BOSNIEN-HERZEGOWINA

Bau einer Kapelle in der Stadt Tuzla

Die Baustelle der neuen Kirche in Tuzla.

Die Baustelle der neuen Kirche in Tuzla.

Nach dem Zerfall Jugoslawiens kam es in Bosnien und Herzegowina zwischen 1992 und 1995 zu einem Krieg. Die traurige Bilanz: fast eine viertel Millionen Tote, zwei Millionen Menschen wurden infolge der Umverteilung aus der Republik vertrieben, zahlreiche Kirchen, Klöster, Pfarrhäuser und andere kirchliche Gebäude wurden zerstört.

Die Wunden des Krieges sind noch immer im Land spürbar. Vor allem die Katholiken, die kroatischstämmig sind, fassen kaum wieder Fuß.

Viele junge Kroaten gehen ins Ausland, da die Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten im Land schlecht sind. Von den Familien, die während des Krieges geflohen sind, wollen viele nicht in die Heimat zurückkehren, weil sie für sich und ihre Kinder dort keine Zukunft sehen.

Die Infrastruktur wurde im Krieg zerstört. Im politischen und religiösen Bereich gibt es für Katholiken starke Einschränkungen, was besonders die Suche nach einem Arbeitsplatz erschwert. Oft werden Katholiken nicht eingestellt, wenn sie sich um eine Stelle bewerben.

Aber auch der Wiederaufbau des kirchlichen Lebens ist schwer. Der Bau von Kirchen und Pfarrzentren kostet nicht nur viel Geld, sondern oft wird er auch gezielt unterbunden, indem Baugenehmigungen von den Behörden verweigert werden.

Während in manchen Teilen des Landes mit Geldern aus Saudi-Arabien über zweihundert neue Moscheen entstanden sind, ist es den Katholiken oft nicht möglich, Gotteshäuser und Pfarrzentren zu bauen. Die Stimmung gegen Christen wird zudem durch islamische Fundamentalisten geschürt, was ein friedliches Miteinander erschwert, berichten uns immer wieder Priester aus Bosnien.

Traditionelle Andacht mit Segnung von Speisen.

Traditionelle Andacht mit Segnung von Speisen.

Aus Tuzla in Nordostbosnien hat sich Pfarrer Zdravko Andic an uns gewandt. Vor dem Krieg war die Stadt ein starkes Industriezentrum, heute sind viele Menschen arbeitslos. Die Pfarrei St. Peter und Paul, der 4900 Katholiken angehören, erstreckt sich über mehrere Stadtteile und hat sechs Filialgemeinden.

Im Stadtteil Solina leben achtzig katholische Familien. Die Gottesdienste werden dort in einem improvisierten Gebäude abgehalten, das während des Krieges mit Brettern ausgebaut wurde. Die Gläubigen haben also keinen würdigen Ort, um die Heilige Messe zu feiern.

Viele Gläubige wollen wegziehen

Der Pfarrer beklagt, dass Katholiken “spottbillig”, wie er uns schreibt, ihre Häuser und ihr Eigentum an Angehörige anderer Religionen und Volksgruppen verkaufen und wegziehen. Auf diese Weise werde die traditionelle Multikulturalität der Stadt, zu der auch die Katholiken gehören, immer mehr zerstört. Der Bau einer Kirche werde den Menschen ein stärkeres Gefühl der Sicherheit vermitteln, so dass sie eher bereit dazu sein werden, in der Stadt zu bleiben.

Wir haben Pfarrer Andic 12.000 Euro versprochen, damit die Gläubigen bald ein würdiges Gotteshaus haben. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Hier können Sie direkt online spenden.

5.Aug 2010 11:32 · aktualisiert: 28.Mai 2014 14:33
KIN / S. Stein