Ein Boot für die Seelsorge

Manche Gemeinden in Brasilien sind nicht auf dem Landweg erreichbar

Viele Orte in Brasilien erreicht man am besten mit dem Boot.

Viele Orte in Brasilien erreicht man am besten per Boot.

Die Menschen in der Diözese Corumbá freuen sich, dass KIRCHE IN NOT der katholischen Kirche ein neues Boot geschenkt hat, mit dem die Priester die Dörfer an den Ufern der Flüsse erreichen können.

Der Bischof von Corumbá, Dom Segismundo Martinez Alvarez, hatte uns dringend um Hilfe gebeten, denn das alte Boot war schon 15 Jahre alt und versagte seinen Dienst. Sein Hilferuf stieß nicht auf taube Ohren: Mit 6.670 Euro konnten wir dank unserer Wohltäter helfen.

Endlich können die Priester und die Laienmissionare die Gläubigen häufiger besuchen. Denn viele der Dörfer, die am Ufer des Rio Paraguay und seinen vielen Nebenflüssen liegen, sind nur per Boot erreichbar. Die ganze Pantanal-Region ist ein riesiges unwegsames Feuchtgebiet. Die Menschen sind von der Zivilisation abgeschnitten und werden von sozialen Programmen und dem Gesundheitssystem nicht erreicht.

Die Kinder können – wenn überhaupt – nur bis zur vierten Klasse zur Schule gehen. Danach müssen sie entweder ihre Schulausbildung in der Stadt fortsetzen oder sie brechen die Schule ab. Die einzige berufliche Aussicht besteht dann in der Arbeit auf einer der großen Farmen. Leider wird vielfach bereits der Urwald gerodet, weil von Großgrundbesitzern im großen Stil Soja und Zuckerrohr angebaut wird.

Das neue Boot, das durch Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglicht wurde.

Das neue Boot, das durch Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglicht wurde.

Die katholische Kirche hilft den Menschen, wo sie kann. Die Diözese Corumbá, die flächenmäßig ungefähr so groß wie Bayern ist, hat zwar nur fünf Priester und sechs Pfarreien für mehr als 90 000 Gläubige, sie baut die Seelsorge und die Hilfe für die Menschen jedoch immer weiter aus. Allerdings sind die meisten Ortschaften am Fluss Paraguay und seinen Nebenflüssen so schwer zu erreichen, dass nur selten ein Priester dorthin gelangt. Es wäre schon viel gewonnen, wenn jede Ortschaft einmal im Jahr von einem Priester besucht werden könnte.

Davon können die Gläubigen jedoch zurzeit nur träumen. Aber auch Laien helfen den Priestern in der Seelsorge, der Katechese und bei den sozialen Programmen für Menschen, die sonst keine Hilfe erfahren. Die Kirche bietet Unterricht an für Menschen, die nicht lesen und schreiben können, und leistet Hilfe bei der Beschaffung der grundlegenden Dokumente wie Geburtsurkunden und Personalausweisen. Denn wer keine Papiere vorweisen kann, der existiert vor dem Staat nicht und hat auch keine Rechte.

Viel wird auch auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge geleistet. Vorbeugung ist ein wichtiges Thema, damit die Menschen – vor allem die Kinder – erst gar nicht krank werden. Aber auch die Verwendung von Heilpflanzen aus den Sumpfgebieten spielt eine große Rolle, denn Medikamente sind größtenteils unerschwinglich.

Gottesdienst in einer Gemeinde im brasilianischen Urwald.

Gottesdienst in einer Gemeinde im brasilianischen Urwald.

Im Mittelpunkt stehen die Gläubigen. Es sollen möglichst viele Menschen möglichst oft die Gelegenheit haben, die Sakramente zu empfangen, die heilige Messe oder – wenn kein Priester sie besuchen kann – Wortgottesdienste zu feiern, mehr über den Glauben zu lernen, gemeinsam zu beten, sich auf die Taufe, die Erstkommunion, die Firmung oder die Eheschließung vorzubereiten. Protestantische Sekten sind bereits sehr aktiv, um Gläubige zu gewinnen.

Dennoch bewahren viele katholische Familien ihre katholischen Traditionen und ihren Glauben, aber es muss mehr getan werden, um den Glauben zu stärken und zu nähren. Das neue Boot transportiert Hoffnung. Der Bischof, Segismundo Martinez Alvarez, dankt allen Wohltätern von Herzen für ihre Großzügigkeit.

So können Sie den Christen in Brasilien helfen

25.Jul 2013 09:45 · aktualisiert: 29.Jul 2013 09:58
KIN / S. Stein