Für eine kleine Ecke im Himmel

Schwester Arousiag kümmert sich um arme Kinder in Armenien

Schwester Arousiag.

Schwester Arousiag.

Schwester Arousiag lebt vom Vertrauen in Gott. Und davon leben auch viele hundert Kinder, monatelang. Geboren ist sie in Aleppo/Syrien, der Märtyrerstadt, aufgewachsen in einer armenischen Familie.

Die Mehrheit der Armenier lebt außerhalb von Armenien, weil vor allem die Türken dieses Volk mit der langen christlichen Tradition verfolgt und fast ganz ermordet haben.

Im April sind es hundert Jahre her, dass die damalige türkische Regierung fast zwei Millionen Armenier sprichwörtlich in die Wüste schickte, wo hunderttausende verhungerten und verdursteten oder von den osmanischen Soldaten erschlagen und erschossen wurden. Dann kam die Leidenszeit unter den Sowjets. Die armenische Kirche wurde fast ausgetilgt, ihre Priester starben in den Gulags.

Es war die Zeit, in der Arousiag geboren wurde, in der Fremde. Sie waren vier Schwestern. Die Nachbarn meinten, drei könnten Nonnen werden, Arousiag nie. „Ich war die Freche“, sagt sie. „Ich konnte aber die Stimme in mir, die mich zum Ordensleben rief, nicht zum Schweigen bringen.“ 1976 besuchte sie Armenien, schon als Angehörige der Armenischen Schwestern der Unbefleckten Empfängnis. Und sie sagte: „Ich bin eine geborene Armenierin. Mein Ideal ist Christus. So wie er seinem Volk nahe war, muss auch ich bei meinen Leuten sein.“

KIRCHE IN NOT unterstützt unter anderem kirchliche Ferienlager für arme Kinder in Armenien.

KIRCHE IN NOT unterstützt unter anderem kirchliche Ferienlager für arme Kinder in Armenien.

Sie blieb. Heute leitet sie das Zentrum „Unsere Liebe Frau von Armenien“. Dort kümmern sich die Schwestern um mehrere hundert arme Familien, die sonst nicht überleben könnten. Der Kommunismus habe nicht nur die religiösen, sondern alle Werte zerstört. „So vielen Menschen ist es völlig egal, ob sie lügen oder betrügen.“

Man müsse bei den Kindern anfangen. Vor zwanzig Jahren starteten sie ein Ferienlagerprogramm, „damit die Kinder wenigstens für drei Wochen ein anderes Leben haben“, sich satt essen, Schuhe ohne Löcher und saubere Kleidung tragen können. Anfangs waren es 150 Kinder, mittlerweile sind es 800. Sie kommen aus ganz Armenien. „Der Sinn für das Ferienlagerprogramm ist, dass diese Kinder Christus begegnen. Sie sollen ihre Lebensumstände aus Gottes Hand annehmen können.“

Blick auf ein Dorf in Armenien.

Blick auf ein Dorf in Armenien.

Schwester Arousiag nimmt auch Waisen und Straßenkinder auf, die Polizei oder Nachbarn zu ihnen bringen, meist aus zerrütteten Familien. Eine Mutter erzählt: „Ich bin geschieden, habe vier Kinder, drei sind hier. Eine Tochter ist psychisch gestört.“ Ein häufiges Schicksal in diesem verwundeten Land. Aber Schwester Arousiag gibt nicht auf, sie vertraut auf Gott.

„Ich habe das Geld für die Ferienlager nicht. Es sind schon vier Gruppen. Ich habe dem Herrn das Problem überlassen, Er muss etwas tun. Ich weiß nicht, was Er tun wird. Ich weiß nur, dass er uns liebt.“ Schwester Arousiag hat auch einen Lebenstraum. „Ich wollte immer heilig werden. Aber davon bin ich weit entfernt. Jetzt sage ich dem Herrn nur: Wenn es soweit ist, dann gib mir eine Ecke in Deinem großen Himmel. So geräumig, dass ich viele von Deinen Kindern mitbringen kann.“ Wie viele es einst sein werden, das liegt auch an uns.

DVD: Interviews über den Völkermord an den Armeniern

Anlässlich des 100. Jahrestages des Völkermords an den Armeniern geben wir eine DVD mit zwei Interviews mit dem Historiker Michael Hesemann zu diesem Thema heraus.

Diese ist kostenlos im Bestelldienst erhältlich oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistraße 62
81545 München

Tel.: 089 – 64 24 88 80
Fax: 089 – 64 24 888-50

E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

Helfen Sie der Kirche in Armenien

KIRCHE IN NOT unterstützt die pastorale Arbeit und Seelsorge in Armenien. Sie können für die kirchliche Arbeit in dem Land am Kaukasus online spenden oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63750903000002152002
BIC: GENODEF1M05

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