SÜDSUDAN

Ein Fahrzeug für Franziskanerinnen

Eine der Franziskanerinnen arbeitet an einem Computer.

Eine der Franziskanerinnen arbeitet an einem Computer.

Glocken läuteten, Trommeln dröhnten, Feuerwerke überzogen den Himmel mit bunten Sternen, Menschen jubelten. Am 9. Juli 2011 feierte der überwiegend christlich und animistisch geprägte Südsudan nach einer langen Geschichte der Unterdrückung und der blutigen Konflikte seine Unabhängigkeit. Die Menschen hoffen, dass nun eine neue Gesellschaft entstehen wird, in der Frieden herrscht.

Aber der erste Freudentaumel darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Südsudan ein extrem unterentwickeltes Land ist. Bereits vor der Kolonialzeit war der schwarzafrikanische Süden gegenüber dem arabisch dominierten Norden benachteiligt.

Als der Sudan 1956 unabhängig wurde, übergab die Kolonialregierung die politische Macht der arabischen Elite. Durch die Einführung der arabischen Sprache im ganzen Sudan, die Islamisierung und die politische und wirtschaftliche Marginalisierung des Südens setzte sie die präkoloniale Politik der Unterdrückung der Nicht-Araber fort.

Dies hatte zur Folge, dass sich in verschiedenen Regionen Rebellengruppen bildeten, die die Zentralregierung zu bekämpfen versuchten. 1972 wurde ein Friedensabkommen geschlossen, das dem Süden die Unabhängigkeit zuerkannte. Nachdem 1983 in den südlichen Provinzen Erdöl gefunden worden war, wurde sie jedoch wieder rückgängig gemacht. Landesweit wurde zudem die Scharia eingeführt.

Eine Schwester gibt einem Baby eine Spritze.

Eine Schwester gibt einem Baby eine Spritze.

Als Antwort darauf formierte sich die Rebellengruppe „Sudanese People’s Liberation Movement/Army“ (SPLM/A). Dies führte zu einem Bürgerkrieg, der fast 22 Jahre andauerte, mehr als zwei Millionen Menschenleben forderte und viele Millionen Menschen heimatlos machte.

Die Menschen im Südsudan leiden noch immer unter den Folgen. Zwar liegen 75 Prozent der Ölvorkommen des ehemaligen Sudans auf dem Gebiet des heutigen südsudanesischen Staates. Dennoch leben mehr als 90 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag. Es herrscht Hunger, viele Kinder sind unterernährt. Nur jeder dritte Einwohner hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Müttersterblichkeit ist die höchste in der Welt.

2011 sind zudem Hunderttausende von Flüchtlingen in den Südsudan zurückgekehrt. Dazu kommen mehr als 100 000 neue Binnenflüchtlinge, die vor Grenzkonflikten zwischen dem Nord- und dem Südsudan geflohen sind. Die Bildungssituation ist ebenso katastrophal: Es gibt viel zu wenige Schulen. Nur ein Viertel der Bevölkerung kann lesen und schreiben. Bei den Frauen sind es sogar nur 16 Prozent. Auf 117 Schüler kommt ein Lehrer. Vor allem Mädchen haben kaum die Chance, etwas zu lernen.

Franziskanerin im Gespräch mit einigen Frauen aus der Gemeinde.

Franziskanerin im Gespräch mit einigen Frauen aus der Gemeinde.

Um der Not leidenden Bevölkerung zu helfen, hat Bischof Rudolph Deng Majak Franziskanerinnen in seine Diözese Wau geholt. Zwei Schwestern arbeiten in einem Krankenhaus, in dem täglich 250 bis 300 Patienten behandelt werden. Die Menschen kommen von weither, um dort Hilfe zu finden. Eine weitere Schwester hilft in der Diözese, das Schulsystem wieder aufzubauen.

Damit die Schwestern zu den armen Menschen gelangen können und sie in ihren Dörfern besuchen können, brauchen sie ein Fahrzeug, das den katastrophalen Straßenverhältnissen gewachsen ist. Wir haben ihnen 25.000 Euro versprochen.

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KIN / S. Stein