Lebendig, aber bitterarm

In Kuba unterstützt KIRCHE IN NOT den Bau einer Kirche in Vorstadt Havannas

Ein Schild weist auf den Bau der neuen Kirche „Heiliger Johannes Paul II.“ in Guiteras.

Ein Schild weist auf den Bau der neuen Kirche „Heiliger Johannes Paul II.“ in Guiteras.

Graue, wegen der feuchten tropischen Temperaturen bröckelnde Plattenbauten beherrschen das Bild in Guiteras. In dem Vorort von Kubas Hauptstadt Havanna leben etwa 32 000 Menschen.

Es ist ein Ort wie viele andere auf der Karibik-Insel. Und dennoch ist Guiteras besonders: Hier entsteht derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT eine neue Kirche – auf Kuba ist das alles Andere als alltäglich.

Wo es keine alten Kirchen aus der Zeit vor der Revolution gibt, müssen sich die Katholiken in der Regel in Privathäusern treffen. Nur in wenigen Fällen wurden bisher Neubaugenehmigungen für kirchliche Gebäude ausgestellt.

Einer dieser privilegierten Orte ist Guiteras. Kubas Staatschef Raúl Castro stellte der Kirche nach dem Besuch Papst Benedikts XVI. auf der Insel 2012 das Grundstück zur Verfügung.

„Bisher beten und treffen wir uns im Hof eines Privathauses. Wir freuen uns, wenn wir in unsere neue Kirche umziehen können”, sagt Diakon Manuel Hernandez von der katholischen Gemeinde in Guiteras. Doch bis es soweit ist, wird es noch ein wenig dauern.

Diakon Manuel Hernandez aus der Gemeinde Guiteras, einer Vorstadt von Havanna.

Diakon Manuel Hernandez aus der Gemeinde Guiteras, einer Vorstadt von Havanna.

„Die Baugenehmigung liegt mittlerweile vor. Aber recht voran kommt der Bau nicht. Es mangelt uns an Material und Baugerät. Ein Bagger sollte das Fundament ausheben. Er gab nach einer Stunde den Geist auf. Jetzt müssen wir eben warten”, berichtet er.

Patron der Kirche wird der heilige Papst Johannes Paul II. sein. Er war der erste Papst, der die Karibikinsel 1998 besuchte. Die Kirche Kubas hat die Visite als Durchbruch in Erinnerung. Nach Jahren der Verborgenheit konnte sie wieder in die Öffentlichkeit treten. Auch künftig will sich die katholische Gemeinde Guiteras nicht in die neuen Kirchenmauern zurückziehen.

„Wir haben Laienmissionare, die in die Häuser gehen. Außerdem teilen wir Essen an bedürftige alte Menschen aus. All das wollen wir noch verstärken, wenn die neue Kirche steht. Wir wollen hier nämlich auch ein Pastoralzentrum und einen Sportplatz errichten. Damit wollen wir vor allem junge Leute ansprechen”, erläutert der Diakon.

Amalia ist eine der Gründerinnen der katholischen Gemeinde in Guiteras.

Amalia ist eine der Gründerinnen der katholischen Gemeinde in Guiteras.

Die alten Gemeindemitglieder freuen sich. Amalia etwa, eine ältere Dame, gehört zu den Gründerinnen der katholischen Gemeinde in Guiteras. Mit anderen frommen Frauen betet sie den Rosenkranz in der provisorischen Kapelle auf dem Grundstück des Kirchenbaus.

„Wenn die neue Kirche einmal steht, werden sicher mehr Leute kommen. Das wird wunderbar. Vor 21 Jahren haben wir begonnen, uns in privaten Häusern zu treffen, das Evangelium zu lesen und zu beten. Es war nicht immer leicht. Früher durfte man in den vom Staat zur Verfügung gestellten Wohnungen ja nicht einmal ein Kreuz oder ein Bild der Jungfrau an der Wand aufhängen”, sagt sie.

Dennoch glaubt sie, dass die Botschaft des Evangeliums auf Kuba einen fruchtbaren Boden hat. „Früher waren es nur wenige. Heute kommen hunderte Menschen zu unseren Gottesdiensten. Alle Kubaner glauben. Wer das Gegenteil behauptet, der lügt.”

Ein Pionier des Glaubens ist auch Professor Rene Zamora Marin. Der Mediziner leitete früher eine Intensivstation in Havannas größtem Krankenhaus. 1997 gründete er in der kubanischen Hauptstadt das „Zentrum für Bioethik Johannes Paul II.” „Die Zeit für unser Institut müssen meine Mitarbeiter und ich uns vom Schlaf absparen. Aber die Arbeit ist es wert”, sagt er. Die Einrichtung hat 14 Mitarbeiter.

Professor Rene Zamora Marin und Mitarbeiter des Bioethik-Instituts.

Professor Rene Zamora Marin und Mitarbeiter des Bioethik-Instituts.

„Natürlich gehören die engeren Fragen der Bioethik wie Stammzellforschung oder Hirntod zu unserem Arbeitsgebiet. Aber wir haben mittlerweile den Fokus weitergestellt. Außerdem ist ein ethisches Problem wie Abtreibung ja auch nicht isoliert zu sehen. Abtreibung ist immer auch ein Symptom für die Krise der Familie”, erläutert der Professor weiter.

Wertevermittlung aus christlichem Geist könnte man das Motto der Einrichtung deshalb nennen, die von KIRCHE IN NOT unterstützt wird. Diverse Angebote für Jugendliche und Erwachsene wollen ein Bewusstsein für die Würde des Menschen wecken. „Und dann selbstverständlich für den daraus folgenden echten Umgang miteinander”, betont Professor Zamora.

„Die Vernunft verbindet uns alle

Ihm geht es darum, in die Gesellschaft Kubas hineinzuwirken. Die Geschichte des Landes hat ihre Spuren auch im Bewusstsein der Menschen hinterlassen. „Wir haben eine Krise der Werte auf Kuba. Das gilt für die Familie, aber auch für die Gesellschaft insgesamt.

Wir richten uns deshalb an alle Menschen guten Willens. Der Begriff der Person und ihrer Würde ist schließlich jedem denkenden Menschen einsichtig. Die Vernunft verbindet uns alle. Sie hat es dem Apostel Paulus ermöglicht, auf dem Areopag in Athen über einen unbekannten Gott zu sprechen”, sagt er.

Gottesdienst der Pfarrei in Reparto Bahia im Freien.

Gottesdienst der Pfarrei in Reparto Bahia im Freien.

Durch die Zeitschrift des Instituts, aber auch durch Kongresse, Kurse, Diskussionen und mittlerweile eine Zusammenarbeit mit der philosophischen Fakultät der Universität Havanna gelingt es, auch mit den Teilen der Gesellschaft in Kontakt zu kommen, die sonntags nicht in die Messe gehen.

Viele Menschen kämen mit philosophischen Fragen hierher, um sich zu informieren, sich auszutauschen und ihren Horizont zu erweitern, so Professor Zamora. „Unsere Arbeit wird sehr respektiert. Wir sind mittlerweile sogar Mitglied der Kubanischen Akademie der Wissenschaften. Unser Zentrum war auch an einem Gesetzesentwurf zum Hirntod beteiligt. Dafür sind wir sehr dankbar.”

KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Kirche Kubas seit vielen Jahren bei pastoralen Projekten, darunter Neubau und Renovierungen von Kirchen sowie Ausbildung und Unterstützung von Priestern und Ordensleuten. Etwa 60 Prozent der Einwohner Kubas gelten als katholisch.

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KIN / S. Stein