ÄTHIOPIEN

Neubau einer Dorfkapelle

Frau mit Kind

Frau mit Kind.

Das Apostolische Vikariat Gambella liegt im Westen Äthiopiens an der Grenze zum Südsudan. Es ist ein unterentwickeltes Gebiet, in dem große Armut herrscht. Die meisten Menschen hängen noch traditionellen Stammesreligionen an und haben noch nie von Jesus Christus gehört.

Die katholische Kirche ist ihnen jedoch willkommen. Viele Menschen sagen zu den Priestern: “Wenn die katholische Kirche kommt, wird alles fruchtbar. Wo die Kirche ist, ist Wasser. Die Regierung gibt uns schlechtes Wasser, aber die Kirche bringt gutes Wasser. Wir lieben euren Gott, bitte kommt auch zu uns!” Die Kirche bringt nicht nur Wasser, sondern auch Getreidemühlen, Kindergärten und Hilfe bei der Entwicklung der Landwirtschaft.

Sie bringt vor allem aber die Frohe Botschaft und möchte durch den Geist des Evangeliums Versöhnung zwischen den Stämmen stiften, denn immer wieder kommt es zu blutigen Fehden, insbesondere zwischen den Stämmen, die Ackerbau betreiben, und denen, die Viehherden weiden. Das Vieh frisst die Ernte ab, die Bauern nehmen den Hirten Weidefläche weg.

“Es ist der Konflikt zwischen Kain und Abel, den wir aus der Bibel kennen”, sagt Bischof Angelo Moreschi. Immer wieder werden Menschen deswegen getötet. Die Kirche möchte die verfeindeten Stämme lehren, dass es andere Lösungen für Konflikte gibt als das Gesetz der Waffe.

Kinder in einer Kapelle aus Ästen und Brettern in Äthiopien.

Kinder in einer Kapelle aus Ästen und Brettern in Äthiopien.

Eine der jüngsten Pfarreien ist Bonga. Angefangen wurde bei Null. Es gab keine Kirche und überhaupt nichts, was zum Leben einer Pfarrei dazugehört. Die Pfarrei hat vier Außenstationen. Pfarrer Markos Melkamu, der noch kein Pfarrhaus hat und daher in der Stadt Gambella wohnt, fährt dreimal in der Woche über 100 Kilometer, um die Gläubigen in allen Orten zu betreuen.

Eine der Außenstationen ist Carmi. Die Kapelle, die die Gläubigen selbst errichtet haben, besteht nur aus Ästen und Brettern und ist eher eine Art Verschlag. Der aus Italien stammende Bischof Angelo Moreschi, der bereits seit 30 Jahren Missionar in Äthiopien ist, erzählt, dass erst kürzlich eine ähnliche Kapelle von einem starken Sturm einen Kilometer weit fortgerissen wurde.

Trotz des provisorischen Zustandes beten die Menschen mit großer Andacht, auch die Kinder. Auf dem Altar, der ebenfalls aus Ästen zusammengezimmert ist, liegt Nahrung für ihre Seelen: eine völlig zerfledderte Kinderbibel von KIRCHE IN NOT. Immer wieder muss der Katechet den Kindern daraus vorlesen. Die Kinder bekommen nicht genug von den Geschichten. Die Kinderbibel gießt die Frohe Botschaft in die Herzen dieser armen Kinder. Wenn sie von Jesus hören, strahlen ihre Augen.

Zerfledderte Kinderbibel auf einem Altar in Äthiopien.

Zerfledderte Kinderbibel auf einem Altar in Äthiopien.

“Es ist eine große Herausforderung, Vertrauen zwischen Menschen aufzubauen, die verschiedene Sprachen sprechen und verschiedenen Traditionen folgen. Wir möchten ihnen beibringen, dass der Glaube weiter ist und nicht nur den einzelnen Menschen, seinen Clan oder seinen Stamm umfasst, sondern dass er die Grenzen der Volksgruppen, Sprachen und Kulturen überschreitet”, sagt Pfarrer Markos Melkamu.

“Wir regen die Leute dazu an, sich zu öffnen und sich nicht abzusondern. Sie sollen nicht die Sprache als Ausrede zu verwenden, um sich abzugrenzen. Wir lehren sie, dass wir Gott in unserem Herzen anbeten.”

Damit die Menschen in Carmi nun ein solides Gotteshaus bekommen, das nicht von einem stärkeren Windstoß hinweggeweht wird, hilft KIRCHE IN NOT mit 20.000 Euro.

KIN / S. Stein