ÄTHIOPIEN

Weiterbildung für Priester

Ein Kapuziner doziert in Addis Abeba.

Ein Kapuziner doziert in Addis Abeba.

Am St.-Francis-Institut in Addis Abeba studieren Seminaristen, Schwestern und Laien Theologie. Sogar in der Pause sieht man im Garten Gruppen junger Leute zusammensitzen, die gemeinsam in ihre Bücher schauen oder eine Frage aus der Vorlesung diskutieren. Auch die Bibliothek ist gut besucht.

Einer der Studenten ist besonders fleißig. Jote (30) hatte bei einem Unfall schwere Brandverletzungen an Händen und Füßen davongetragen. Monatelang konnte der junge Mann, der bereits ein Jurastudium absolviert hatte, seine Hände nicht gebrauchen. Missionarinnen der Nächstenliebe, also Schwester aus dem Orden Mutter Teresas, kümmerten sich fast drei Jahre lang um ihn.

Damals bekehrte er sich zum katholischen Glauben und beschloss, Theologie zu studieren. “In meinem Leid habe ich im Glauben Licht und Hoffnung gefunden”, sagt er heute. “Was auch immer geschieht, ich kann ihm standhalten. Mein Glaube ist stark geworden. Diesen Glauben, den ich in der Zeit der Schmerzen erworben habe, nähre ich hier mit meinem Studium.“

Es werden aber auch Weiterbildungen für Priester angeboten. In Äthiopien werden Priester hoch geachtet: Die Gläubigen küssen ihnen zur Begrüßung die Hände und erweisen ihnen große Ehrfurcht und Liebe.

Student in Addis Abeba

Ein Student der Weiterbildungskurse in Addis Abeba.

Zugleich erwarten sie aber auch viel von ihren Priestern. In allen Nöten der Seele und des Leibes wünschen sich die Menschen Hilfe von ihnen. Sie wollen Geld, Nahrung, Medizin, einen Platz in einer Schule für ihre Kinder oder einen Studienplatz, sie brauchen Rat, wie ihre Feldfrüchte besser gedeihen oder ihre Familien besser überleben können oder wollen angeleitet werden, wie sie ihr tägliches Brot verdienen können.

In einem Land, in dem bittere Armut herrscht, ist der Priester alles für die Menschen. Zu ihm schauen sie voller Hoffnung auf. Gerade deshalb, weil die Seelenhirten allen alles sein müssen, ist nicht nur ihre Ausbildung, sondern auch ihre Weiterbildung extrem wichtig. Sie sollen ihre eigene Berufung vertiefen, ihre Spiritualität entwickeln und ihr Wissen erweitern. Besonderen Wert wird dabei auf die Seelsorge an Familien und Jugendlichen und das Studium der Heiligen Schrift gelegt.

Kapuzinerpater Daniel Assefa, der Rektor des Instituts, betont, wie wichtig es ist, die Seelsorge zu stärken. “Wir wollen Priestern helfen, die Freude am Priestertum wiederzuentdecken und dabei den Herausforderungen der modernen Welt begegnen”, erklärt er. KIRCHE IN NOT unterstützt die Weiterbildung der Priester mit 10.000 Euro.

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KIN / S. Stein