Vatikan bittet um Unterstützung für Wiederaufbau christlicher Dörfer im Irak

Kardinalstaatssekretär: Rechte der Christen achten

Kardinalstaatssekretär Pierro Parolin (links) erhielt vom Generalsekretär von KIRCHE IN NOT, Philipp Ozores, einen Bericht über geleistete und geplante Hilfe zum Wiederaufbau der Niniveebene .

Kardinalstaatssekretär Pierro Parolin (links) erhielt vom Generalsekretär von KIRCHE IN NOT, Philipp Ozores, einen Bericht über geleistete und geplante Hilfe zum Wiederaufbau der Niniveebene .

Bei einer Pressekonferenz anlässlich einer internationalen Konferenz des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ Ende September in Rom rief Kardinalstaatssekretär Pierro Parolin Gläubige und die Zivilgesellschaft weltweit dazu auf, die Rückkehr der Christen in der irakischen Ninive-Ebene zu unterstützen.

Parolin würdigte den Einsatz von „Kirche in Not“: „Ihr Marshall-Plan für die Ninive-Ebene ist ein großes Zeichen Ihrer Sorge. Ein Zeichen, dass Sie sich der Dringlichkeit des Projekts bewusst sind sowie Ihrer bemerkenswerten Leistungs- und Organisationsfähigkeit.“ Unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ unterstützt „Kirche in Not“ den Wiederaufbau in neun christlichen Dörfern, die zwischen 2014 und 2016 in der Hand des sogenannten „Islamischen Staates“ waren. 13 000 Gebäude sind dort beschädigt oder komplett zerstört. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau betragen rund 250 Millionen US-Dollar.

14 000 Christen in ihre Ursprungsregion zurückgebracht

Der Kardinalstaatssekretär betonte, dass der Heilige Stuhl keine Gelegenheit ausgelassen habe, um den vertriebenen Christen aus der Ninive-Ebene „die Rückkehr in ihre Heimat, geeignete Schutzmaßnahmen sowie die Achtung ihrer Würde zu ermöglichen.“ Über 90 000 Christen halten sich nach wie vor im kurdischen Teil des Irak auf, wohin sie vor dem IS geflohen waren. Durch die Wiederaufbaumaßnahmen ist es gelungen, mittlerweile über 14 000 Christen in ihre Ursprungsregion zurückzubringen.

Diese jungen Christen halten als Zeichen des Neuanfangs einen Olivenbaum in ihren Händen. Sie sind mit ihren Familien von Erbil nach Karakosch, 32 Kilometer südöstlich von Mossul, zurückgekehrt.

Diese jungen Christen halten als Zeichen des Neuanfangs einen Olivenbaum in ihren Händen. Sie sind mit ihren Familien nach Karakosch, 32 Kilometer südöstlich von Mossul, zurückgekehrt.

Trotz aller Aufbruchstimmung blute das Christentum im Irak und im gesamten Nahen Osten immer weiter aus. Darauf wies das Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, Patriarch Louis Raphael Sako aus Bagdad hin. So sei die Zahl der Christen im Irak innerhalb weniger Jahre von eineinhalb Millionen auf heute weniger als 500 000 zurückgegangen. Christen seien starken Diskriminierungen ausgesetzt: „Der Grund ist der Hass der radikalen Muslime, die die Christen verfolgen. Sie haben sie vertrieben, um unser christliches Erbe auszulöschen und uns sogar aus der irakischen Geschichte auszulöschen. Das ist ohne Zweifel Völkermord.“

Diese Tragödie könne nur verhindert werden, wenn die internationale Gemeinschaft sich dieser Wirklichkeit stellten und Partei ergriffen für die christliche Minderheit. Das Ausland könne sich seiner Verantwortung nicht entziehen. „Wir beten dafür, dass diejenigen, die die Fäden in der Hand halten, ihren Verstand erweitern.“ Insbesondere in fünf Bereichen sei der Irak auf Hilfe angewiesen: Beim Wiederaufbau des Bildungssystems, der Sicherung der befreiten Gegenden vor erneuten islamistischen Angriffen, dem Kampf gegen den Terrorismus und der Stabilisierung der politischen Einheit im Irak.

Problem an der Wurzel packen

Diese sei durch das durchgeführte Referendum über die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan weiter gefährdet, wie auch der Apostolische Nuntius in Jordanien und im Irak, Erzbischof Alberto Ortega Martin, betonte. Leidtragende dieser politischen Konflikte seien die ethnischen und religiösen Minderheiten, besonders die Christen. Die Folge sei die weitere Abwanderung der Christen ins Ausland. „Es gilt, das Problem an der Wurzel zu packen. Es muss alles irgend Mögliche getan werden, um sie zu schützen, die Entwicklungshilfe zu fördern und den Frieden voranzubringen.“

Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako bei der Pressekonferenz in Rom.

Der chaldäisch-katholische Patriarch Louis Raphael Sako bei der Pressekonferenz in Rom.

Dem wisse sich „Kirche in Not“ verpflichtet, erklärte Philipp Ozores, der Generalsekretär des Hilfswerks. „Wenn wir den Christen heute nicht helfen, brauchen wir morgen nicht mehr darüber zu sprechen.“ Die Lage im Irak sei weiterhin schwierig. „Deshalb ist neben der Hilfe unserer Wohltäter auch die politische und finanzielle Unterstützung der Regierungen notwendig, um die Rechte der Christen abzusichern. Wir müssen die Hoffnung unter den Christen im Irak lebendig halten.“

So können Sie helfen

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak und damit das Überleben des Christentums in einer seiner Ursprungsregionen zu unterstützen, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online oder an:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Irak

Weitere Informationen zum Wiederaufbauprogramm der christlichen Kirchen im Irak unter dem Vorsitz von KIRCHE IN NOT finden sich auf der englischsprachigen Website: www.nrciraq.org

Spenden per PayPal:


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6.Okt 2017 14:11 · aktualisiert: 6.Okt 2017 14:13
KIN / A. Blumberg