PAKISTAN

Kapelle für christliche Siedlung

In der Sankt-Paulus-Pfarrei in Pansara.

Pfarrer Emmanuel Parvez in der Sankt-Paulus-Pfarrei in Pansara.

Die St.-Paulus-Pfarrei von Pansara, 25 Kilometer südwestlich von Faisalabad, bietet ein friedliches Bild. Schüler haben die Außenmauer des Geländes, auf dem Kirche, Pfarrhaus und eine Schule stehen, mit bunten Bildern einer friedlichen Welt bemalt.

Eines der Motive ist ein Lamm, das sich vertrauensvoll an einen Löwen schmiegt. Der Pfarrer hat Obstbäume gepflanzt. Kinder spielen Fußball.

Der Pfarrei, die erst im Februar 2010 eingerichtet wurde, gehören 30 Dörfer an. Pfarrer Emmanuel Parvez hat alle Hände voll zu tun: „In manchen Dörfern wissen die Menschen zwar, dass sie Katholiken sind, aber sie haben vorher noch nie einen Priester gesehen“, berichtet er.

„Die Katecheten helfen mir sehr. Sie gehen in die Dörfer, laden die Leute zum Gebet und zu den Gottesdiensten ein, besuchen die Kranken und bereiten die Gläubigen auf den Empfang der Sakramente vor. Aber wir haben hier dringend noch einen zweiten Priester gebraucht“.

Deshalb hat KIRCHE IN NOT beim Bau eines neuen Pfarrhauses geholfen, denn das alte hatte nur ein Zimmer, das dem Pfarrer zugleich als Schlaf-, Ess-, Wohn- und Arbeitszimmer diente, war schon für einen Priester zu klein.

Die Kinder freuen sich über die Figur des Prager Jesuleins.

Die Kinder freuen sich über die Figur des Prager Jesuleins.

Pfarrer Emmanuel hat viele Pläne. Vor allem möchte er die Lebensbedingungen der Menschen verbessern. Schon Kinder müssen in den 25 Ziegeleien arbeiten, die man in der Umgebung überall an der Straße sieht. Mit bloßen Händen fertigen die Arbeiter die Ziegel an und lassen sie in der Sonne trocknen. Beginnt es zu regnen, bevor die Rohlinge in den Öfen gebrannt wurden, deren hohe Schornsteine die Landschaft prägen, so war die ganze Arbeit umsonst.

Der Fabrikbesitzer sagt dann jedoch: „Was kann ich dafür, dass es zu regnen begonnen hat?“ Also bezahlt er die Leute nicht, beklagt der Priester. Die Arbeiter werden wie Sklaven gehalten und leben mit ihren Familien unter unhygienischen und elenden Verhältnissen. Werden sie von einem Tag auf den anderen entlassen, müssen sie umherwandern und sich irgendwo Unterschlupft suchen.

Am schlimmsten ist es aber, wenn sie vom Fabrikbesitzer Geld leihen müssen, weil zum Beispiel jemand in der Familie krank geworden ist und medizinisch behandelt werden muss. Dadurch werden die Familien noch abhängiger. Generationenlang können sie sich nicht aus der Schuldknechtschaft befreien, weil sie es nicht schaffen, das Darlehen mit seinen horrenden Zinsen zurückzuzahlen.

Pfarrer Emmanuel Parvez hilft solchen Familien, der Ausbeutung zu entkommen. Für zunächst achtzig Familien möchte er eine neue Siedlung bauen. Die Menschen sollen ihr eigenes Häuschen haben, eine Schule, eine kleine Krankenstation und eine Kapelle. Für den Bau dieser Kapelle bittet er KIRCHE IN NOT um Hilfe.

Das Gnadenbild des Prager Jesuleins wird sogar in Pakistan verehrt.

Das Gnadenbild des Prager Jesuleins wird sogar in Pakistan verehrt.

Für diese Kapelle hat Pfarrer Emmanuel bereits ein besonderes Geschenk bekommen: eine 60 Zentimeter große Statue des Prager Jesuskindes. Die Nachbildung des wundertätigen Gnadenbildes kam direkt aus dem berühmten Heiligtum in Prag und soll den Christen in Pakistan Segen und Trost bringen. Hunderte Kinder erwarteten wochenlang die Ankunft des Jesuskindes in ihrem Dorf und bereiteten sich mit Gebeten darauf vor. Als es endlich eintraf, begrüßten sie es mit Gesängen und Tänzen.

Diese Kinder, die von Kleinauf Not und Sklaverei erfahren haben, sind begeistert, dass das Jesuskind selbst zu ihnen gekommen ist. Es soll einen Ehrenplatz in der neuen Kapelle in dem Dorf erhalten, wo ehemalige Sklaven nun zum ersten Mal ein menschenwürdiges Leben führen dürfen. Dort soll es vor allem die Kinder beschützen, die in Pakistan so sehr bedroht sind, und es soll auch zum Anziehungspunkt für Katholiken aus anderen Gemeinden werden.

Zahlreiche Aktivitäten für Kinder

Schon bald soll in Pansara eine heilige Messe zu Ehren des Jesuskindes gefeiert werden, zu der Priester und Gläubige aus der ganzen Diözese Faisalabad eingeladen werden, und die Nachbildung des Gnadenbildes von Prag soll in einer feierlichen Prozession an ihren Bestimmungsort geleitet werden.

Pfarrer Emmanuel Parvez liegen die Kinder besonders am Herzen, die in Pakistan durch Kinderarbeit, Armut, Terrorismus und Gewalt permanent bedroht sind. Ihnen möchte er zu einer besseren Zukunft verhelfen und sie schützen. Er hat zahlreiche Aktivitäten für Kinder ins Leben gerufen, an denen auch muslimische Kinder teilnehmen. Durch gemeinsames Spielen und Nachdenken wird das friedliche Miteinander gefördert. Auch muslimische Familien lieben den Priester, weil er ihnen ebenfalls hilft.

Der Bibelwissenschaftler, der nicht nur in seiner Pfarrei unermüdlich tätig ist, sondern auch am Priesterseminar von Faisalabad lehrt, schreibt außerdem Bücher für Kinder und Jugendliche über die Gleichnisse und Wunder Jesu. Die Schüler können die Geschichten beispielsweise als Theaterstücke nachspielen und sie somit tiefer in sich aufnehmen. Auch andere Bücher hat er geschrieben, die den Glauben vertiefen sollen.

Schahbaz Bhatti, Minister für religiöse Angelegenheiten in Pakistan, wurde von Anhängern der Taliban erschossen.

Schahbaz Bhatti, Minister für religiöse Angelegenheiten in Pakistan, wurde von Anhängern der Taliban erschossen.

Der 62-jährige Priester ist ein Cousin des im März 2011 ermordeten Ministers für Minderheiten Shahbaz Bhatti, der für seinen Einsatz gegen das Blasphemiegesetz von Extremisten durch regelrechte Maschinengewehrsalven getötet wurde. Die pakistanische Bischofskonferenz stellte bereits drei Wochen nach seiner Ermordung einen offiziellen Antrag an den Vatikan, ihn in die Liste der „Märtyrer der Weltkirche“ aufzunehmen. Noch in seinem letzten Interview hatte der katholische Minister sein Engagement als „Zeugnis für Christus“ bezeichnet.

Mehrere Familienangehörige von Shahbaz Bhatti haben Pakistan inzwischen verlassen, weil sie ihr Leben in Gefahr gesehen haben. Pfarrer Emmanuel Parvez hat selbst ebenfalls bereits Drohanrufe erhalten. Aber er bleibt, denn er sagt: „Es ist besser, ein Märtyrer zu sein, als ein Flüchtling.“ Viele Menschen brauchen seinen priesterlichen Dienst, seine Hilfe und sein unerschrockenes Zeugnis.

Für die Menschen in Pansara möchte er noch viel tun. Für die Kapelle in dem Dorf der ehemaligen Sklaven hat uns Pfarrer Emanuel Parvez um Hilfe gebeten. Mit 13.000 Euro möchten wir den Bau unterstützen.

KIN / S. Stein