UGANDA

Renovierung eines Priesterseminars

Cosmas Alule, Rektor des Seminars in Alokolum.

Cosmas Alule, Rektor des Seminars in Alokolum.

220 junge Männer aus mehreren Diözesen des Landes bereiten sich zurzeit im Priesterseminar in Alokolum im Norden Ugandas auf das Priestertum vor. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, stellt das Seminar allerdings vor eine große Herausforderung, denn mittlerweile platzt es aus allen Nähten.

Daher ist es dringend notwendig, eines der Gebäude, in denen die Seminaristen untergebracht sind, zu renovieren und es damit bewohnbar zu erhalten, da der Platz ohnehin schon knapp ist.

Die Seminaristen von Alokolum haben während des Bürgerkrieges (1988-2007) das Schicksal der Bevölkerung geteilt. Auf dem Gelände des Seminars befand sich in dieser Zeit und auch danach ein Flüchtlingslager. Die Menschen mussten mitansehen, wie ihre Schwestern, Mütter, Töchter und Frauen vergewaltigt und weitere Menschen getötet worden sind. Mütter mussten mitansehen, wie ihre Kinder in den Busch verschleppt wurden. Die angehenden Priester werden daher besonders dafür ausgebildet, den traumatisierten Menschen beizustehen und ihnen zu helfen.

Auch die Kirche blieb nicht verschont: Rebellen der berüchtigten Lord’s Resistance Army überfielen am 11. Mai 2003 das Kleinseminar der Erzdiözese Gulu und entführten 41 Seminaristen. Sie verschleppten außerdem die Jugendlichen in den Busch, um sie zu Soldaten auszubilden. Zwölf der Jungen werden bis heute vermisst.

Gebäude des Priesterseminars in Alokolum.

Gebäude des Priesterseminars in Alokolum.

Die Menschen brauchen Hilfe, um ihr Leben wieder aufzubauen. „Fast eine ganze Generation ist bereits in Flüchtlingslagern geboren oder aufgewachsen. Die ganze Arbeitskultur ist zerstört worden, die Leute haben jeden Tag ihre Essensrationen empfangen und wissen nicht mehr, wie man sich seinen Lebensunterhalt verdient“, erklärt Cosmas Alule, der Rektor des Seminars. Hier muss die Kirche viel Unterstützung leisten und die Menschen beraten.

Seminarist beim Gebet

Ein Seminarist aus Uganda beim Gebet.

Die Regierung gibt den Menschen, die in ihre Dörfer zurückkehren, zwar etwas Baumaterial und Saatgut, aber damit ist es nicht getan. „Es geht darum, den Menschen dabei zu helfen, ihr Leben auch in seelischer, kultureller und spiritueller Hinsicht wiederherzustellen“, betont er.

Einige Priester wurden während des Krieges entführt, verletzt, inhaftiert und sogar getötet. Einem Priester wurden die Hände mit Kugeln durchsiebt, als er im Auto unterwegs zu einer Kapelle war.

Auch viele der Seminaristen haben Traumata erlitten. Dies stellt eine Herausforderung für die Ausbilder dar. Die geistlichen Begleiter der Seminaristen müssen sich besonders intensiv mit diesen Problemen befassen. „Es ist aber auch gut, dass die zukünftigen Priester die Erfahrungen der Bevölkerung geteilt haben, denn wir brauchen Priester, die wissen, was Leid ist. Wenn jemand diese schmerzlichen Erfahrungen gemacht hat und in der Lage ist, daran nicht zu zerbrechen, kann er anderen viel besser helfen“, findet der Rektor.

Damit das Seminar die jungen Männer, die sich als gute Hirten in den Dienst an Gott und ihrem Volk stellen möchten, nicht wegzuschicken braucht, möchte KIRCHE IN NOT mit 20.000 Euro bei der Renovierung des Wohntraktes helfen.

KIN / S. Stein