„Kein ernsthafter Versöhnungsprozess”

Bischof aus Sri Lanka beklagt anhaltende Spaltung der Gesellschaft

Christian Noel Emmanuel, Bischof von Trincomalee/Sri Lanka.

Christian Noel Emmanuel, Bischof von Trincomalee/Sri Lanka.

Auch acht Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs gibt es keinen ernsthaften Versöhnungsprozess zwischen den beiden Volksgruppen der Singhalesen und Tamilen.“

Dies beklagte Bischof Christian Noel Emmanuel gegenüber KIRCHE IN NOT. Er leitet das Bistum Trincomalee im Osten Sri Lankas.

Die Regierung betrachte den Inselstaat als buddhistische singhalesische Nation. Dabei sind der Norden und Osten des Landes mehrheitlich von Tamilen besiedelt; die meisten von ihnen sind Hindus oder Muslime.

Ihr Einsatz für eine größere politische Autonomie führte zu einem Bürgerkrieg, der 25 Jahre andauerte. Er fand erst 2009 nach einer Großoffensive der Armee ein Ende, bei der UN-Angaben zufolge auch bis zu 40 000 Zivilisten getötet wurden.

Gläubige in Sri Lanka beim Gebet.

Gläubige in Sri Lanka beim Gebet.

Eine immer wieder geforderte UN-Untersuchungskommission zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen scheiterte letztlich an unterschiedlichen Auffassungen, wie mit den Verantwortlichen umzugehen sei.

„Das Militär hat zu große Macht”

Viele Bürger hätten ihre Hoffnungen auf den 2015 gewählten Präsidenten Maithripala Sirisena gesetzt, so Emmanuel. „Aber aufgrund des korrupten Systems konnte er keine Veränderungen bringen.“

Vor allem das Militär blockiere nach wie vor wichtige Schaltstellen und habe zu viel Macht. „Eine gesellschaftliche Weiterentwicklung wird nicht möglich sein, so lange Sri Lanka bei dieser Haltung bleibt.“

Gottesdienst in Sri Lanka.

Gottesdienst in Sri Lanka.

Die Spaltung der Gesellschaft sei auch unter den Christen zu spüren, die sich sowohl aus Tamilen und Singhalesen zusammensetzen und rund sieben Prozent der Bevölkerung ausmachen. Obwohl sich die Kirche für Versöhnung einsetze, sei das Zusammenleben in den Gemeinden nicht immer spannungsfrei, so der Bischof.

Gottesdienste auf Tamilisch und Singhalesisch

Eine Hürde bildeten auch die unterschiedlichen Sprachen: „Wir feiern die heilige Messe auf tamilisch oder singhalesisch – je nachdem, welcher Volksgruppe die meisten Gottesdienstbesucher angehören.

Kind aus Sri Lanka.

Kind aus Sri Lanka.

Bei der Auswahl der Pfarrer aus den verschiedenen Volksgruppen müssen wir berücksichtigen, in welcher Gemeinde sie eingesetzt werden“, sagte der Bischof.

Die Risse seien tief – teilweise auch in den Familien, zum Beispiel wenn ein Teil katholisch, der andere buddhistisch ist. „Die buddhistischen Fundamentalisten haben immer mehr Zulauf“, so der Bischof.

„Sie betreiben eine gezielte Kolonialisierung, um sicherzustellen, dass es auch in den tamilischen Regionen immer mehr Buddhisten gibt.“

Diese Siedlungspolitik würde sogar staatlich gefördert. Die tamilische Kultur würde so zerstört, ihr strenges Wertegerüst ins Wanken gebracht. Neben diesem politisch motivierten Extremismus sei aber auch eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Christen zu beobachten, die auf Einheit und Aussöhnung setzen.

Im Januar 2015 hatte Papst Franziskus Sri Lanka besucht (Foto: UCAN).

Im Januar 2015 hatte Papst Franziskus Sri Lanka besucht (Foto: UCAN).

Was die Probleme Sri Lankas angeht, seien die Volksgruppen ohnehin geeint: „Die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch – besonders unter den Jugendlichen. Außerdem ist die Frage der Heimatvertriebenen nicht gelöst“, sagte Emmanuel.

Hohe Arbeitslosigkeit besonders unter Jugendlichen

Nach dem Ende des Bürgerkriegs hätten viele von ihnen ihr Land nicht mehr zurückbekommen. Die Regierung errichtete darauf Hotels und Restaurants, um den Tourismus anzukurbeln.

Mittlerweile finde hier jedoch ein zaghaftes Umdenken statt, ebenso in der staatlichen Religionspolitik. Es gebe sogar einen Minister für christliche Angelegenheiten. Dieser sei Katholik, es bestehe ein gutes Einvernehmen.

Kinder an einer katholischen Kirche in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka.

Kinder an einer katholischen Kirche in Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka.

Die Kirche sieht der Bischof besonders gefordert im Bildungsbereich, „unserer größten Herausforderung“. In seinem Bistum seien die Schulen mehrheitlich in der Hand tamilischer Hindus; Christen würden beim Zugang zum Schulsystem oder der Versorgung mit guten Lehrern benachteiligt.

Es seien deshalb Schulen errichtet worden, die zwar in staatlicher Hand, aber von Katholiken geleitet seien. Die Qualität der Ausbildung würde mittlerweile auch von Andersgläubigen geschätzt, erklärte Emmanuel. Trotz aller Probleme sei Sri Lanka auch ein „Land guter Ansätze“.

So können Sie den Christen in Sri Lanka helfen

Kinder aus Sri Lanka.

Kinder aus Sri Lanka.

KIRCHE IN NOT hat während des Bürgerkriegs Nothilfe für die katholische Minderheit Sri Lankas geleistet, die von jeder staatlichen Hilfe ausgeschlossen war.

Heute unterstützt unser Hilfswerk unter anderem die Ausbildung von Priestern und Katecheten, die Arbeit kirchlicher Pflegeeinrichtungen, den Bau und die Renovierung von Kirchen und die katholische Bildungsarbeit.

Um weiter den Menschen vor Ort helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Sri Lanka

Spenden per PayPal:




Spenden per Sofortüberweisung:

1.Dez 2017 09:37 · aktualisiert: 1.Dez 2017 09:38
KIN / S. Stein