„Kenianer müssen jetzt zusammenstehen“

Nach dem Terror-Massaker in der Universität in Garissa

John Kardinal Njue, Erzbischof der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

John Kardinal Njue, Erzbischof der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Erschüttert von dem blutigen Massaker an der Universität in Garissa, bei dem unmittelbar vor Ostern rund 150 Menschen getötet wurden, zeigte sich Kardinal John Njue bei einem Besuch in der Geschäftsstelle von KIRCHE IN NOT Deutschland in München.

Die Probleme des religiösen Fanatismus und der terroristischen Gewalt in Kenia ließen sich nur in einer gemeinsamen Anstrengung von Christen und Muslimen lösen, so der Erzbischof der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Der interreligiöse Dialog müsse daher intensiviert werden. Andernfalls drohe eine Spaltung der Gesellschaft. Ein Hoffnungszeichen sei, dass hochrangige Vertreter der muslimischen Gemeinschaft in Kenia den Anschlag der Al-Shabaab-Milizen scharf verurteilt haben. Der Bevölkerungsanteil der Muslime in Kenia beträgt etwa elf Prozent. Sie leben überwiegend im Osten an der Grenze zu Somalia und in der Küstenregion im Südosten Kenias.

Die Ursachen der Entwicklungen lägen in Somalia, einem Land, in dem grundlegende staatliche Funktionen nicht mehr wahrgenommen würden. Somalia wird deshalb auch zu den sogenannten „gescheiterten Staaten“ gezählt. Aus dem Süden Somalias, wo die islamistischen Al-Shabaab-Milizen in einigen Gebieten die Herrschaft an sich gerissen und strenge Scharia-Regeln eingeführt hätten, würden immer wieder Islamisten nach Kenia eindringen, um Einfluss unter der dortigen Bevölkerung zu gewinnen und Kämpfer zu rekrutieren. Dies gelinge vor allem in dem weltweit größten Flüchtlingslager in Daraab im Osten Kenias. Dort leben rund 350 000 Menschen, überwiegend aus Somalia, die vor Gewalt und islamistischem Terror geflüchtet sind.

Seit einigen Jahren verübt die Al-Shabaab-Miliz auch Anschläge in den Nachbarländern Somalias, so auch in Kenia. Da weitere Anschläge zu befürchten seien, müsse die Regierung für einen besseren Schutz christlicher Einrichtungen sorgen, zum Beispiel von Schulen und Universitäten, so Kardinal Njue.

Bei dem Massaker, das in den frühen Morgenstunden des Gründonnerstags (2. April) begann, wurden rund 150 Menschen getötet. Vor allem christliche Studenten wurden gezielt ermordet. Studenten sollen von den Terroristen aufgefordert worden sein, Koranverse aufzusagen. Wer dazu nicht imstande war, wurde hingerichtet.

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28.Apr 2015 10:33 · aktualisiert: 28.Apr 2015 10:36
KIN / T. Waitzmann