„Korruption ist größte Herausforderung”

Bischof Kukah über die Lage in Nigeria vor den Wahlen Ende März

Matthew Hassan Kukah, Bischof von Sokoto/Nigeria.

Matthew Hassan Kukah, Bischof von Sokoto/Nigeria.

Die größte Herausforderung nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria Ende März wird die Bekämpfung der Korruption von Politikern sein. Dies sagte der nigerianische Bischof Matthew Hassan Kukah von Sokoto gegenüber KIRCHE IN NOT.

Die seit Jahren herrschende Korruption habe in der Bevölkerung die Loyalität gegenüber dem nigerianischen Staat geschwächt und die Nation destabilisiert.

Die Wahlen waren vor einigen Tagen wegen drohender Anschläge der Terrorgruppe „Boko Haram” um sechs Wochen verschoben worden. Die nigerianische Armee will bis zum Wahltermin gezielt gegen die militanten Islamisten vorgehen.

Der Bischof befürchtet, dass es Ende März zu einem ähnlich großen Ausbruch der Gewalt gegen Christen wie nach den Wahlen in 2011 kommen könnte. Als der Christ Goodluck Jonathan mit absoluter Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde, gingen radikale Islamisten vor allem im Norden des Landes gegen Christen vor.

Frauen aus Nigeria beim Kochen.

Frauen aus Nigeria beim Kochen.

Damals wurden innerhalb von drei Tagen 800 Menschen getötet und zahlreiche Kirchen, Geschäfte und Wohnhäuser zerstört. „Leider hat die die Regierung die Verantwortlichen bis auf wenige Ausnahmen nicht zur Verantwortung gezogen. Fast niemand wurde vor Gericht gestellt“, bedauert Kukah.

Panzer auf einer Straße in einer nordnigerianischen Stadt.

Panzer auf einer Straße in einer nordnigerianischen Stadt.

Der Bischof von Sokoto stellt fest, dass die Terrororganisation „Boko Haram” in den vergangenen Jahren die Spannungen in der Gesellschaft verstärkt habe. „Die Angriffe haben den Willen zur gegenseitigen Akzeptanz unter den ethnischen Gruppen vermindert und die Beziehung zwischen Christen und Muslimen belastet.“

Ein gewaltiges gesellschaftliches Problem sei die ungleiche Verteilung der Güter. „Einerseits haben einige wenige Industrielle in Nigeria noch nie so viel Erdöl verkauft wie heute, andererseits leben viele Bürger im Elend. Die neue Regierung muss sich dafür einsetzen, dass die breite Bevölkerung Zugang zu Bildung und Arbeit erhält“, sagte Kukah.

KIRCHE IN NOT unterstützt nigerianische Flüchtlinge, die vor „Boko Haram” geflohen sind, und hilft der Kirche im Land bei der Aufrechterhaltung der Seelsorge. Um die Christen in Nigeria weiter unterstützen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – entweder direkt online oder an:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE 6375 0903 0000 0215 2002
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Nigeria

Schlagworte:
Boko Haram · Matthew Kukah · Nigeria · Sokoto
13.Feb 2015 14:50 · aktualisiert: 1.Apr 2015 15:28
KIN / S. Stein