Aktueller Bericht über Christenverfolgung vorgestellt

KIRCHE IN NOT dokumentiert Situation in 16 Brennpunktländern

Titelbild des Buches "Christen in großer Bedrängnis – Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2016".

Titelbild des Buches “Christen in großer Bedrängnis – Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2016″.

Unser Hilfswerk hat in München die vierte Auflage seiner Dokumentation über Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung von Christen vorgestellt. Unter dem Titel „Christen in großer Bedrängnis“ werden 16 Länder in den Blick genommen, in denen Christen, aber auch andere religiöse Minderheiten daran gehindert werden, ihre Religion frei auszuüben.

Die 216 Seiten starke Dokumentation konzentriert sich auf Vorkommnisse in den Jahren 2014 und 2015. Wie der Autor des Berichts, KIRCHE-IN-NOT-Menschenrechtsexperte Berthold Pelster, erläuterte, habe in den vergangenen drei Jahren das Ausmaß von Unterdrückung, Gewalt und Verfolgung gegen religiöse Gemeinschaften dramatisch zugenommen.

„In diesen Zeitraum fällt die Errichtung des ,Islamischen Staates‘ im Irak und in Syrien mit der Vertreibung von 120 000 Christen aus Mossul und der Ninive-Ebene. Nigeria hat durch den Terror von ‚Boko Haram’ 2014 das bislang blutigste Jahr erlebt“, sagte Pelster.

Zur Buch-Präsentation waren auf Einladung von KIRCHE IN NOT der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael I. Sako aus Bagdad (Irak), der chaldäisch-katholische Bischof Antoine Audo aus Aleppo (Syrien) und der römisch-katholische Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri (Nigeria) gekommen.

Patriarch Sako schilderte die Ängste der Christen im Irak vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“, der „alles auslöschen will, was seinen eigenen Ansichten entgegensteht“. Die Zahl der Christen im Irak sei inzwischen auf den Tiefststand von unter 400 000 gesunken. Vor gut zehn Jahren hätten noch 1 264 000 Christen im Land gelebt.

Das Pressekonferenz-Podium (von links): Übersetzerin Petra Ledolter, Berthold Pelster, Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri (Nigeria), Patriarch Louis Raphael I. Sako aus Bagdad (Irak), Bischof Antoine Audo aus Aleppo (Syrien), Karin Maria Fenbert.

Das Pressekonferenz-Podium (von links): Übersetzerin Petra Ledolter, Berthold Pelster, Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri (Nigeria), Patriarch Louis Raphael I. Sako aus Bagdad (Irak), Bischof Antoine Audo aus Aleppo (Syrien), Karin Maria Fenbert.

Sako kritisierte die „offenen Tore“ in Europa für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. „Stattdessen sollte Europa und Amerika nach politischen Lösungen suchen, damit die Menschen aus dem Nahen Osten in ihrer Heimat bleiben können“, forderte Sako.

Gleichzeitig stellte der Patriarch klar, dass es dem Westen nur mit Bodentruppen gelingen könne, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus den Städten und Ortschaften zu vertreiben. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass die geflohene Bevölkerung in ihre Heimatorte zurückkehren könne.

Patriarch Louis Raphael I. Sako aus Bagdad (Irak) und Bischof Antoine Audo aus Aleppo (Syrien), von links.

Patriarch Louis Raphael I. Sako aus Bagdad (Irak) und Bischof Antoine Audo aus Aleppo (Syrien), von links.

Bischof Audo bezeichnete es als „großes Drama für die Welt und für die Kirche“, wenn es so weit käme, dass die Präsenz der Christen im Nahen Osten verschwinden würde. Der Krieg, der in Syrien mehr als fünf Jahre dauert, habe die Auswanderung der Christen weiter verstärkt. Eine Ursache dafür, dass der Krieg sich in die Länge zieht, seien wirtschaftliche Interessen.

„Papst Franziskus hat zu Recht schon zehn Mal darauf hingewiesen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem fortdauernden Syrienkrieg und dem Waffenhandel gibt“, erinnerte Audo. Ein weiteres Problem sei, dass zu viele unterschiedliche Gruppen sich in Syrien gegenseitig bekämpfen. Audo, der auch der Präsident der Caritas in Syrien ist, dankte dem Hilfswerk KIRCHE IN NOT für seine Unterstützung bei der medizinischen Versorgung von Verwundeten und beim Wiederaufbau zerstörter Häuser.

Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri (Nigeria).

Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri (Nigeria).

Über die Bedrohung der Christen in Nigeria berichtete Bischof Oliver Dashe Doeme. Seit der Verbreitung von Mohammed-Karikaturen im Jahr 2005 in einer dänischen Zeitung seien in seiner Diözese Maiduguri 50 von insgesamt 52 Kirchen niedergebrannt worden. Ein Priester sei von muslimischen Jugendlichen ermordet worden.

Seit 2009 erschütterten Anschläge der islamistischen Terrorgruppe „Boko Haram“ das kirchliche Leben in seiner Diözese. „Boko Haram bekämpft alle, die nicht einer strengen Auslegung der Scharia folgen, auch Muslime. Weil Christen und Muslime erkannt haben, dass sie einen gemeinsamen Feind haben, vereint Boko Haram sogar Christen und Muslime“, sagte der Bischof.

Er stellte klar, dass Nigeria eine zweifache Hilfe gegen den Terror benötige: finanzielle Hilfe und geistliche Hilfe. „Das Gebet der Christen weltweit und die Hilfe der Muttergottes haben bewirkt, dass sich Boko Haram noch nicht im ganzen Land ausgebreitet hat“, sagte Dashe Doeme.

Die Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis – Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2016“ kann unentgeltlich bestellt werden, online in unserem Bestelldienst oder bei:

KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München
Telefon: 089 / 64 24 888 – 0
Fax: 089 / 64 24 888 50
E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

20.Feb 2016 10:00 · aktualisiert: 24.Mrz 2016 08:49
KIN / T. Waitzmann