BOSNIEN-HERZEGOWINA

Ausbildungshilfe für Seminaristen

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo.

Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajewo.

Von den 820 000 Katholiken, die vor dem Krieg zwischen 1992 und 1995 in Bosnien-Herzegowina lebten, sind nur 460 000 übrig geblieben. Die Auswanderungswelle hält weiterhin an. Denn für Katholiken wird die Lage in dem südosteuropäischen Land, das früher zu Jugoslawien gehörte, immer schwieriger.

Der Erzbischof von Sarajewo, Vinko Kardinal Puljic, berichtete unserem Hilfswerk vor kurzem, dass Katholiken systematisch auf dem Arbeitsmarkt, in Schulen und in anderen Sphären des gesellschaftlichen Lebens benachteiligt werden. Ziel sei es, sie dazu zu bewegen, das Land zu verlassen.

Kirchliche Grundstücke und Gebäude, die in der Zeit des Kommunismus konfisziert wurden, würden nicht zurückerstattet, Baugenehmigungen für Kirchen jahrelang hinausgezögert. Die Regierung habe „kein Interesse daran, der katholischen Kirche ihr Eigentum zurückzugeben“.

Mit Sorge beobachtet der 66-jährige Kardinal die zunehmende Islamisierung des Landes. Mit „Petro-Dollars“ aus Saudi-Arabien werden vielerorts muslimische Zentren und Moscheen gebaut. Überall entstehen neue Moscheen, allein in Sarajewo waren es in den letzten Jahren 70.

Inzwischen leben in Bosnien-Herzegowina bereits 3000 bis 5000 Wahhabiten (Anhänger einer radikalen sunnitischen Glaubensrichtung, die in Saudi-Arabien Staatsreligion ist), die versuchen, Einfluss in der Gesellschaft zu gewinnen. „Niemand aus der Regierung hat den Mut, sich dieser Entwicklung entgegen zu stellen“, beklagt er.

Gruppenfoto der Seminaristen aus Sarajewo mit Bischöfen.

Gruppenfoto der Seminaristen aus Sarajewo mit Bischöfen.

Die katholische Kirche ist die einzige Kraft in der Gesellschaft, die sich für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander der verschiedenen Volksgruppen und Religionen einsetze, berichtet der Kardinal. „Wir sind eine Minderheit, aber wir sind eine konstruktive Kraft, die etwas zum Gelingen der Gesellschaft beitragen will.“

Im Priesterseminar von Sarajewo bereiten sich trotz aller Schwierigkeiten zurzeit 54 junge Männer darauf vor, eines Tages als Priester an den Tisch des Herrn zu treten. Die Zahl der Berufungen ist gestiegen, und dies schenkt den Katholiken im Land Hoffnung. Wo die Menschen in ihren Pfarreien Geborgenheit und einen Seelenhirten finden, wandern sie nicht ab.

“Dankbar für all die Liebe”

Manche Flüchtlinge finden auch den Mut, wieder in ihre Heimat zurückzukehren, sobald in dem Ort, aus dem sie stammen, das kirchliche Leben wieder aufgebaut wird. So werden Priester dringend gebraucht, aber fast alle der jungen Männer, die sich berufen fühlen, stammen aus armen Familien – wie die meisten Katholiken des Landes.

Mit 27.000 Euro möchten wir helfen, dass die 54 jungen Männer, die sich ganz in den Dienst Gottes, der Kirche und der Menschen in Bosnien-Herzegowina stellen möchten, auch in diesem Jahr ihre Ausbildung fortsetzen können.

Vinko Kardinal Puljic, der mutige Kardinal, der im Bosnienkrieg keine persönlichen Opfer scheute, um an der Seite seiner Gläubigen zu sein, schreibt: „Wir in Bosnien-Herzegowina sind dankbar für all die Liebe, die wir in den schweren Tagen des Kommunismus, des Krieges und der Nachkriegszeit erfahren haben“.

Hier können Sie für dieses und ähnliche Projekte direkt online spenden

3.Mai 2012 11:07 · aktualisiert: 28.Mai 2014 14:32
KIN / S. Stein