BOSNIEN-HERZEGOWINA

Wiederaufbau eines Pfarrhauses in Nova Topola

Gottesdienst vor der Ruine des Pfarrhauses in Nova Topola.

Gottesdienst vor der Ruine des Pfarrhauses in Nova Topola.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens herrschte zwischen 1992 und 1995 in Bosnien-Herzegowina ein verlustreicher Krieg: fast eine Viertelmillion Menschen verloren ihr Leben, zwei Millionen Menschen wurden infolge der Umverteilung der Republik vertrieben.

Darunter waren auch zahlreiche Priester und Ordensleute. Manche wurden entführt und schwer gefoltert, überlebten aber, andere wurden getötet. Einige sind spurlos verschweunden.

Dies war auch das Schicksal des Pfarrers von Nova Topola, Ratko Grgic. Am 16. Juni 1992 wurde er von Soldaten verhaftet und verschleppt. Danach hat man nie wieder von ihm gehört. Die Gläubigen seiner Pfarrei konnten ihn nicht einmal auf einem Friedhof bestatten, denn sein Leichnam wurde nie gefunden.

Auch sein Pfarrhaus blieb nicht verschont. Erst 1991 war es komplett renoviert worden. Ein Jahr später wurde es niedergebrannt – damit teilte es das Schicksal zahlloser Kirchen, Klöster und Pfarrhäuser in Bosnien und Herzegowina.

Das Land ist ein “Altersheim” geworden

Heute wollen die katholischen Gläubigen in Nova Topola das Pfarrhaus wieder aufbauen, damit trotz all der leidvollen Erlebnisse die Gemeinde aufleben kann. Eine lebendige Pfarrei ist auch für die Menschen wichtig, die während des Krieges ins Ausland geflohen sind und eine Rückkehr überlegen. Wenn sie das Gefühl haben, es gebe in ihrer Heimat eine Zukunft, wird ihnen die Entscheidung zur Rückkehr erleichtert. In Nova Topola besteht die Gemeinde aus 500 Gläubigen.

Bischof Franjo Komarica.

Franjo Komarica, Bischof von Banja Luka / Bosnien-Herzegowina.

Bischof Franjo Komarica von Banja Luka, in dessen Diözese Nova Topola liegt, fordert schon seit Jahren unermüdlich und mit lauter Stimme Hilfe und Unterstützung für kroatische Kriegsflüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Das Land sei ein Altersheim geworden, beklagt er.

Auch vierzehn Jahre nach dem Krieg sind erst wenige der katholischen Kroaten zurückgekehrt. Die meisten von ihnen, die damals in der Heimat geblieben sind, seien alt. Mittlerweile sind schon viele von ihnen gestorben, so dass es heute weniger Katholiken in Bosnien gibt als unmittelbar nach dem Ende des Krieges.

Immer wieder prangert der Bischof den fehlenden politischen Willen seitens der bosnischen Regierung und der Internationalen Gemeinschaft an, den zurückkehrenden Flüchtlingen zu helfen. Lediglich zwei Prozent der Gesamthilfe sei den katholischen Kroaten zugute gekommen.

“Die Flüchtlinge haben keine Häuser mehr, und wenn sie doch zurückkehren, müssen sie oft ohne Wasser und Strom leben. Sie finden keine Arbeit, und in der Gesellschaft wird ihnen oftmals deutlich gezeigt, dass sie unerwünscht sind”, berichtet der Bischof. Er hofft, dass die verantwortlichen Politiker ihre Versprechen einhalten werden, aber meistens könne man lange darauf warten.

Die Wunden des Krieges heilen

Die Kirche muss also selbst handeln, weil es sonst womöglich zu spät ist. Deshalb helfen wir der Kirche in Bosnien und Herzegowina dabei, die Wunden des Krieges zu heilen und wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu schauen. Eine lebendige Pfarrei kann Menschen, deren Vaterland in Trümmer gelegt worden ist, eine neue Heimat schenken.

Deshalb haben wir Pfarrer Anto Pelivan, dem Nachfolger des im Krieg verschollenen Pfarrers Ratko Grgic, 20.000 Euro versprochen, damit er bald als Hirt zu seiner Herde zurückkehren und inmitten seiner Gläubigen in Nova Topola wohnen kann.

Hier können Sie direkt online spenden.

Deutsche Spuren in Nova Topola

An die katholischen Bosniendeutschen erinnern heute noch Kirchen in ehemals deutschen Dörfern. In der Nähe von Banja Luka liegt Nova Topola, das einst Windthorst hieß, weil es von deutschen Katholiken begründet wurde, die im Kulturkampf nach Bosnien ausgewandert waren und neue Dörfer schufen.

Hier hatten Schwestern vom Kostbaren Blut aus der Erzdiözese Freiburg auf Bitten von Franz Pfanner Klöster gegründet und entstand eine Kroatische Provinz dieser Kongregation, als durch Eintritt zahlreicher kroatischer Mädchen nach dem Ersten Weltkrieg die Klöster in Bosnien ihren deutschen Charakter verloren.

Bischof Franjo Komarica von Banja Luka und Kardinal Vinko Puljic von Sarajewo kämpfen um den Erhalt dieser Kirchen.

17.Aug 2009 13:53 · aktualisiert: 8.Nov 2013 10:16
KIN / S. Stein