„Vorgeschmack auf anarchische Zustände”

Nach dem Brandanschlag auf die Geschäftsstelle von „Demo für alle”

Hedwig Freifrau von Beverfoerde.

Hedwig Freifrau von Beverfoerde.

Wer in Deutschland für die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau oder gegen die Gender-Ideologie und die Sexualisierung von Kindern in Kindergärten und Schulen eintritt, muss mit Gewalttaten rechnen. Dies haben in den vergangenen zehn Tagen Brandanschläge mutmaßlich linksradikaler Täter in Berlin und Magdeburg gezeigt.

Der Brandanschlag auf die Magdeburger Geschäftsstelle von „Demo für alle“ in der Nacht zum vergangenen Sonntag richtet sich vermutlich gegen die Initiatorin des Familienschutzbündnisses, Hedwig von Beverfoerde. Beverfoerde sprach im März 2015 beim Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ von KIRCHE IN NOT zum Thema Meinungsfreiheit.

Im Interview mit KIRCHE IN NOT erläutert sie, dass sie sich auch nach den jüngsten Anschlägen für den Schutz von Ehe und Familie einsetzen werde. Das Interview führte Anselm Blumberg.

KIRCHE IN NOT: Frau von Beverfoerde, Sie sind es gewohnt, dass linksextreme Kreise Ihr Familienschutzbündnis „Demo für alle“ mit wüsten Beschimpfungen auf Internetplattformen bedenken. Mit den Brandanschlägen in jüngster Vergangenheit hat aber die Feindseligkeit eine neue Dimension erreicht. Hätten Sie es noch vor kurzem für möglich gehalten, dass die verbale Brandstiftung so schnell in tätliche Brandstiftung münden würde?
Nein, solch massive Gewaltattacken hätte ich nicht erwartet. Wir haben allerdings schon damit gerechnet, dass es zu Angriffsversuchen auf Einrichtungen und auf das von den Demonstrationen bekannte Fahrzeug kommen könnte, aber nicht damit, dass die Gegner keine Hemmungen haben, Gebäude in Brand zu setzen.

Ein Gebäude und ein Kleinbus wurden bei dem Brandanschlag auf die Geschäftsstelle von „Demo für alle” in Magdeburg völlig zerstört.

Ein Gebäude und ein Kleinbus wurden bei dem Brandanschlag auf die Geschäftsstelle von „Demo für alle” in Magdeburg völlig zerstört. Die Polizei schätzt den Schaden auf 80.000 Euro (Foto: privat).

Bedeutet diese neue Stufe der Feindseligkeit, dass Ihren Gegnern die Argumente ausgegangen sind, Ihre Positionen zu widerlegen?
Die Ehe als Lebensbund zwischen einem Mann und einer Frau und die darauf begründete Familie sind nicht widerlegbar. Gott hat uns dies geschenkt und von Anfang an in die Natur des Menschen eingeschrieben. Jeder Versuch, Ehe und Familie zu dekonstruieren und willkürlich neu zu definieren, ist zum Scheitern verurteilt. Eben deshalb ist die Aggression derer, die gegen Gottes Plan ankämpfen wollen, so groß.

Wir lassen uns nicht einschüchtern, sondern werden als „Demo für alle“ unbeirrt weiter für Ehe und Familie und gegen die Gender-Ideologie und die Sexualisierung unserer Kinder eintreten.

Die beiden Brandanschläge gegen Mitglieder des Aktionsbündnisses „Demo für alle“ stehen in zeitlichem Zusammenhang mit der Premiere des Theaterstücks „Fear“ an der Berliner Schaubühne. Darin werden Sie und eine weitere von einem Anschlag betroffene Person diffamiert. Welche Fragen sollte sich nun der Regisseur des Stücks, Falk Richter, stellen?

Das verkohlte Wageninnere des Kleinbusses von „Demo für alle“.

Das verkohlte Wageninnere des Kleinbusses von „Demo für alle“ (Foto: privat).

„Diffamiert“ trifft es nicht ganz. In dem Theaterstück wird an einer Stelle dazu aufgerufen, einer Reihe von Personen, darunter Gabriele Kuby, Beatrix von Storch, Birgit Kelle und mir, die als hassstrotzende Zombies dargestellt werden, „in den Kopf zu schießen“. Das aufhetzende Stück wird nach zwei Brandanschlägen auf das Auto von Beatrix von Storch und die Firma meines Mannes ungerührt weiter aufgeführt.

Ich möchte erstens von Herrn Richter wissen, ob er mit seiner Inszenierung zu solchen Anschlägen anstiften will beziehungsweise ob er diese Anschläge billigt, und zweitens, mit wie viel Steuergeldern diese Inszenierung subventioniert wird.

Sie sind Opfer eines heimtückischen Brandanschlags geworden, weil Sie christliche Werte in aller Öffentlichkeit vertreten. Erleben wir gerade die ersten Ausläufer einer Christenverfolgung in Deutschland?
Es handelt sich meines Erachtens noch nicht um eine direkte Christenverfolgung. Aber es gibt einen Vorgeschmack auf anarchische Zustände, die wir in absehbarer Zeit zu erwarten haben, wenn die aktuell rasante Destabilisierung unseres Landes nicht schnellstens beendet wird. Sollte die innere Sicherheit zusammenbrechen, bin ich überzeugt, dass es dann sehr schnell auch zu offener Christenverfolgung kommen wird.

KIN / S. Stein