„Neues Bethlehem” für irakische Christen

Die Menschen in der Ninive-Ebene brauchen unsere Solidarität und Hilfe

Krippe in einem Flüchtlingszelt.

Krippe in einem Flüchtlingszelt.

Der Advent ist die Zeit der Erwartung. Über 90 000 Christen im Irak leben seit über drei Jahren im „ständigen Advent“: Sie erwarten die Rückkehr in ihre Heimatorte in der Ninive-Ebene, aus denen sie 2014 vor den Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ flüchten mussten.

Doch das jahrtausendealte Siedlungsgebiet der Christen gleicht einer Trümmerwüste. KIRCHE IN NOT leitet den Wiederaufbau und bringt christliche Vertriebene wieder in ihre Heimat zurück.

„Zurück zu den Wurzeln“ heißt die Aktion, mit der KIRCHE IN NOT zu Spenden für die christliche Minderheit im Irak aufruft. „Zurück zu den Wurzeln“ ist auch das Motto des Wiederaufbaukomitees, das KIRCHE IN NOT zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern im Irak ins Leben gerufen hat.

Gruppenbild der Unterzeichner (von links): Monsignore Timothy Mosa Alshamany,

Gründeten ein Komitee für den Wiederaufbau im Irak  (von links): Monsignore Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien und Abt des Klosters vom heiligen Matthäus; Yohanna Petros Mouche, syrisch-katholischer Erzbischof aus Mossul; Andrzej Halemba, Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Nicodemus Daoud Matti Sharaf, syrisch-orthodoxer Metropolit von Mossul, Kirkuk und Kurdistan; Mikha Pola Maqdassi, chaldäisch-katholischer Bischof aus Alkosch.

Derzeitiger Vorsitzender des Komitees ist Dr. Andrzej Halemba, Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT. Er sieht eine Parallele zur biblischen Geschichte: „Der überlieferte Geburtsort Jesu, Bethlehem, bedeutet übersetzt ,Haus des Brotes‛. Wir wollen den Christen im Irak ein neues Bethlehem ermöglichen, eine bleibende Heimat, die ihren leiblichen wie geistlichen Hunger stillt.“

„Den Christen im Irak eine bleibende Heimat schaffen”

Noch bleibt viel zu tun, um dieses „neue Bethlehem“ Wirklichkeit werden zu lassen. Das zeigt die Schadenserhebung, die Kirchenmitarbeiter und zahlreiche Freiwillige in neun christlichen Dörfern rund um Mossul durchgeführt haben.

Dort sind rund 13 000 Gebäude beschädigt, niedergebrannt, teilweise komplett zerstört – darunter Privathäuser ebenso wie Kindergärten, Schulen, medizinische Versorgungszentren und Kirchengebäude.

Gruppenbild vor der stark beschädigten St.-Georg-Kirche in Bartella.

Gruppenbild vor der stark beschädigten St.-Georg-Kirche in Bartella.

Die Eigeninitiative der Christen ist groß. Schon 2000 Euro reichen, um ein Haus wieder bewohnbar zu machen. Dennoch belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten für den Wiederaufbau auf über 250 Millionen US-Dollar.

KIRCHE IN NOT sucht deshalb das Projekt auf breite Schultern zu stellen – und hat dazu kürzlich Unterstützung erhalten vom „zweiten Mann im Vatikan“, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

„Marshall-Plan” für die Ninive-Ebene

„Ihr ‚Marshall-Plan’ für die Ninive-Ebene ist ein großes Zeichen Ihrer Sorge sowie Ihrer bemerkenswerten Leistungs- und Organisationsfähigkeit.“ Parolin rief Katholiken und Zivilgesellschaft zur breiten Unterstützung des Projekts „Zurück zu den Wurzeln“ auf.

„Gut 25 000 Christen können in diesem Jahr bereits Weihnachten in ihrer alten Heimat feiern“, erklärt Andrzej Halemba freudig. Ihre Zeit der Erwartung hat ein Ende gefunden.

Christliche Familie vor ihrem zerstörten Wohnhaus in Batnaya.

Christliche Familie vor ihrem zerstörten Wohnhaus in Batnaya.

Für gut 75 Prozent der vertriebenen Christen bleibt aber die Lage weiter angespannt. Sie sind nach wie vor rund um Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, untergebracht. KIRCHE IN NOT versorgt sie auch dort.

„Zuerst halfen wir mit Wohn-Containern, damit die Vertriebenen überhaupt ein Dach über dem Kopf haben; sie kampierten ja anfangs unter freiem Himmel“, erzählt der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Johannes Freiherr von Heereman.

Bau von Schulen, Verteilung von Lebensmitteln

Auch acht Containerschulen für christliche Flüchtlingskinder hat KIRCHE IN NOT gebaut. Heute leistet unser Hilfswerk unter anderem Beihilfen für kleine Wohnungen, in denen mehrere Flüchtlingsfamilien untergebracht sind.

Irakischer Junge mit einem Lebensmittelpaket von KIRCHE IN NOT.

Irakischer Junge mit einem Lebensmittelpaket von KIRCHE IN NOT.

Die Lebensmittelspenden gehen weiter, und das Hilfswerk unterstützt die Klinik „Sankt Josef“ in Erbil, in dem tausende Flüchtlinge kostenlos versorgt werden.

Eine im März 2017 durchgeführte Umfrage unter den Binnenflüchtlingen in Erbil ergab, dass rund 41 Prozent in ihre Dörfer zurückkehren wollen und weitere 46 Prozent eine Rückkehr in Erwägung ziehen.

Die Stimmung ist hoffnungsvoll, hat aber durch die Auseinandersetzungen zwischen der Zentralregierung und den Kurden nach dem Unabhängigkeitsreferendum einen Dämpfer bekommen. „Die Christen sitzen zwischen den Stühlen“, erklärten Bischöfe aus der Region. Mittlerweile aber hat sich die Lage wieder beruhigt.

„Wir dürfen die christliche Minderheit nicht alleinlassen“, erklärt Heereman. Gerade jetzt sei es wichtig, den Christen das Signal zu geben, dass sie im Irak eine Zukunft haben, „sonst brauchen wir in ein paar Jahren nicht mehr von Christen im Irak zu sprechen.“

Die Geburtsgrotte in Bethlehem.

Die Geburtsgrotte in Bethlehem.

Der „ständige Advent“ für die Christen im Irak geht weiter. Besonders hart ist das für die Kleinen. Sie kennen oft nichts Anderes als Flucht und Vertreibung.

Um ihnen eine kleine Freude zu bereiten, werden in diesem Jahr 15 000 Kinder ein Paket mit warmen Mänteln, Süßigkeiten und Spielsachen erhalten. Ordensschwestern und freiwillige Helfer arbeiten seit Wochen daran. Damit das „neue Bethlehem“ wächst – im Großen wie im Kleinen.

Unterstützen Sie den Wiederaufbau im Irak

Um den Wiederaufbau der Ninive-Ebene weiter vorantreiben zu können, bittet KIRCHE IN NOT besonders in der Adventszeit um Spenden  – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Irak

Weitere Informationen und aktuelle Meldungen zum Wiederaufbauprogramm finden Sie hier.

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28.Nov 2017 09:24 · aktualisiert: 28.Nov 2017 10:37
KIN / S. Stein