Marianischer Bettelorden

Rudolf Grulich über die Serviten und die ihnen anvertrauten Wallfahrtsorte

Außenansicht der Basilika in Udine.

Außenansicht der Basilika in Udine.

Zahlreiche Orden haben Maria als ihre Patronin. Bei manchen sagt das bereits ihr deutscher Name wie die Marianer oder ihre lateinische Bezeichnung wie bei den Claretinern (Cordis Mariae Filii), den Oblaten (Congregatio Oblatorum B. Mariae Immaculatae) oder bei den Englischen Fräulein (Institutum Beatae Mariae Virginis).

Auch die Serviten sind ein marianischer Orden, der in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand, als sich sieben Brüder zusammenschlossen und sich Diener Mariens nannten.

Dieser Orden ist im deutschen Sprachraum relativ wenig bekannt. In Böhmen errichtete Kaiser Karl IV. im Jahre 1360 ein Servitenkloster, das 1620 von den Hussiten zerstört wurde. Erst 1677 kehrten die Serviten nach Böhmen zurück, als der Majoratsherr Ferdinand de Longueval Graf von Buquoy ein Kloster im südböhmischen Gratzen stiftete, wo sich 1678 die Serviten niederließen.

Weitere Klöster entstanden in Koneged, in Rabenstein und Grulich. Koneged und Rabenstein wurden von Josef II. aufgehoben. Gratzen bestand bis 1946, als die Deutschen vertrieben wurden.

Altes Servitenkloster in Gratzen.

Altes Servitenkloster in Gratzen.

Auch Servitinnen waren 1894 nach Böhmen gekommen, die auf Einladung von Philipine Gräfin von Buquoy den Kindergarten leiteten. Schon bald nach dem Münchner Abkommen von 1938 zeigten die Nationalsozialisten ihr wahres Gesicht, als sie den Kindergarten der Schwestern enteigneten. Die 1946 vertriebenen Serviten sind alle verstorben.

Aber 1948 war in Innsbruck ein junger vertriebener Gratzener in den Orden eingetreten. 1953 wurde Pater Bonfilius Wagner zum Priester geweiht. 1993 kehrte er nach Gratzen zurück und übernahm dort Kloster und Pfarrei mit dem Gnadenbild „Maria Trost“.  Nach seinem Tod betreuen Angehörige der Familie Mariens das Kloster in Gratzen.

Die erste Kirche der Serviten war „Maria Verkündigung” in Florenz, die auch heute ein beliebter Wallfahrtsort ist. Die Serviten sind ein Bettelorden, der rund 1000 Brüder und 5000 Schwestern zählt und dem sich über 10 000 Laien angeschlossen haben. Die Ordensspiritualität ist betont marianisch.

Hof des Servitenklosters in Udine.

Hof des Servitenklosters in Udine.

Im Lauf der Geschichte betreuten die Serviten neben ihrer Tätigkeit in Schulen und Krankenhäusern und neben der Seelsorgetätigkeit in Pfarreien viele marianische Wallfahrtsorte. Von Italien aus hatte sich der Orden außer nach Böhmen seit dem 14. Jahrhundert auch nach Deutschland verbreitet, wo es Priorate in Halle, Halberstadt und Germersheim gab.

Die Klöster gingen aber in der Zeit der Reformation verloren. Die Gegenreformation brachte dann eine Wiedereinführung in den habsburgischen Gebieten mit drei Ordensprovinzen Tirol, Böhmen und Österreich-Ungarn. In Mähren waren die Serviten in Jaromeritz und Veseli an der March vertreten.

Im deutschen Sprachraum kümmern sich die Serviten um die Wallfahrtskirche Maria Waldrast in Tirol bei Matrei am Brenner und Maria Luggau in Kärnten sowie Maria Weißenstein in Südtirol. In Italien finden wir Serviten als Wallfahrtsseelsorger auf dem Monte Berico bei Vicenza, bei der Gnadenmutter von Gluara in der Region Reggio Emilia, in der Abtei Follina in Venetien und bei der Gnadenmutter in Udine.

Innenraum der Basilika in Udine. Hier wird die Ikone der Mutter der Gnaden verehrt.

Innenraum der Basilika in Udine.

Am Platz des 1. Mai in Udine steht die Basilika der Mutter der Gnaden. Hier übergab 1479 ein Offizier aus Venedig eine wundertätige Ikone dem Servitenprior. Bereits 1493 wurde mit dem neuen Kirchenbau begonnen, der 1520 fertiggestellt und erst nach 1700 erweitert wurde. Später kam eine Vorhalle dazu, die von vier Säulen gestützt wird und zu der eine mächtige Treppe führt.

Die Gnadenkapelle wurde 1768 errichtet. Das Kloster neben der Basilika besitzt einen großen Kreuzgang. Nach dem Einmarsch der Franzosen 1797 wurden die Mönche vertrieben, so dass Weltpriester die Seelsorge übernahmen, bis 1923 die Serviten zurückkehren konnten. Die Verehrung des Gnadenbildes war aber in dieser Zeit ungebrochen, wie der Pilger an den vielen Votivtafeln erkennen kann.

Gebet an die selige Jungfrau der Gnaden

Gnadenbild der Mutter der Gnaden in Udine.

Gnadenbild der Mutter der Gnaden in Udine.

O Mutter der Gnaden:
Gesegnet vom Höchsten
zu Dir steigt der Lobpreis der Kirche.

Liebste Tochter des Vaters,
durch die Annahme der Verkündigung des Engels
hast Du an der Erlösung des Menschen mitgewirkt:
In Dir gehorchte das Geschöpf wieder dem Schöpfer.

Mutter Jesu, des Sohnes Gottes,
Du hast in Deinem Herzen das Wort gewahrt
und damit den Weg zur Weisheit gezeigt:
In Dir öffnete sich der Mensch der Frohen Botschaft.

Vom Geiste geliebte Braut,
Du hast in Deinem Leib das Wort Gottes empfangen
und damit der Welt das Leben gegeben:
In Dir wurde der Mensch das Haus des Ewigen.

An Deine einzigartige Würde
und an Deine mütterliche Fürbitte
erinnert diese Ikone
seit Jahrhunderten demütig.

Barmherzige Mutter,
betende Jungfrau,
wir rufen Dir zu:
Deine Hilfe unterstütze unser Flehen:
Uns, all Deinen Dienern, unseren Lieben,
all unseren Glaubensbrüdern, jedem Menschen
gewähre Deine Barmherzigkeit Frieden und Erlösung.

Bitte für uns den Vater
um die vollständige Kenntnis Christi,
die Gaben des Geistes,
den Schutz vor Gefahren
und die Befreiung vom Bösen.

Gib, dass wir mit Dir das Reich des Herren aufbauen,
Reich des ewigen Lobes,
Reich der Gerechtigkeit und des Friedens,
für alle und für immer. Amen.

Frühere Wallfahrten von KIRCHE IN NOT mit Prof. Rudolf Grulich:

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KIN / S. Stein