JAMAIKA

Ausbildungshilfe für „Missionare der Armen”

Pater Richard Ho Lung MOP, Gründer und Generaloberer der “Missionare der Armen”.

Pater Richard Ho Lung MOP, Gründer und Generaloberer der “Missionare der Armen”.

Was er sah, änderte alles: Armut und Not, Gewalt und Leid auf Jamaika berührten Richard Ho Lung tief. 1981 legte der Jesuit, Priester und Professor Titel und Aufgaben nieder.

Er hatte Philosophie, Englische Literatur und Theologie studiert und in Jamaika und in den USA unterrichtet. 1971 war der gebürtige Jamaikaner zum Priester geweiht worden. „Ich predigte das Wort Gottes, aber ich lebte es nicht“, meint Pater Richard Ho Lung heute.

Richard Ho Lung verließ den Jesuitenorden und ging in die Slums und Ghettos von Kingston, der Hauptstadt Jamaikas. „Ich lernte das Leben der Armen kennen, verstand die Seligpreisungen Christi als Auftrag“, so der inzwischen 73-Jährige, dessen Großvater aus China stammt, im Rückblick.

Zunächst war bei den Betroffenen die Verwunderung groß, doch schon bald wurde der Priester, der sich um Arme, Alte und Kranke kümmerte, geschätzt. Andere schlosse sich ihm an; so entstand eine kleine Gemeinschaft von vier Männern, Priestern und Laien. Sie nannten sich die „Brüder der Armen“, weil sie von den Armen als solche angenommen wurden.

Der Bischof von Kingston förderte die junge Gemeinschaft. Ihren Dienst in den Slums führten die Brüder wenig später in einem Haus für Obdachlose fort. Bald darauf kümmerten sie sich auch um Strafgefangene. Kraft für die wachsende Aufgabe, die materielle und geistliche Not der Ärmsten zu lindern, gab ihnen das gemeinschaftliche Leben aus dem Glauben mit festen Zeiten für Gebet, Liturgie und Gespräch. Der junge Orden wuchs und nannte sich fortan „Missionare der Armen“.

Wir möchten auch in diesem Jahr die Ausbildung der Missionare der Armen fördern.

Wir möchten auch in diesem Jahr die Ausbildung der Missionare der Armen fördern.

Um Wege aus Armut und Gewalt zu zeigen, ermunterten die Brüder die Betroffenen zu einem neuen Denken, zu einer grundlegenden Umkehr. Statt sich gegenseitig zu bekämpfen, sollten sie gemeinsame Initiativen ergreifen. Pater Ho Lung: „Was immer Christus gesagt, getan und erlitten hat, müssen auch wir sagen, tun und erleiden.“

Die Zentren, die die Brüder unterhalten sind Begegnungsstätten und Sozialstationen, aber auch Orte der Stille und des Gebetes. Die konkreten geistlichen und materiellen Nöte einer Gesellschaft verstehen sie als Herausforderung.

Der Orden der Missionare der Armen kümmern sich um Jung und Alt, um Klein und Groß.

Der Orden der Missionare der Armen kümmern sich um Jung und Alt, um Klein und Groß.

Ein Beispiel unter vielen ist das Holy-Innocent-Projekt auf Jamaika, das „Haus der Unschuldigen“, eine neue Bleibe für 200 Babys oder Kleinkinder und ihre Müttern sowie Schwangere, die vor der Entbindung stehen. Jamaika ist jung: Bei einer Gesamtbevölkerung von 2,8 Millionen liegt der Altersschnitt unter 24 Jahren.

Gegenwärtig zählt die Gemeinschaft mehr als 500 Brüder und Priester. Sie wirken auf Jamaika und Haiti, in Indien, Indonesien und Kenia, auf den Philippinen, in Uganda und den USA. Freiwillige auf Zeit unterstützen sie in ihrem Dienst.

KIRCHE IN NOT unterstützt in diesem Jahr auf Jamaika die Ausbildung von 106 Ordensbrüdern und 44 Novizen mit 20.000 Euro, damit sie ihren Dienst an den Armen und ihr geistliches Leben auf ein sicheres Fundament stellen.

KIN / S. Stein