SUDAN

Weiterbildung für Priester

Beichtgespräch im Sudan.

Beichtgespräch im Sudan.

Die sudanesischen Priester wissen, was Leid bedeutet. Die jüngeren Priester haben ihr Land fast ihr ganzes Leben lang nicht anders als im Krieg erlebt und wurden unter schwierigsten Bedingungen ausgebildet. Eine ganze Generation hat nur Gewalt, Vertreibung und Elend kennen gelernt.

Fast 25 Jahre Bürgerkrieg, dessen Wunden auch nach dem Referendum und der Errichtung des neuen Staates Südsudan noch bluten, haben das Land gezeichnet. 2,5 Millionen Tote, fünf Millionen Menschen, die in die angrenzenden Länder geflohen sind, vier Millionen innerhalb des Landes Vertriebene und unzählige verletzte Seelen.

Die Priester stehen den Gläubigen in jeder Hinsicht zur Seite: Seelsorge, materielle Hilfe, Erziehung – alles das müssen sie leisten, obwohl sie viel zu wenige sind, um sich der Not entgegen stellen zu können. Ihre eigenen Seelen sind genauso verletzt wie die ihrer Gläubigen, und ihre Hände sind leer, weil sie selbst nichts haben.

Die Kirche leidet zudem unter der Einführung des islamischen Sharia-Gesetzes, das auch auf Christen angewandt wird. Es gilt für das öffentliche und private Recht und wird auch im Erziehungswesen angewandt. Das Ziel, die Gesellschaft im Sudan zu islamisieren, nimmt in der Politik einen breiten Raum ein. Für die Kirche wird die Luft immer dünner.

Während einer heiligen Messe.

Während einer heiligen Messe.

Kein Wunder, dass es Priester gibt, die an den Rand ihrer Belastbarkeit geraten und in diesen schwierigen Zeiten schwere Berufungskrisen erleben. Der Präfekt der vatikanischen Kleruskongregation, Erzbischof Mauro Piacenza, verwendete das Bild, ein Priester brauche „den Herzmuskel eines Rambo“, um all die Liebe und die geistliche Kraft aufzubringen, die er für seine Berufung benötigt.

Gabriel Kardinal Zubeir Wako, der Erzbischof von Khartum, schreibt: „Diejenigen unter uns, die für die Priester verantwortlich sind, machen sich Sorgen um ihr geistliches Wohlergehen in diesem Moment großer Veränderungen, und wir möchten eine Umgebung schaffen, in der sie Zeit haben zu lesen, zu beten und ihren Glauben zu vertiefen, um ihrerseits ihre Herde weiden zu können.“

Gabriel Kardinal Zubeir Wako, Erzbischof von Khartum, bei einer heiligen Messe im Priesterseminar.

Gabriel Kardinal Zubeir Wako, Erzbischof von Khartum, bei einer heiligen Messe im Priesterseminar.

Die Priester brauchen Hilfe, damit sie nicht zerbrechen. Deshalb sollen 68 Priester der Erzdiözese Khartum und 22 Priester aus El Obeid an einem Programm der Weiterbildung und geistlichen Vertiefung teilnehmen. So können sie ihre Berufung stärken und gemeinsam den Herausforderungen begegnen, sich gegenseitig trösten, stärken und mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Viermal kommen im „Jahr des Glaubens“ Priester der beiden Diözesen zusammen. KIRCHE IN NOT unterstützt ihre Anreise und die Durchführung des Programms mit 8.300 Euro.

KIN / S. Stein