„Christenverfolgung in Samthandschuhen”

Der Präsident von KIRCHE IN NOT über die Aktion „Red Wednesday“

Mauro Kardinal Piacenza, Stiftungspräsident von KIRCHE IN NOT.

Mauro Kardinal Piacenza, Stiftungspräsident von KIRCHE IN NOT.

30 öffentliche Gebäude im Vereinigten Königreich wurden am 22. November rot beleuchtet – darunter Westminster Palace, das britische Parlamentsgebäude, Westminster Abbey, die Krönungskirche der englischen und britischen Monarchen, sowie die katholische Westminster-Kathedrale.

Anlass war der „Red Wednesday“ („roter Mittwoch“), initiiert vom KIRCHE-IN-NOT-Büro für das Vereinigte Königreich.

Ziel der Aktion war es, auf die Situation verfolgter Christen weltweit aufmerksam zu machen. Unterstützer der Inittiative trugen rote Kleidung. Ein Linienbus mit dem Slogan „Steh auf für Glauben und Freiheit“ tourte durch London. Zusätzlich fanden ökumenische Gebete und Informationsveranstaltungen statt.

Das Büro von KIRCHE IN NOT für das Vereinigte Königreich hatte den „Red Wednesday“ zum zweiten Mal organisiert und dabei mit der Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity International“ zusammengearbeitet. Auch christliche Gemeinden in Irland und auf den Philippinen schlossen sich der Aktion an.

Die katholische Westminster-Kathedrale wurde anlässlich des „Red Wednesday“ rot angestrahlt (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Die katholische Westminster-Kathedrale wurde anlässlich des „Red Wednesday“ rot angestrahlt (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

In Frankreich und Italien hatten in der Vergangenheit ähnliche Solidaritätskundgebungen stattgefunden. Über die Aktion sprach Marta Petrosillo mit dem Präsidenten von KIRCHE IN NOT International, Mauro Kardinal Piacenza.

MARTA PETROSILLO: Eminenz, der „Red Wednesday“ im Vereinigten Königreich hat ein breites Echo gefunden. Glauben Sie, dass es durch solche Aktionen gelingen kann, die Öffentlichkeit für das Thema Religionsfreiheit zu sensibilisieren?
MAURO KARDINAL PIACENZA: Ich unterstütze die Initiative mit Enthusiasmus, sie ist wirklich lobenswert! Aber es ist wichtig, auch die Werte zu betonen, die ihr zugrunde liegen. Sonst liefe die Aktion Gefahr, als eine Art „vorweihnachtliche Festbeleuchtung“ verweltlicht zu werden.

„Lobenswerte Initiative”

Der „Red Wednesday“ fand an Orten statt, die in engem Zusammenhang mit dem Martyrium der britischen Heiligen Thomas Becket, Thomas Morus und John Fisher stehen.

Neville Kyrke-Smith, Direktor des Büros von KIRCHE IN NOT für das Vereinigte Königreich (Mitte), mit einem Vertreter der Organisation „Christian Solidarity International“, und einem orthodoxen Geistlichen vor einem alten Londoner Linienbus. (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Neville Kyrke-Smith, Direktor des Büros von KIRCHE IN NOT für das Vereinigte Königreich (Mitte), mit einem Vertreter der Organisation „Christian Solidarity International“, und einem orthodoxen Geistlichen vor einem alten Londoner Linienbus (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Wenn wir uns ihr Beispiel vor Augen führen, können wir den Wert des christlichen Martyriums besser verstehen, nämlich als eine Demonstration der Würde, der Religionsfreiheit und eines standhaften, wahrhaft edlen Gewissens. Das „Martyrologium“, das kirchliche Verzeichnis der Märtyrer, sollte ein wichtiges Buch in einer sich erneuernden Kirche werden.

„Christentum ist geprägt vom Martyrium”

Sie haben eine Veranstaltung geleitet, bei der im April 2016 der römische Trevi-Brunnen als Erinnerung an das Blut der Märtyrer rot angestrahlt wurde. Wie wichtig ist es, die Aufmerksamkeit des Westens wachzuhalten gegenüber Verfolgung, unter der Millionen Christen weltweit leiden?
Die Aufmerksamkeit auf die Verfolgten zu lenken, ist eine Pflicht des Gewissens. Die blutrote Farbe, in der die öffentlichen Gebäude beleuchtet werden, soll uns vor allem an eines erinnern: Die christlichen Märtyrer leisten mit Christus stellvertretend Sühne für alle Menschen, auch für unsere Gleichgültigkeit und sogar für ihre Verfolger und Mörder.

Das ist der große Unterschied! Das Christentum ist geprägt vom Martyrium. Es schmälert oder verringert nicht die Kraft des Glaubens. Im Gegenteil: Das Martyrium macht das Christentum noch fruchtbarer im Glauben, in der Liebe und in seinem Fortbestehen.

Der Palazzo Poli und der davorstehende Trevi-Brunnen in Rom wurden 2016 bei einer ähnlichen Aktion angestrahlt.

Der Palazzo Poli und der davorstehende Trevi-Brunnen in Rom wurden 2016 bei einer ähnlichen Aktion angestrahlt.

Papst Franziskus hat wiederholt dazu aufgefordert, angesichts der Christenverfolgung nicht zu schweigen. Was ist aus Ihrer Sicht dazu notwendig?
Der Heilige Vater hat eindrücklich daran erinnert, dass auch das Stillschweigen Sünde ist. In Einklang mit dem Papst verurteilt KIRCHE IN NOT die Gewalt an Christen und versucht, das Leid der Verfolgten zu lindern.

„In den notleidenden Christen Christus sehen”

Unser Werk hat die Stimme eines Propheten, der anstachelt und provoziert, das einzig Nötige zu tun: den leiblichen und geistlichen Hunger der Notleidenden zu stillen und in ihnen Christus zu sehen.

Junge Erwachsene am Red Wednesday (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Junge Erwachsene am Red Wednesday (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Es geht darum, die Herzen der Menschen zu öffnen, damit sie die „Tränen Gottes“ trocknen, wo immer er weint. Dafür beten und handeln wir.

Wichtig ist auch, sie selbst anzuleiten, auch die Verfolger lieben zu können und die Kirche immer mehr als einen Leib zu verstehen, in dem jedes Glied mit dem anderen verbunden ist.

Die Familien, Pfarreien, die kirchlichen Gruppen und Bildungseinrichtungen sollten dabei helfen, die Themen Verfolgung, Martyrium und Solidarität in ihrer ganzen Bedeutung zu begreifen.

Wie kann das gelingen?
Wir brauchen einen umfassenden kulturellen Diskurs, auch was das Thema Diskriminierung betrifft. Denn in vielen Ländern findet eine „Christenverfolgung in Samthandschuhen“ statt: eine nahezu systematische Säuberung von all jenem, was christlich ist oder was den Anschein hat, christlich zu sein.

Es wird versucht, allem die Legitimation abzusprechen, was auf geschichtlicher, sozialer oder kultureller Ebene vom Christentum geprägt ist. Auch wenn diese Verfolgung noch nicht zur physischen Gewalt geworden ist, wirkt sie vernichtend.

Ein Gebet für leidende Christen

Die Westminster Abbey, Krönungskirche der englischen und britischen Monarchen, wurde rot angestrahlt (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Westminster Abbey wurde rot angestrahlt (Foto: Weenson Oo/picture-u.net).

Vater unser im Himmel, wir beten, dass dein Licht in die dunklen Orte der Verzweiflung scheine.

Jesus Christus, Licht der Welt, stärke alle leidenden Christen, die auf dich vertrauen.

An jedem Morgen sehen wir deine Güte und deine Gnaden, die niemals enden.

Jesus Christus, du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Gib all jenen Hoffnung, die auf dich vertrauen.

(Dieses Gebet wurde am Red Wednesday auf einer Großleinwand gezeigt.)

Helfen Sie verfolgten Christen

Um weiter helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Verfolgte Christen

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KIN / S. Stein