KENIA

Einrichtung eines katholischen Radios

Kirchturm mit Antenne.

Kirchturm mit Antenne.

Im Nordwesten Kenias lebt der Volksstamm der Turkana. Ihm gehört eine knappe halbe Million Menschen an. Wie die bekannteren Massai, leben auch sie überwiegend von ihrem Vieh.

Früher waren es Rinderherden, die ihre Lebensgrundlage ausmachten. Heute züchten die Turkana neben Rindern auch Kamele, Ziegen und Schafe, aber noch immer bestimmt die Anzahl der Tiere den sozialen Status einer Familie. Rinder haben noch immer einen besonderen Stellenwert, die Menschen geben ihnen sogar Namen. In der Mythologie des Stammes nahmen die Rinder die Mittlerrolle zwischen den Ahnen und den Lebenden ein.

Heute jedoch sind viele Turkana Christen. Zwar kamen erst in den 1960er-Jahren Missionare in die Region, als eine große Hungersnot herrschte und die Regierung auf die Hilfe der Katholischen Kirche setzte. In diesen fünf Jahrzehnten wurde jedoch viel erreicht: 80 Prozent der Gesundheitsfürsorge liegen in den Händen der 1978 errichteten Diözese Lodwar, es gibt 24 Pfarreien und 51 Priester.

Auch Schulen wurden eingerichtet, allerdings besuchen bislang nur rund ein Drittel der Kinder die Grundschule. Besonders desolat ist die Bildungssituation der Mädchen: Sie werden zumeist gar nicht zur Schule geschickt oder von den Eltern noch vor dem Erreichen eines Abschlusses verheiratet.

Die Turkana sind traditionell Nomaden. Teilweise legen sie 40 Kilometer am Tag zurück. Manche sind zwar schon sesshaft geworden, aber noch immer zwingen der Wasser- und Weidemangel sie dazu, mit ihren Viehherden dorthin zu ziehen, wo die Tiere Futter und Wasser finden.

Dürre und Hunger prägen das Leben der Menschen. Manche versuchen, in Lodwar ein besseres Leben aufzubauen, aber in der wachsenden Stadt, in der sich auch Menschen aus anderen Landesteilen ansiedeln, nehmen damit zugleich die Probleme zu: AIDS, Alkoholismus, Prostitution.

Mitarbeiter des neuen katholischen Radios in Kenia.

Mitarbeiter des neuen katholischen Radios in Kenia.

Die Katholische Kirche möchte mehr für die Menschen tun, aber wie soll sie sie erreichen, wenn viele von ihnen durch abgelegene Gebiete ziehen? Lesen können 98 Prozent der Turkana nicht, Fernsehen und Internet stehen nur ganz wenigen Menschen in der Stadt zur Verfügung, außerdem sprechen die meisten Einwohner nur ihre Stammessprache und können weder Englisch noch Kisuaheli. Das heißt, dass die Sprachen, die in den meisten Medien in Kenia gesprochen werden, für sie Fremdsprachen sind.

Die Kirche hatte aber eine Idee: Sie möchte einen katholischen Radiosender in der Stammessprache einrichten. Traditionell waren es die älteren Frauen und Männer, die ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Werte durch Erzählungen, Lieder, Gedichte und Sprichwörter an die jüngere Generation weitergegeben haben. Heute kann ein Radiosender diese Rolle übernehmen und den Menschen auch noch zusätzliches Wissen vermitteln.

Pater Angel Valdivia López, der in der Diözese für die Kommunikationsmittel zuständig ist, schreibt uns: “Für viele der Hirtengemeinschaften ist das Radio das einzige Medium, mit dem sie ständig mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Es ist kein ungewöhnlicher Anblick, dass Nomaden sich dort, wo sie sich vorübergehend niedergelassen haben, abends rings um ein Radiogerät herum versammeln.”

Mitarbeiterin von Radio Akicha bei einem Interview.

Mitarbeiterin von Radio Akicha bei einem Interview.

Es gibt bereits einen Namen für den Sender: Radio Akicha. “Akicha” bedeutet Licht. Der Name ist Programm, denn die Sendungen sollen Licht in die abgelegensten Gebiete bringen. Gute Tipps für das Leben in den Familien, die Vermeidung von Krankheiten und der Schutz vor AIDS sollen genauso auf dem Programm stehen wie der christliche Glaube und die Weitergabe der traditionellen kulturellen Werte der Turkana.

Auch regionale und überregionale Nachrichten sollen gesendet werden. Manche Themen sollen in Hörspielen aufgearbeitet werden, um nicht nur zu informieren, sondern auch zu unterhalten. Daran sollen Theatergruppen aus Schulen teilnehmen. Quizsendungen und Poesiewettbewerbe sollen die Hörer dazu motivieren, selbst aktiv zu werden.

Der Sender muss technisch ausgestattet werden, aber es braucht auch ausgebildete Mitarbeiter. KIRCHE IN NOT hat 15.000 Euro versprochen, damit “Radio Akicha” Licht bringen kann.

Hier können Sie direkt online spenden.

Schlagworte:
AIDS · Evangelisierung · Kenia · Lodwar · Medienapostolat · Radio
13.Mai 2011 09:27 · aktualisiert: 18.Jul 2011 17:45
KIN / S. Stein