„Wir wollen in Syrien bleiben”

Bischof Antoine Audo aus Aleppo über die dramatische Lage in seiner Heimat

Antoine Audo, chaldäisch-katholischer Bischof von Aleppo/Syrien.

Antoine Audo, chaldäisch-katholischer Bischof von Aleppo/Syrien.

„Wir Christen sind entschlossen, in Syrien zu bleiben und weiterhin Zeugnis abzulegen“, versicherte der Bischof von Aleppo, Antoine Audo, auf einer von KIRCHE IN NOT mitorganisierten Pressekonferenz in Rom.

Der chaldäische Würdenträger sprach über die Massenauswanderung der Syrer, die sich insbesondere infolge der hohen Aufnahmebereitschaft der EU-Länder verstärkt als Problem darstellt.

„Wer konnte, ist bereits ausgewandert, und die, die noch da sind, versuchen, das Land zu verlassen, vor allem die jungen Männer, die Angst davor haben, eingezogen zu werden, und sich nicht an einem sinnlosen Krieg beteiligen wollen, der uns nichts als Zerstörung bringt“, so der Bischof.

Ihre Route führt sie durch die Türkei, von wo aus sie mit dem Schiff nach Griechenland oder Italien weiterfahren. „Doch wie viele von ihnen haben auf der Überfahrt den Tod gefunden.“

Von der Auswanderungswelle ist auch die christliche Gemeinde von Aleppo betroffen. Die Stadt gehört zu den Orten, wo die christliche Minderheit noch mit am meisten präsent war. „Vor dem Konflikt lebten 150 000 Christen in der Stadt, während es heute vermutlich nicht einmal 50 000 sind. Die Angst ist groß, dass unsere Gemeinde ganz verschwinden könnte.“

Erzbischof Jean-Clement Jeanbart betrachtet die Schäden an Häusern im christlichen Stadtviertel von Aleppo (Foto: KIRCHE IN NOT/Melkitische Erzdiözese Aleppo).

Erzbischof Jean-Clement Jeanbart betrachtet die Schäden an Häusern im christlichen Stadtviertel von Aleppo (Foto: KIRCHE IN NOT/Melkitische Erzdiözese Aleppo).

Nach viereinhalb Jahren Krieg ist die Lage inzwischen unerträglich geworden. „Die Reichen sind fortgegangen, die Mittelschicht ist verarmt und die Armen leben im nackten Elend. Über achtzig Prozent der Einwohner sind ohne Arbeit.“

Dazu kommt noch, dass es in der Stadt seit über zwei Monaten kein Wasser und keinen Strom mehr gibt. „Bei unserer Kirche haben wir einen Brunnen. Wir versuchen, so viel wie möglich von dem Wasser unter den Einwohnern zu verteilen. Überall auf den Straßen kann man Kinder mit leeren Flaschen sehen – auf der Suche nach Wasser.“

Kein Strom und kein Wasser

Unterdessen geht die B0mbardierung weiter, Tag für Tag. „Ein Teil der Stadt steht unter Kontrolle der Regierung, während sich die übrigen Teile in den Händen fundamentalistischer Gruppen befinden, die unausgesetzt Angriffe auf das von der syrischen Armee kontrollierte Gebiet starten; gerade dort leben auch die meisten Christen.

Die Lage in Aleppo ist insbesondere deshalb so dramatisch, weil wir hier nur vierzig Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt sind, wo Fundamentalisten weiterhin Unterschlupf finden und bewaffnet werden.“

Junge Männer füllen Eimer mit Wasser.

An einem Brunnen nahe der melkitischen Kathedrale in Aleppo: Junge Männer füllen Eimer und Flaschen mit Wasser.

Bischof Audo glaubt, dass hinter dem fortdauernden syrischen Konflikt internationale Interessen stehen. „Seit Jahren schon warten wir auf eine politische Lösung, ein kleines Hoffnungszeichen, das auf das Ende des Krieges hindeutet.“

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2.Okt 2015 09:31 · aktualisiert: 7.Okt 2015 14:52
KIN / S. Stein