„Die Kinder erzählen von Gott”

KIRCHE IN NOT unterstützt ein Kinderhospiz in Sankt Petersburg

Aleksandr Tkatschenko (rechts) leitet das Kinderhospiz.

Aleksandr Tkatschenko (rechts) leitet das Kinderhospiz.

Innerhalb der letzten zehn Jahre sind in Russland sieben Millionen Kinder an vielen unterschiedlichen Krankheiten gestorben – eine unvorstellbar große Zahl von Einzelschicksalen. Die Krankenhäuser sind jedoch noch nicht darauf vorbereitet, todkranke Kinder und ihre Familien zu betreuen.

Gilt ein Kind als unheilbar erkrankt, wird es nach Hause entlassen. Die Eltern stehen nicht nur allein mit ihrem Schmerz und ihrer Angst da, sondern sie werden auch mit unzähligen praktischen und organisatorischen Problemen konfrontiert.

Viele wohnen in sogenannten Kommunalwohnungen, die sich mehrere Familien teilen. Dort Tag und Nacht ein Kind zu pflegen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit; oft zerbrechen Familien an den Belastungen. Dazu kommt, dass sich Verwandte und Bekannte aus Angst vor einer Ansteckung, aber auch aus Hilflosigkeit und Unsicherheit zurückziehen.

Vor zehn Jahren hatte ein orthodoxer Priester in Sankt Petersburg, Vater Aleksandr Tkatschenko, eine Idee: Er hatte in den USA eine Spezialausbildung zum Krankenhausseelsorger absolviert und erkannte, dass auch in Russland so schnell wie möglich etwas in diesem Bereich getan werden musste. Der junge, tatkräftige Priester beschloss, gemeinsam mit Fachärzten und Psychologen das erste Kinderhospiz zu gründen.

Aleksandr Tkatschenko betet mit einer Mutter und ihrem Kind.

Aleksandr Tkatschenko betet mit einer Mutter und ihrem Kind.

Das Hospiz betreut mehr als 300 todkranke Kinder nicht nur medizinisch, sondern sie und ihre Familien werden in liebevoller Weise rundum unterstützt. Das Angebot reicht von verschiedenen Therapieformen, die die Lebensqualität der zumeist krebskranken Kinder erhöhen, bis hin zu der hingebungsvollen Bemühung, den Kindern jede nur erdenkliche Freude zu bereiten und ihnen ein möglichst normales, kindgerechtes Leben zu ermöglichen.

Manche Kinder sind zu dem Zeitpunkt, wenn sie in das Hospiz kommen, schon so an ihre Einsamkeit, ihren Schmerz und ihre Isolation gewöhnt, dass es schwer ist, sie dazu zu motivieren, sich fröhlichen Aktivitäten zu öffnen. Liebevolle Sozialpädagoginnen betreuen diese Kinder besonders feinfühlig. Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Priester, freiwillige Helfer – sie alle arbeiten Hand in Hand, um den Kindern und ihren Familien das schwere Los zu erleichtern.

Das Hospiz hat Pferde und andere Tiere. Immer wieder wird mit der Phantasie der Liebe versucht, die Kinder zu überraschen, so in diesem Jahr beispielsweise mit dem Einblick in die Produktion eines Zeichentrickfilms. Es werden verschiedene Ausflüge angeboten, zu denen auch die Geschwister und Eltern der kranken Kinder mitgenommen werden, die auf diese Weise ebenfalls die Möglichkeit haben, inmitten von Schmerz und Anspannung etwas Schönes zu erleben.

Auch Patriarch Kirill von Moskau hat das Kinderhospiz schon besucht.

Auch Patriarch Kirill von Moskau hat das Kinderhospiz schon besucht.

Priester Aleksandr Tkatschenko: „Die Betreuung ihrer schwerkranken Kinder bringt die Eltern oft an den Rand der Erschöpfung. Sie brauchen auch mal eine Atempause, um nicht zusammenzubrechen.“ Angestellte und freiwillige Helfer sind rund um die Uhr bemüht, den kleinen Patienten und ihren Eltern zu helfen. Sie betreuen aber nicht nur Kinder, die im Hospiz wohnen, sondern sie unterstützen auch Familien, die ihre Kinder daheim pflegen, und bieten medizinische, materielle, seelsorgliche und psychosoziale Hilfe an.

Dieses Auto haben Wohltäter von KIRCHE IN NOT dem Hospiz ermöglicht.

Dieses Auto haben Wohltäter von KIRCHE IN NOT dem Hospiz ermöglicht.

Aleksandr Tkatschenko sagt uns: „Viele Kinder sind sehr lange krank, manche liegen zuletzt im Koma. Uns bleibt dann nichts anderes mehr, als an ihrem Sterbebett mit den Eltern zusammen zu beten. Für die Eltern ist es ein großer Trost, wenn wir ihnen sagen, dass ihre Kinder nun Engel im Himmel sind und für sie beten.“

Aus seiner Erfahrung weiß er, dass todkranke Kinder oft innerlich sehr reif und erwachsen sind: „Nicht ich spreche zu ihnen, sondern sie erzählen mir von ihrer Erfahrung mit Gott!“, berichtet der Priester. „Und vor allem bitten sie mich immer wieder darum, ihre Eltern zu trösten – sie denken mehr an ihre Lieben als an sich selbst.“

KIRCHE IN NOT hat die Arbeit des Kinderhospizes von Anfang an unterstützt, zuletzt mit 25.000 Euro für ein Fahrzeug, das dringend benötigt wurde für die enorme Hilfe, die in einem Umkreis von 50 Kilometern Familien bei der häuslichen Pflege geleistet wird, für die Freude, die den kleinen Patienten mit Ausflügen bereitet wird, und auch für die notwendigen Fahrten zu Ärzten, Physiotherapeuten und Psychologen. Priester Aleksandr dankt im Namen der kranken Kinder und ihrer Familien allen Wohltätern von Herzen.

2.Apr 2013 10:48 · aktualisiert: 2.Apr 2013 19:53
KIN / S. Stein