlinge. Danach entwickelte sich die Inselgruppe zum Touristenparadies.

Aber plötzlich waren die schwarzen Wasser wieder da, rissen Tausende in den Tod, zerschmetterten die Hütten und Häuser. Es war der Horror im Paradies. Nur der Glaube blieb felsenfest in der damals erst 20 Jahre alten Diözese. Aus Trümmern und Leid erwuchsen neue Berufungen. Von den heute 58 Priestern der Diözese kommen 13 von den Inseln, mehr als 30 Mädchen haben in Kongregationen vor Ort bereits Gelübde abgelegt.

Flüchtlinge auf dem Grundstück der Kathedrale von Port Blair/Indien. Dorthin sind viele Menschen nach dem Tsunami geflohen. Die Aufnahme ist aus dem März 2005, rund vier Monate nach der Katastrophe.

Flüchtlinge auf dem Grundstück der Kathedrale von Port Blair/Indien. Dorthin sind viele Menschen nach dem Tsunami geflohen. Die Aufnahme ist aus dem März 2005, rund vier Monate nach der Katastrophe.

KIRCHE IN NOT leistete damals Soforthilfe und versprach Unterstützung beim Wiederaufbau der Kapellen. Jetzt ist es
soweit. In den 14 Pfarreien mit ihren rund 400 Außenstationen und den insgesamt 40 000 Katholiken hatten sie aus Bambus Gebetshütten errichtet.

Aber da es neun Monate im Jahr regnet und oft nicht zu knapp, konnten die Dächer das Wasser nicht zurückhalten. Jedes Jahr mussten sie erneuert werden und hielten doch nicht dicht. Dann verbot die Forstverwaltung auch noch, Blätter und Bambus für den Haus- und Hüttenbau zu verwenden.

Kapelle im Bistum Port Blair/Indien. KIRCHE IN NOT ermöglicht für 15 Kapellen ein neues Dach.

Kapelle im Bistum Port Blair/Indien. KIRCHE IN NOT ermöglicht für 15 Kapellen ein neues Dach.

Bischof Alex Dias versprach den Gemeinden: Zieht wenigstens Mauern aus Stein und Ton hoch, für das Dach aus Blech müssen wir uns Hilfe holen. Er bat uns, während sie an den Kapellen bauten, um diese Hilfe. Denn in der Tat, für Dächer aus Blech reicht es nicht mehr: 1.045 Euro kostet ein Dach aus dünnen Blechblättern.

15 Kapellen sind noch nass, mit ihren letzten Reserven haben die Gläubigen es  geschafft, noch vier Kapellen vor den Wassern von oben zu schützen. Für die anderen elf Kapellen haben wir Hilfe zugesagt, bevor der Monsunregen einsetzt (11.500 Euro). Man kann den Bischof eines so geschlagenen und tapferen Volkes doch nicht im wahrsten Sinn des Wortes im Regen stehen lassen, wenn er schreibt: „Wir haben alles gegeben. Ich hoffe aufrichtig, dass Sie uns helfen.”

KIN / S. Stein