UKRAINE
Viele Menschen stellen sich vor, dass Bischöfe in Palästen oder zumindest in schönen, großen Häusern residieren. Bischof Marian Buczek wohnt jedoch unter Bedingungen, die in den meisten Ländern nicht einmal für eine Sozialwohnung akzeptabel wären.
Sein Zimmer, das sich in einer provisorischen Baracke befindet, ist neun Quadratmeter klein. Auch für sonstige Aktivitäten und Bedürfnisse der Diözese gibt es keine Räumlichkeiten.
Als im Jahr 1991 nach der politischen Wende in Osteuropa und nach der Unabhängigkeit der Ukraine die katholische Kirche in Kharkiv ihre Arbeit bei Null beginnen musste, kauften die Priester einige Container. Dort spielt sich seitdem das Leben der Katholischen Kirche ab.
Zumindest gibt es aber schon ein Gotteshaus. Denn in Charkiw, das im Osten der Ukraine nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt gelegen ist und rund zwei Millionen Einwohner hat, war bereits im 19. Jahrhundert die katholische Mariä-Himmelfahrts-Kirche errichtet worden. 1938 war das Gotteshaus jedoch von den Bolschewiken konfisziert und verwüstet worden. Erst 1992 wurde es der Katholischen Kirche zurückgegeben.
Die sowjetischen Atheisten hatten ganze Arbeit geleistet: die Heiligenbilder, liturgischen Gegenstände und Statuen waren alle zerstört worden. Nur eine einzige Statue war unversehrt geblieben: die der unbefleckt empfangenen Jungfrau Maria, die auf einem Sockel steht, der an eine Weltkugel erinnert.
Hierin sahen die Gläubigen nahezu ein Wunder. Sie, die Königin des Himmels, hatte den Kommunismus überdauert, ja, sie hatte ihn besiegt. Von nun an konnte hier, wo der Kampf gegen den Glauben jahrzehntelang in grausamster Weise gewütet hatte, Gott wieder frei gelobt und gepriesen werden.
Im Jahr 2002, als die Stadt Charkiw zum Bischofssitz der Diözese Charkiw-Saporischschja erhoben wurde, ernannte Papst Johannes Paul II. die Mariä-Himmelsfahrts-Kirche zur Kathedrale. Seit Mai 2009 ist der 56-jährige, in Polen geborene Marian Buczek der Bischof dieser Diözese, in der von zwanzig Millionen Menschen nur 50 000 Katholiken sind.
Die Gläubigen spiegeln die Vielfalt der Weltkirche wider: in der Kathedrale von Charkiw werden Heilige Messen in ukrainischer, polnischer, russischer, slowakischer und vietnamesischer Sprache gelesen.
In der St.-Vincent-von- Paul-Pfarrkirche werden außerdem auch Messen auf Englisch und Französisch gefeiert, denn hier gibt es viele Afrikaner. Afrikanische Ministranten assistieren dem Priester.
Charkiw ist eine Stadt mit vielen Studierenden, viele der Katholiken stammen aus anderen Erdteilen. Die Kirche ist lebendig und wächst, sie braucht aber mehr Lebensraum. Der dynamische Bischof krempelt die Ärmel hoch: Bald soll die Kirche in seiner Diözese die Möglichkeit haben, ihre Aktivitäten unter normalen Bedingungen stattfinden zu lassen.
Marian Buczek will keinen Palast für sich, sondern es sollen katechetische Räume, eine ökumenische Bibliothek, Räume, in denen Ordensschwestern sich um blinde und sehbehinderte Kinder kümmern können, eine medizinische Ambulanz für die Armen, eine Suppenküche für Obdachlose, Räume für seelsorgliche Treffen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, für Kirchenchöre und Gebetsgruppen entstehen.

In derartigen Bretterverschlägen mit Planen müssen die Katholiken in der Ukraine zum Teil Gottesdienst feiern.
Natürlich soll es in dem Gebäude auch Wohnräume für den Bischof und die Priester sowie Büroräume und Gästezimmer geben. Der Kampf mit den Behörden war lang und zäh, und als der Bischof die Baugenehmigung einholen wollte, wurde ihm gesagt: “Es soll hier kein zweiter Vatikan entstehen.”
Aber endlich hat die Stadt das Grundstück neben der Kathedrale an die Katholische Kirche zurückgegeben. Nun soll mit dem Bau begonnen werden, sobald der Winter vorbei ist und die Witterung es zulässt, da das Risiko besteht, dass die Stadtverwaltung der Kirche das Grundstück wieder wegnimmt. Es konnte sonst nämlich gesagt werden, dass das Grundstück nicht für den angegebenen Zweck verwendet wird, sondern leer steht.
Wir haben dem engagierten Bischof, der wenig für sich und alles für seine Gläubigen will, 300 000 Euro versprochen.
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