Über 12 000 Wohnhäuser zerstört

Studie von KIRCHE IN NOT über christliche Dörfern in der Ninive-Ebene

Zerstörte Häuser in Batnaya. In dem Ort lebten vor dem Einmarsch des IS 850 christliche Familien.

Zerstörte Häuser in Batnaya. In dem Ort lebten vor dem Einmarsch des IS 850 christliche Familien.

Mehr als 12 000 Wohnhäuser in zwölf christlichen Dörfern der irakischen Ninive-Ebene wurden durch die Angriffe der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) schwer beschädigt, 669 Häuser sind vollständig zerstört.

Die Kosten für den Wiederaufbau belaufen sich ersten Berechnungen zufolge auf weit mehr als 200 Millionen US-Dollar.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung, die KIRCHE IN NOT initiiert hat. Dazu hatten lokale Kirchenmitarbeiter die zurückeroberten Dörfer besucht, die Schäden erfasst und katalogisiert. Auch Satellitentechnik kam dabei zum Einsatz.

In einem weiteren Schritt sollen auch die Schäden an öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäusern sowie zerstörte kirchliche Gebäude erfasst werden. Das sind die ersten Schritte, mit denen KIRCHE IN NOT einen „Marshall-Plan“ zum Wiederaufbau der zerstörten christlichen Siedlungsgebiete in der Ninive-Ebene einleiten möchte.

Übersicht über zerstörte, beschädigte und abgebrannte Wohngebäude in der Ninive-Ebene.

Übersicht über zerstörte, beschädigte und abgebrannte Wohngebäude in der Ninive-Ebene.

Für die Studie wurden ebenfalls über 1300 christliche Familien befragt, die momentan in der irakischen Großstadt Erbil Zuflucht gefunden haben. 41 Prozent von ihnen gaben an, in ihre Heimatdörfer zurückkehren zu wollen. Weitere 46 Prozent ziehen dies zumindest in Erwägung.

Bei einer ebenfalls von KIRCHE IN NOT durchgeführten Befragung im November 2016 wollten lediglich 3,28 Prozent der Befragten in ihre Heimatdörfer zurückkehren.

Damals begannen die jüngsten Militäraktionen zur Befreiung der Ninive-Ebene. Mittlerweile ist der IS in einem Großteil des Gebietes geschlagen, um die Stadt Mossul toben aber nach wie vor heftige Kämpfe.

Zerstörtes Geschäft in Karakosch.

Zerstörtes Geschäft in Karakosch.

In der Zwischenzeit nutzen viele Flüchtlinge die Feuerpause, um sich ein Bild von der Lage in ihren Heimatdörfern zu machen.

Dies spiegelt sich auch in der Umfrage wieder: 57 Prozent der Befragten gaben an, ihr Eigentum sei geplündert worden, 22 Prozent berichtet von der völligen Zerstörung ihrer Häuser. Etwas mehr als ein Viertel der Befragten teilte mit, durch die Angriffe des IS seien alle ihre persönlichen Dokumente vernichtet worden.

Freiwillige Helfer packen die Lebensmittelpakete für die vielen Flüchtlingsfamilien in Erbil.

Freiwillige Helfer packen die Lebensmittelpakete für die vielen Flüchtlingsfamilien in Erbil.

In Erbil sind derzeit rund 90 000 Flüchtlinge registriert. Ihre Zahl ist rückläufig – 2014 waren es noch 120 000 Personen gewesen.

Dennoch sind nach wie vor rund 85 Prozent der Geflüchteten auf die Hilfe von KIRCHE IN NOT angewiesen, zum Beispiel durch Lebensmittel- und Medikamentenspenden, Unterstützung für Wohnquartiere und Krankenhäuser, mehrere Schulen für geflüchtete Kinder oder seelsorgliche Betreuung der Traumatisierten.

Helfen Sie den Menschen im Irak

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Irak

29.Mrz 2017 09:53 · aktualisiert: 10.Okt 2017 12:48
KIN / S. Stein