RUSSLAND

Unterstützung des orthodoxen Priesterseminars

Göttliche Liturgie im Priesterseminar.

Göttliche Liturgie im Priesterseminar in Smolensk.

Nach der Oktoberrevolution: Heilige Ikonen brennen, Kelche werden entweiht, Kreuze von den Kirchtürmen gerissen, Glocken zerschellen auf dem Boden. Der kommunistische Pöbel steht dabei, während entsetzte Gläubige auf dem Erdboden knien, sich bekreuzigen und Gott um Erbarmen anflehen. Unzählige Kirchen werden gesprengt oder in Kinos, Klubs oder Lagerräume umgewandelt.

Es blieb nicht bei der Zerstörung und Entweihung von Kirchen, sondern es brach eine blutige Christenverfolgung über das ehemals “Heilige Russland” herein. Der im Dezember 2008 verstorbene Patriarch Alexij II., der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor der schweren Aufgabe stand, die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder auferstehen zu lassen, schrieb noch kurz vor seinem Tod, die Zahl der Märtyrer sei nur mit der im alten Rom vergleichbar. Zigtausende Bischöfe, Priester, Mönche, Ordensschwestern und Laien zahlten ihre Treue zu Christus damals mit dem Leben.

Heute, mehr als neunzig Jahre nach der Oktoberrevolution, läuten in Russland wieder die Glocken, die Klöster füllen sich, die Gläubigen strömen in die neu eröffneten Kirchen. Heute bringen Priester wieder das Heilige Opfer Christi dar, Gläubige stehen stundenlang Schlange, um die Reliquien der Heiligen und die Ikonen zu verehren, die dem gläubigen russischen Volk seit Jahrhunderten Trost und Hilfe brachten.

In Russland steht die Kirche auch vor vielen gesellschaftlichen Herausforderungen. Besonders wichtig ist daher die Ausbildung der Priester, die darauf vorbereitet werden müssen, den Gläubigen das Evangelium zu verkünden. Außerdem gibt es viele Menschen, die zwar tief die Sehnsucht nach Gott spüren, die aber kaum etwas über den Glauben der Kirche wissen.

Patriarch Kirill liegt besonders die Jugend des Landes am Herzen. So sollen auch die Priester neue Wege gehen, um gerade die jungen Menschen, deren Eltern atheistisch aufgewachsen sind, zu erreichen. Die Priester sollen zwar fest im traditionellen Glauben der Kirche verwurzelt sein, aber sie müssen auch die Sprache, die Nöte, Fragen und die Interessen der Jugend kennen und verstehen.

Orthodoxe Seminaristen in einer Vorlesung.

Orthodoxe Seminaristen in einer Vorlesung.

Die Seminare sind voll. So ist es beispielsweise in Smolensk, wo 105 junge Seminaristen sich auf ihre Priesterweihe vorbereiten. Die Stadt liegt im Westen des Landes, unweit der Grenze zum heutigen Weißrussland.

KIRCHE IN NOT unterstützt das 1988 wiedereröffnete Seminar seit Beginn der 1990er-Jahre. Vor der Oktoberrevolution wurden dort bereits 200 Jahre lang orthodoxe Priester ausgebildet. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde der Kirche ein völlig marodes, zerstörtes Gebäude zurückerstattet. Der ehemalige Rektor, Erzpriester Viktor Savik, sagte uns, als er 2006 unsere Internationale Zentrale in Königstein im Taunus besuchte, das Seminar hätte ohne die Unterstützung durch die Wohltäter von KIRCHE IN NOT wieder schließen müssen.

Die Hilfe sei “in den schlimmsten Jahren eine wirkliche Rettungsaktion” gewesen. Der Nachfolger von Vater Savik, Erzpriester Georgij Urbanowitsch, steht jetzt vor der Herausforderung, dass die theologische Ausbildung in Russland standardisiert werden soll. Um die Ausbildung der Priester zu verbessern, muss ein Seminarist heute fünf Jahre lang an einem Seminar studieren, bevor er zur Priesterweihe zugelassen werden kann. 26 Lehrkräfte kümmern sich in Smolensk um die Ausbildung der jungen Männer.

Zusammenarbeit der katholischen und orthodoxen Kirche

In Smolensk besteht seit Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen der Orthodoxen und Katholischen Kirche. Es gibt gemeinsame Initiativen und Aktionen und gegenseitige Einladungen. Viele der ehemaligen Seminaristen, die heute schon als Priester tätig sind und deren Ausbildung Wohltäter von KIRCHE IN NOT unterstützt haben, empfinden es als selbstverständlich, mit den Katholiken zusammen zu arbeiten.

Junge, gut ausgebildete orthodoxe Priester, die Katholiken kennen und als Brüder und Schwestern erleben, helfen dabei, dass orthodoxe und katholische Christen einander immer näher kommen. In Russland, wo katholische Christen nur eine kleine Minderheit ausmachen, können orthodoxe Geistliche, denen wir geholfen haben, zudem wertvolle Helfer auch für die katholischen Gemeinden werden.

Wir haben 20.600 Euro zugesagt.

Hier können Sie direkt online spenden.

14.Feb 2011 17:49 · aktualisiert: 27.Mai 2011 15:06
KIN / S. Stein