KENIA

Ausbildung von Seminaristen

Eltern führen einen angehenden Priester zum Altar.

Eltern führen einen angehenden Priester zum Altar.

Noch vor hundert Jahren war es in Afrika eine Seltenheit, dass einheimische junge Männer Priester wurden. Der 1906 in Kamerun geborene Simon Mpeke, der als “Baba Simon” berühmt geworden wurde und dessen Seligsprechungsverfahren läuft, wusste als Jugendlicher nicht einmal, dass ein Afrikaner Priester werden kann.

Zufällig las er — gemeinsam mit zwei Freunden — in einer Zeitschrift eine Reportage über einen einheimischen Priester. Daraufhin war es für alle drei jungen Männer klar: Sie wollten auch Priester werden. Auf diese Weise wurde der Kirche Afrika mit Baba Simon ein heiligmäßiger Priester geschenkt, den der Heilige Vater Benedikt XVI. auf seiner ersten Afrikareise 2009 den Gläubigen als Beispiel vor Augen stellte.

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert; mittlerweile stammt jeder fünfte Seminarist der Welt aus Afrika. Während zwischen 2002 und 2007 in Afrika 51 neue Seminare eröffnet werden konnten, um die vielen Berufungen aufnehmen, nähren und fördern zu können, mussten im gleichen Zeitraum in Europa 52 Priesterseminare ihre Pforten schließen.

Die Kirche erfreut sich einer großen Dynamik: 37 Prozent der gespendeten Taufen sind Erwachsenentaufen, und in 30 Jahren wird sich die Zahl der Christen verdoppelt haben. Afrika schenkt dem Rest der Welt heute sogar Missionare — junge Afrikaner, die das Feuer ihrer Berufung in Länder tragen, in denen der Glaube immer mehr versiegt.

Neugeweihte Priester in Kenia.

Diese Priester wurden kürzlich geweiht.

Und doch gibt es in vielen Teilen Afrikas zu wenige Priester für die vielen Gläubigen. So ist es auch in Kenia, wo ein Viertel der Bevölkerung sich zum katholischen Glauben bekennt. Jeder Priester muss hier im Durchschnitt weit mehr als 4000 Gläubige betreuen. Die Ausbildung angehender Priester ist also von höchster Wichtigkeit, denn “die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter” (Lk 10,2).

Die fast 200 000 Taufen, die im Jahr in Kenia gespendet werden — 40 Prozent Taufbewerber sind Neubekehrte — sprechen eine deutliche Sprache. Zwar gibt es viele Katechisten, die den Priestern mit segensreichem Einsatz zur Seite stehen, aber Priester werden dringend benötigt.

Dabei wird es für die Seminare immer schwieriger, die Kosten zu decken, denn die Preise steigen gewaltig. Dies gilt für alle Länder Afrikas, aber in Kenia ist die Situation besonders dramatisch. Dazu kommt die unsichere Lage.

Intellektuelles Zentrum Afrikas

Während Kenia lange Zeit als Vorzeigeland Afrikas galt, haben die schweren Unruhen, die nach den Wahlen im Jahr 2008 ausbrachen und viele Todesopfer forderten, gezeigt, dass in der Gesellschaft unter der Oberfläche manche Konflikte schwelen. Andererseits wird Kenia immer mehr zum intellektuellen Zentrum Afrikas. Zahlreiche Universitäten gibt es hier, und auch die jungen Priesteramtskandidaten brauchen nicht mehr ins Ausland geschickt zu werden, damit sie eine bessere Ausbildung erwerben können.

48 junge Männer bereiten sich im Priesterseminar der Diözese Kitale im Westen Kenias zurzeit darauf vor, eines Tages als Priester an den Altar des Herrn zu treten. Wir unterstützen ihre Ausbildung auch in diesem Jahr wieder.

Hier können Sie für dieses und ähnliche Projekte spenden.

KIN / S. Stein